Von Holger Schmidt
03. Dezember 2007 Bilder vom Baden mit der besten Freundin, die geliebte Katze, ein Video der angehimmelten Boy-Group und immer wieder Blümchenmuster: auf Piczo werden Teenager-Träume wahr - zeitgemäß auf der eigenen Seite im Internet, aber irgendwie doch wieder herrlich altmodisch.
Die Mischung hat Erfolg: Piczo ist mit 11 Millionen aktiven Nutzern die größte Teenager-Gemeinschaft der Welt; mindestens eine halbe Million deutscher Jugendlicher zwischen 13 und 18 Jahren sucht regelmäßig die Seite auf. Drei Viertel sind Mädchen, sagt Jeremy Verba, der Vorstandsvorsitzende des dreieinhalb Jahre alten amerikanischen Unternehmens.
Mit Facebook oder StudiVZ hat Piczo wenig gemein
Er möchte Piczo aber nicht in eine Schublade mit den Web-2.0-Gemeinschaften wie Facebook oder StudiVZ gesteckt wissen. Es gibt wesentliche Unterschiede: Bei Piczo geht es vor allem darum, sich auf einer eigenen Website selber auszudrücken - und weniger um Kommunikation als auf MySpace oder StudiVZ. Unterschied Nummer zwei: Piczo ist eine sichere, kontrollierte Umgebung. Neue Mitglieder kommen nur mit einer Einladung hinein. Wir haben auch keine Suchmaschine, um andere Mitglieder zu finden. Ein Mitglied kann ein anderes Mitglied nur finden, wenn es ihm zuvor die korrekte Internetadresse mitgeteilt hat. Vor allem weil wir eine Gemeinschaft für Teenager sind, ist das wichtig, sagt Verba, der ein ganzes Team in San Francisco im Einsatz hat, das unerwünschte Inhalte schnell entfernen soll.
Die Vernetzung aller mit allen sei nicht das Ziel von Piczo. Die Nutzer können zwar ihre Seite öffnen, damit sie von anderen Nutzern gefunden werden, aber die Privatsphäre ist Piczo heilig. Wenn ein Mitglied es will, wird es nur von seinen zehn oder fünfzehn Freunden gefunden - von niemandem sonst. Wir sind keine Plattform, auf der man 2618 Freunde hat. Auf Piczo spiegelt sich das wahre Leben der Teenager wider, sagt Verba, der seit Januar auch mit einer deutschen Seite im Netz ist. Piczo ist neben den Vereinigten Staaten und Deutschland auch in Kanada, Großbritannien, Skandinavien und Australien vertreten. Die Seiten für Russland und China sind als Testversion im Netz.
Teenager von heute haben das Internet im Blut
Dass andere soziale Netzwerke schneller wachsen, ist Verba egal. Unsere Nutzer sehen uns nicht als Konkurrenten zu Myspace, sondern in einem ganz anderen Feld. Wir wissen natürlich, dass die Menschen, die Piczo-Accounts haben, auch MySpace-Accounts haben oder bei Facebook registriert sind. Die meisten Leute nutzen MySpace oder Facebook aber sehr stark für die Kommunikation und haben die Seite daher den ganzen Tag offen. Unsere Nutzer kommen nicht ständig zu uns. Sie kommen ein paar Mal die Woche oder auch nur ein paar Mal im Monat, um ihre Seite zu aktualisieren oder nachzuschauen, was andere aus ihren Seiten gemacht haben. Bei uns geht es nur um die Selbstdarstellung, sagt Verba, der inzwischen viel über das Verhalten der Teenager im Internet gelernt hat. Diese Generation hat das Internet im Blut. Diese Generation will sich nicht nur auf einer Seite aufhalten, sondern ist gleichzeitig auf vielen Seiten unterwegs. Und sie wollen, dass diese Seiten miteinander verknüpft sind. Deshalb wird Googles Initiative Open Social ein Erfolg werden, sagt Verba.
Seine Erfahrung soll sich nun auch in Werbedollars auszahlen. Teenager lassen sich mit klassischer Werbung in Magazinen oder im Fernsehen nur noch schwer erreichen. Und selbst wenn Teenager fernsehen, schreiben sie nebenbei noch SMS. Die Markenartikler haben natürlich bemerkt, dass die Jugendlichen ihre Medienaktivität ins Internet verlagern. Das heißt nicht, dass die Werbedollars sich genauso schnell bewegen. Aber die Unternehmen experimentieren, welche neue Form der Werbung funktioniert. Und auf Piczo können die Werber in Kontakt mit den Teenagern kommen. Zum Beispiel können die Unternehmen Bilder ihrer Produkte einstellen, die von den Teenagern auf ihren Seiten eingefügt werden. Denn die jungen Menschen identifizieren sich mit Marken; sie haben überhaupt kein Problem, sich mit Marken auszudrücken, sagt Verba.
Videos und Musik kommen von MyVideo und Yahoo
Zusätzlich stellen MyVideo und Yahoo Videos und Musikstücke zur Verfügung, die von den Teenagern in ihre Seite eingefügt werden. Eine der spannenden Dinge im Moment im Internet ist die Vermischung von nutzergenerierten Inhalten mit den Inhalten der Massenmedien. Wenn die Nutzer auf die Seiten ihrer Freunde schauen, dann möchten sie Dinge wie Videos, Musikstücke oder Fotos tauschen - und zwar sehr einfach. Deshalb haben sie Piczo Zones aufgebaut. Piczo funktioniert eher wie ein Mash-up. Die Nutzer entdecken sich anhand dieser Inhalte, wenn sie feststellen, dass sie die gleiche Musik mögen, sagt Verba.
Noch steckt die Werbevermarktung der Teenager-Gemeinschaft aber in den Kinderschuhen. Wir machen graphische Werbung und Sponsoring. Um ehrlich zu sein: Wir stehen noch ganz am Anfang der Monetarisierung. In Großbritannien haben wir MSN als Vermarktungspartner, in Deutschland ist es Tomorrow Focus. Aber unser Targeting-System wird unsere Werbekunden helfen, die gewünschten Zielgruppen genau zu erreichen, sagt Verba.
Text: F.A.Z., 03.12.2007, Nr. 281 / Seite 23
Bildmaterial: ddp, dpa
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Fünf Köpfe: Wir sind der Flughafen
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