05. August 2005 Die vollständige Übernahme der Senderfamilie ProSiebenSat.1 durch Springer wird die Fernsehlandschaft verändern. Wir sehen ganz deutlich, daß wir auf dem Weg zum europäischen Fernsehmarkt sind, sagte Hardy Dreier vom Hans-Bredow-Institut für Medienforschung an der Universität Hamburg am Freitag. Jüngst hatte Europas größte Fernsehgruppe, die RTL-Group, an der Bertelsmann 90,4 Prozent hält, den britischen TV- Sender Five vollständig erworben.
Springer habe durch Pro Sieben Sat.1 jetzt im Heimatmarkt Deutschland eine starke Stellung, die zunächst stabilisiert werden wird, sagte Dreier. Wenn Springer das geschafft hat, wird sich der Konzern sicherlich auch auf europäischen Fernseh- und Rundfunkmärkten umschauen und passende Beteiligungen erwerben. Wenn man sich dabei anschaue, wo Springer im Printsektor investiert hat, dann geht der Blick klar nach Osteuropa, ergänzte Dreier. Insofern bekommen wir eine europäische Aufteilung der beiden deutschen Elefanten. RTL, das auch in Frankreich (M 6) vertreten ist, ist aber auch bereits am russischen Fernsehsender Ren TV mit 30 Prozent beteiligt.
Never change a winning team
Mit großen strukturellen Änderungen in der Springer-Senderfamilie rechnet Dreier, der sich unter anderem auf Strukturen des Mediensystems aus ökonomischer Perspektive spezialisiert hat, zunächst nicht. Never change a winning team, sagte er. Alle Sender der Gruppe schreiben schwarze Zahlen.
Der Medienexperte erwartet aber, daß die Wettbewerbshüter angesichts des erheblichen Engagements im privaten Fernsehen auch Springers starke Stellung im Markt der Programmzeitschriften (Hörzu; TV Digital) beleuchten werden. Das erwartet Dreier auch in Bezug auf elektronische Programmführer (EPG), ein Markt, in dem Springer mitmischen will. Wie der Medienexperte erläutert, geht es darum, daß möglichst alle Sender einen diskriminierungsfreien gleichberechtigten Zugang zu den EPG bekommen. Ich kann mir schon vorstellen, daß Springer es schöner fände, wenn die EPG mit ProSieben und SAT.1 starten und nicht mit ARD, ZDF oder RTL.
Text: FAZ.NET mit Material von dpa
Bildmaterial: picture-alliance / dpa/dpaweb
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