Internet

Die Deutschen haben ihre Lieblingsseiten gefunden

Von Holger Schmidt

14. April 2008 Die Zeiten des ziellosen Umhersurfens im Internet sind vorbei - die Deutschen haben ihre Lieblingsseiten inzwischen gefunden und sind ihnen treu. Nur acht Seiten suchen die deutschen Nutzer regelmäßig auf, hat eine repräsentative Forsa-Umfrage im Auftrag von Sevenone Interactive ergeben. Vor allem Frauen und junge Menschen zwischen 14 und 19 Jahren konzentrieren sich im Netz stark auf wenige Seiten, während Männer und ältere Nutzer eine größere Bandbreite an Internetangeboten aufsuchen, hat die Studie ergeben.

„Das Internet verspricht eine schier unbegrenzte Vielfalt an Informationen sowie Kommunikations- und Unterhaltungsmöglichkeiten. Doch während das Angebot im Netz mehr und mehr fragmentiert, konzentriert sich die tatsächlich Nutzung auf wenige, ausgewählte Seiten. Gute Wettbewerbschancen im Onlinemarkt haben deshalb starke Marken. Sie sind als Orientierungshilfen gerade dann wichtig, wenn die Vielfalt des Angebots immer unüberschaubarer wird“, sagt Matthias Falkenberg, Geschäftsführer von Sevenone Interactive.

Eine große Rolle spielen die klassischen Medien

Neben den regelmäßig besuchten Seiten geben die Nutzer aber auch neuen Angeboten eine Chance. Sie besuchen durchschnittlich 17 neue Seiten im Monat, die sie aber nur selten in ihre relevante Auswahl integrieren. Männer zeigen sich dabei deutlich neugieriger als Frauen: Sie klicken im Schnitt 21 neue Seiten im Monat an, Frauen nur 13 Seiten.

Aufmerksam auf neue Seiten werden die meisten Internetnutzer auch 15 Jahre nach der Erfindung des World Wide Webs nicht überwiegend durch Hinweise (Links) auf den besuchten Internetseiten, sondern meist auf Empfehlung ihrer Freunde. Eine große - und mit steigendem Alter der Nutzer wachsende - Rolle spielen die klassischen Medien: Artikel und Werbung in Zeitungen oder Zeitschriften sind vor allem in der Gruppe der 40 bis 49 Jahren alten Nutzer wichtige Hinweisquellen auf neue Seiten, hat die Umfrage ergeben. Obwohl soziale Netzwerke wie StudiVZ ausschließlich auf das sogenannte virale Marketing im Internet setzen, um neue Nutzer anzulocken, scheinen die klassischen Medien immer noch ein unverzichtbares Marketinginstrument für viele neue Internetseiten zu sein.

Junge Menschen nutzen bevorzugt Web-2.0- Seiten

Diesen Vorteil haben sich viele klassische Medien zunutze gemacht und erreichen ihre relevanten Zielgruppen inzwischen oft besser im Netz. Denn 2007 ist erstmals seit vielen Jahren die durchschnittliche Dauer des Fernsehkonsums in Deutschland gesunken - insbesondere die 14- bis 29-Jährigen haben dem Fernsehen verstärkt den Rücken in Richtung Internet gekehrt, hat eine Studie von OC&C Strategy Consultants und RTS Futures ergeben.

„Die werberelevanten Nutzer im Internet sind heute die unter 30 Jahre alten Surfer. Alle anderen Zielgruppen sind problemlos durch die klassischen Medien erreichbar“, sagt Falkenberg. Aber auch immer besser im Internet, denn inzwischen sind 40 Millionen Deutsche, die älter als 14 Jahre sind, regelmäßig im Internet unterwegs, hat die jüngste Studie der Arbeitsgemeinschaft Online-Forschung (AGOF) ergeben.

Junge Menschen zwischen 14 und 19 Jahren nutzen bevorzugt Unterhaltungsangebote wie Prosieben.de oder Web-2.0- Seiten wie MyVideo.de, StudiVZ, Knuddels.de oder Piczo.com, hat eine Auswertung auf Basis der AGOF-Daten ergeben, die allerdings Seiten wie Google, Ebay, MySpace oder Facebook nicht oder noch nicht berücksichtigt. Weitere populäre soziale Netzwerke wie SchülerVZ, das zu Holtzbrinck gehört, oder Wer-kennt-wen.de, eine Beteiligung des Fernsehsenders RTL, sind in der AGOF-Statistik ebenfalls nicht erfasst, wären aber wohl auch auf einer guten Position in der Rangliste.

Gelangweilt von zu vielen Wiederholungen

Die meisten Nutzer, die 30 Jahre und älter sind, bevorzugen weiterhin die großen Portale wie T-Online, Web.de, Yahoo, GMX, MSN oder AOL. Die von der AGOF erfassten Web-2.0-Angebote wie StudiVZ oder Lokalisten spielen in diesen Altersgruppen bisher keine Rolle.

Die Befragung von OC&C zeigt, dass die jungen Zuschauer mit den derzeit etablierten Fernsehprogrammen unzufrieden sind. Insbesondere trifft dies auf die 15- bis 17-Jährigen zu - sie schauen von allen untersuchten Altersgruppen heute schon am wenigsten fern, und ihre Fernsehzeit nimmt weiter ab. Diese Gruppe zeigt sich vor allem gelangweilt von zu vielen Wiederholungen, Soaps, Reality Shows sowie von für die Zielgruppe belangloser Werbung und beklagt einen akuten Mangel an neuen Ideen und Formaten.

Komplette Fernsehsendungen im Internet

Immer mehr junge Menschen laden ihre Lieblingssendungen lieber von den Internetseiten herunter, nehmen diese auf und schauen sie zeitversetzt. Die Sender haben auf diese Entwicklung reagiert. „Wir haben begonnen, komplette Fernsehsendungen ins Internet zu stellen. Wir finanzieren den neuen Service durch Werbung. Der Zuschauer zahlt also nicht mit Geld, sondern mit knapp 22 Sekunden Aufmerksamkeit - exakt so lange dauert es, sich einen durchschnittlichen TV-Spot anzusehen“, sagt Peter Christmann, Marketing-Vorstand von Prosieben Sat.1.

Allerdings sei es falsch, das Mediennutzungsverhalten junger Menschen einfach in die Zukunft fortzuschreiben. „Die jeweiligen Lebensumstände haben eine große Wirkung auf die Präferenz für oder gegen bestimmte Sender und Formate. Insofern wäre es auch falsch, anzunehmen, dass die Generation, die heute zwischen 20 und 30 Jahren alt und mit dem Computer und Internet aufgewachsen ist, überhaupt kein Interesse am Fernsehen mehr habe. Auch diese Gruppe macht es sich später von Zeit zu Zeit nach Feierabend gerne mit der ganzen Familie vor dem Bildschirm bequem. Für einen Abgesang auf das Fernsehen ist es daher noch viel zu früh“, sagt Buchwaldt.

Kinder beeinflussen das Internetverhalten ihrer Eltern

Es gibt aber auch den umgekehrten Effekt: Kinder beeinflussen das Internetverhalten ihrer Eltern positiv. Erwachsene mit Kindern sind weit häufiger im Internet unterwegs als Kinderlose, hat die Studie „Digital Families 2008“ der European Interactive Advertising Association (EIAA) ergeben. In Deutschland geben knapp 80 Prozent der befragten Eltern an, jede Woche im Web zu surfen.

Bei Erwachsenen ohne Kinder sind es hingegen nur 60 Prozent. Schon 28 Prozent der „digitalen Eltern“ schauen sich im Netz Filme hat, hat die Umfrage ergeben. Allerdings hinken die deutschen Eltern im europäischen Vergleich hinterher: Moderne Anwendungen wie soziale Netzwerke, Instant Messaging oder das Herunterladen von Musik nutzen die Eltern deutscher Kinder weit seltener als die Eltern in anderen europäischen Ländern. Dafür sind die deutschen Eltern rege Nutzer von Preisvergleichs- und Auktionsseiten.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z.

 
Kursabfrage 
NamePunkteProzent
Dax 4.544,31 -7,01
TecDax 516,75 -4,81
DowJones 8.451,19 -1,49
Nasdaq 1.649,51 +0,27
STOXX 50 2.421,87 -7,86
Nikkei 225 8.276,43 -9,62
S&P 500 Zert. 8,83 -10,45
Euro/Dollar 1,34 +0,00
Bund Future 114,67 -1,44
Gold 847,40 +0,00
Öl 76,65 -7,49
FAZ.NET Suchhilfe
F.A.Z.-Archiv Profisuche