01. November 2007 Die Internet-Suchmaschine Google hat ein technisches System für eine einfache Einbindung externer Programme in soziale Netzwerke entwickelt. Die Plattform, die Google am Donnerstag unter dem Namen Open Social vorstellen wird, gilt als Reaktion auf den großen Erfolg des amerikanischen Netzwerkes Facebook, für das externe Entwickler inzwischen Tausende Zusatzprogramme bereitgestellt haben.
An der Google-Initiative beteiligen sich nach Informationen dieser Zeitung neben sozialen Netzwerken wie Xing, LinkedIn, Viadeo, Hi5, Friendster und dem Google-eigenen Netzwerk Orkut, die zusammen mehr als 100 Millionen Nutzer haben, auch die Softwareunternehmen Oracle und Salesforce. Das deutsche Studentennetzwerk StudiVZ ist nach Angaben eines Sprechers nicht beteiligt.
Vor allem für kleine Netzwerke vorteilhaft
Die Zusatzprogramme, die vor allem die Facebook-Nutzer in großer Zahl in ihre persönlichen Seiten eingebaut haben, mussten bisher aufwendig an die technischen Eigenheiten angepasst werden. Für viele Entwickler, darunter amerikanische Unternehmen wie iLike, Rockyou oder Slide, lohnte sich die Anpassung ihrer Programme für kleinere Netzwerke bisher nicht. Google setzt mit Open Social daher auf allgemein verfügbare Industrieschnittstellen, um die Programme problemlos einbauen zu können. Die drei Schnittstellen, die Open Social zu Beginn zur Verfügung stellt, sollen zunächst den Austausch der Informationen aus den Profilen der Nutzer, über ihre Freunde, mit denen sie in Kontakt stehen, und über ihre Handlungen im Netzwerk ermöglichen.
Viele Netzwerke wie Xing hatten sich erst nach dem Erfolg von Facebook für die Öffnung ihrer Plattformen für externe Entwickler entschieden und stehen noch ganz am Anfang. Open Social bringt vor allem diesen kleinen Netzwerken Vorteile, da sie erstmals für Entwickler interessant werden.
Branchengrößen nicht beteiligt
Dagegen beteiligen sich die amerikanischen Branchengrößen wie Facebook oder MySpace, das gerade die Öffnung für externe Entwickler angekündigt hat, bisher nicht an Open Social. In amerikanischen Technologieblogs wie Read Write Web wird Googles Ankündigung daher als Auftakt zu einem Dreikampf auf dem Markt der sozialen Netzwerke zwischen Facebook, MySpace und Google gewertet. MySpace hat nach jüngsten Angaben des Marktforschungsunternehmens Comscore weit über 100 Millionen Nutzer in aller Welt, Facebook verfügt zurzeit über 73 Millionen Nutzer, wächst zurzeit aber wesentlich schneller als seine Konkurrenten.
Die sozialen Netzwerke gelten als attraktive Werbeflächen im Internet, da die Nutzer dort sehr viel Zeit verbringen und zudem meist korrekte Angaben über ihre persönlichen Interessen machen. Die Zusatzprogramme könnten den Netzwerken zudem des Status eines Internet-Betriebssystemes geben, was die Verweildauer auf den Seiten weiter erhöht. Aus diesem Grund hatte sich der Softwareriese Microsoft vor wenigen Tagen an Facebook beteiligt. Die Investition bewertet Facebook mit 15 Milliarden Dollar.
Text: F.A.Z., 01.11.2007, Nr. 254 / Seite 14
Bildmaterial: AFP
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