Internetwerte

Yahoo-Aktie nach wie vor zu teuer

19. April 2006 Wer neu an der Börse ist, wundert sich manchmal darüber, wie eine Aktie auf Nachrichten reagiert. Oft reicht ein Rekordgewinn nicht, um den Kurs steigen zu lassen, weil die Anleger mehr erwartet hatten.

Manchmal ist es aber umgekehrt: Yahoo zum Beispiel meldete am Dienstag nach Börsenschluß in den Vereinigten Staaten einen niedrigeren Quartalsgewinn, und die Aktie legte nachbörslich gut sechs Prozent zu (Isin US9843321061). Hier hatten die Anleger wohl weniger erwartet.

Mehr Umsatz, weniger Gewinn

Die gedämpfte Stimmung vor Veröffentlichung der Zahlen mag auch daran gelegen haben, daß Yahoo seine Aktionäre im Januar derbe enttäuscht hatte - und der Kurs daraufhin in den Keller sauste. Von diesem Einbruch hat sich die Aktie noch lange nicht erholt.

Der Umsatz wuchs im Vergleich zum Vorjahresquartal um 34 Prozent auf 1,57 Milliarden Dollar. Vor allem wegen höherer Ausgaben für Aktienoptionen sank das Nettoergebnis um 22 Prozent auf 160 Millionen Dollar oder elf Cent je Aktie. Im ersten Quartal stiegen die Aufwendungen im Zusammenhang mit den Aktienoptionsprogrammen von sechs Millionen auf 71 Millionen Dollar. Ohne diese Aufwendungen habe das Ergebnis bei 231 Millionen Dollar oder 0,15 Dollar je Aktie nach 195 Millionen Dollar oder 0,13 Dollar je Aktie gelegen.

Suchmaschinen-Werbung boomt

Der Google-Wettbewerber profitierte vor allem davon, daß immer mehr Privat- und Geschäftskunden Anzeigen im Umfeld der Yahoo-Suchmaschinen plazierten. Die Anzeigenerlöse aus dem Suchmaschinenumfeld legten den Angaben zufolge im Vergleich zum Vorjahr um 35 Prozent auf 1,38 Milliarden Dollar zu. Nach Einschätzung des Goldman-Sachs-Analysten Anthony Noto ist das ein Wachstum von neun Prozent im Vergleich zum Vorquartal.

Yahoos Gebühreneinnahmen stiegen um 25 Prozent auf 186 Millionen Dollar. Das Unternehmen hat inzwischen 13,3 Millionen zahlende Kunden, das sind fast 50 Prozent mehr als vor einem Jahr.

2006 weniger Umsatz als 2005 erwartet

Yahoo bekräftigte auch die Umsatzprognose für das laufende Geschäftsjahr und rechnet für 2006 nach wie vor mit einem Umsatz zwischen 4,6 Milliarden und 4,85 Milliarden Dollar. Für 2005 hatte das Unternehmen aus Sunnyvale einen Umsatz von 5,3 Milliarden Dollar ausgewiesen. Der operative Cash-Flow soll 1,92 Milliarden bis 2,05 Milliarden Dollar betragen. Mit beiden Jahresprognosen liegt Yahoo damit im Rahmen der bisherigen Analystenschätzungen.

Etwas schwächer als von Analysten erwartet soll die Ertragslage im laufenden zweiten Quartal ausfallen. Das operative Ergebnis vor Abschreibungen und Amortisation wird zwischen 415 Millionen und 455 Millionen Dollar gesehen. Der vom Unternehmen in Aussicht gestellte Zweitquartalsumsatz liegt mit einer Spanne von 1,08 Milliarden bis 1,16 Milliarden Dollar im Rahmen der Analystenerwartungen. Im Vorjahreszeitraum betrug der Umsatz 1,25 Milliarden Dollar.

Yahoo profitiert vom Wandel auf dem Werbemarkt

Die jüngsten Geschäftszahlen machen deutlich, daß Yahoo vor allem vom Wandel auf dem Werbemarkt profitiert. „Der Trend, daß Unternehmen ihre Anzeigenetats zunehmend in Richtung Internet umschichten, ist intakt“, sagte S&P-Analyst Scott Keßler gegenüber Bloomberg. Merrill Lynch prognostiziert, daß der Markt für Online-Werbung in den Vereinigten Staaten in diesem Jahr um etwa 28 Prozent wachsen und dann 5,5 Prozent der gesamten Werbeausgaben ausmachen wird.

Der Wettbewerb mit Google dagegen verschärft sich. Im Januar und Februar hat Yahoo bei der Internetsuche nach Angaben eines Analyseinstituts weiter Marktanteile an Google verloren, meldet Bloomberg.

Bewertung und Chart sprechen gegen ein Investment

Die Yahoo-Aktie kostete zum Höhepunkt der New Economy fast 120 Euro, dann brach sie ein bis auf weniger als fünf Euro im Jahr 2002. Danach etablierte sich ein recht stabiler Aufwärtstrend, der Anfang dieses Jahres aber gebrochen wurde. Trotz des Kurseinbruchs im Januar ist das Papier noch stattlich bewertet: Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) beläuft sich auf 57,1 für das laufende und 42,5 für das kommende Jahr. Von einer Dividende ist nach wie vor nicht die Rede.

Bewertung und Chart sprechen derzeit also nicht unbedingt für ein Investment. Yahoo ist zwar gut aufgestellt in einem wachsenden Markt. Aber dafür, daß das Unternehmen seinen Umsatz schrumpfen sieht, ist die Aktie einfach zu teuer.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @bemi
Bildmaterial: AP, FAZ.NET

 
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