22. Januar 2007 Das Computerspiel World of Warcraft - The Burning Crusade ist fünf Tage nach Verkaufsstart in vielen Läden noch immer ausverkauft. Wir haben kein einziges Spiel mehr, sagte eine Sprecherin des Elektrohändler-Verbundes Electronic-Partner. Auch der Versandhändler Amazon konnte nicht garantieren, dass seine Bestände über das Wochenende reichen.
In einzelnen Elektronikmärkten wurde per Eilboten Nachschub geliefert, der innerhalb weniger Stunden wiederum ausverkauft war. Am Wochenende wurde erwartet, dass bis zu 400.000 Exemplare über die Ladentische gingen. Das gilt als der erfolgreichste Marktstart eines Computerspiels in Deutschland.
Mitgliederzahl entspricht Einwohnerzahl Frankfurts
In der Nacht auf Dienstag hatte die amerikanische Spiele-Schmiede Blizzard Entertainment die erste Erweiterung ihres Online-Rollenspiels World of Warcraft (WoW) veröffentlicht. Derzeit hat das Spiel in Deutschland 680.000 Mitglieder, das entspricht etwa der Einwohnerzahl Frankfurts. Die Spieler zahlen einen Monatsbeitrag von mehr als zehn Euro. Weltweit spielen etwa acht Millionen Menschen WoW. Sie sind über das Internet verbunden und lösen gemeinsam Aufgaben in einer Märchenwelt. Dazu schlüpfen sie in die Rolle von Kriegern, Magiern oder Priestern. Das Zusatzpaket The Burning Crusade bringt neue Aufgaben, neue Völker, und es erweitert das Spielgebiet.
Schon nach 28 Stunden erreichte ein französischer Spieler die neue höchste Spielstufe: Level 70 - europäischer Rekord. Dazu arbeitete er mit seiner Mannschaft, einer Gilde, zusammen, wie in WoW üblich. Er hatte tagsüber einige Stunden geschlafen und direkt nach dem Verkaufsstart um Mitternacht losgespielt.
Viele Geschäfte hatten nachts geöffnet
Auch in Deutschland hatten viele Geschäfte eigens wegen der Spielerweiterung nachts geöffnet, wie sonst Buchläden bei Erscheinen eines neuen Harry-Potter-Bandes. Die Spieler warteten in langen Schlangen. In Köln verletzten sich drei Menschen, als unter dem Ansturm eine Glastür zerbrach.
WoW ist einer der erfolgreichsten Spieletitel überhaupt. Fiktives Gold, mit dem man im Spiel bezahlt, wird auch in der wirklichen Welt für echtes Geld gehandelt. Derzeit kosten 1000 Goldstücke etwa 30 Euro. Der Handel hatte in der vergangenen Woche stark angezogen. Die Nachfrage hat sich fast verdoppelt, sagte der Geschäftsführer eines Spielgeld-Händlers. Blizzard versucht diesen Handel zu unterbinden. Erst im Dezember sperrte die Firma 105.000 Spieler-Zugänge und vernichtete 12 Millionen virtuelle Goldstücke.
Mehr Ausgaben für Spiele als für Kinobesuche
Auch die Besucherzahlen auf WoW-Internetseiten erhöhten sich in der vergangenen Woche deutlich. Schon vorher meldeten manche Seiten Quoten wie etablierte Nachrichtenanbieter: Drei Millionen Besucher hatte das Spiele-Portal Gamona im Dezember, etwa so viele wie die Financial Times Deutschland.
Seit dem Verkaufsstart vor zwei Jahren hält sich WoW auf den vorderen Plätzen der Ranglisten. In den vergangenen Jahren ist der Markt stetig gewachsen. Inzwischen geben die Deutschen jährlich mehr als eine Milliarde Euro für Computer- und Videospiele aus, deutlich mehr als für Kinobesuche.
Text: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 21.01.2007, Nr. 3 / Seite 1
Bildmaterial: Blizzard Entertainment