Software

IBM greift Microsoft an

18. September 2007 Der amerikanische Informationstechnik-Konzern IBM macht mit einem neuen, kostenlosen Softwareangebot dem Marktführer Microsoft Konkurrenz. Mit der Lotus Symphony genannten Bürosoftware greift IBM direkt das Kerngeschäft des von Bill Gates gegründeten Softwareunternehmens an.

Von Dienstag der kommenden Woche an können Unternehmen, öffentliche Institutionen, aber auch Privatanwender das kostenlose Lotus-Symphony-Angebot aus dem Internet herunterladen. Das gab IBM am Dienstag bekannt. Es umfasst Textverarbeitungs- und Tabellenkalkulationsprogramme sowie Präsentationssoftware. Die Symphony-Software läuft unter anderem auf dem Microsoft-Betriebssystem Windows und dem freien System Linux. „IBM steht für eine frei zugängliche Arbeitsplatzsoftware, damit die Arbeit am Computer effizienter wird“, sagte Steve Mills, der das IBM-Softwaregeschäft leitet.

Der Open-Office-Community beigetreten

Kostenlose Bürosoftware im Netz

Kostenlose Bürosoftware im Netz

Schon in der vergangenen Woche war IBM der Open-Office-Community beigetreten, einem Gremium, das sich für eine kostenlose und frei zugängliche Verteilung von Bürosoftware einsetzt. Gegründet wurde das Open-Office-Projekt vor sieben Jahren vom amerikanischen Unternehmen Sun Microsystems. Nutzer können den Programmcode der Open-Office-Software bearbeiten. Programmierer auf der ganzen Welt entwickeln so die Open-Office-Software weiter. Sun vermarktet seine Office-Variante unter dem Namen Star Office.

IBM folgt mit dem kostenlosen Office-Angebot dem amerikanischen Unternehmen Google, das als schärfster Microsoft-Konkurrent im Internet gilt und mit seiner kostenlosen Bürosoftware „Google Apps“ dem Platzhirschen die Stirn bieten will. Passend zu IBMs Ankündigung gab Google bekannt, dass nun seine Bürosoftware komplett in deutscher Sprache verfügbar sei und auch eine neue Funktion für die Bearbeitung von Präsentationen enthielte, Nutzer können die Dienste über das Internet abrufen.

Microsoft hat schon reagiert

Fachleute rechnen damit, dass in Zukunft immer mehr Computernutzer auf Softwareangebote aus dem Internet zurückgreifen werden, was zu einer langfristigen Schwächung von Microsofts dominanter Position führen dürfte. Der Konzern hat schon reagiert und bietet für Studenten eine deutlich günstigere Office-Version an. Marktbeobachter spekulieren zudem, dass die Microsoft-Entwickler auch an einer Internet-Variante ihrer Office-Software tüfteln. Langfristig werde sich der führende Softwarekonzern kaum der Entwicklung hin zu sogenannten On-Demand-Lösungen entziehen können, deren Vorteil vor allem in der nutzungsabhängigen Abrechnung liegt.

Nicht nur Microsoft muss sich Gedanken über die Zukunft seines bisher erfolgreichen Lizenzmodells für Software machen. Auch Deutschlands größtes Softwarehaus SAP arbeitet daran und denkt über Wege nach, um neue Zielgrupen zu erschließen - ohne dabei das umsatzstarke Geschäft mit lizenzierter Software zu gefährden. Zum IBM-Vorstoß wollte sich Microsoft nicht äußern. Man kommentiere keine Produktankündigungen von Wettbewerbern, sagte ein Sprecher.

Text: utb. / F.A.Z., 19.09.2007, Nr. 218 / Seite 14
Bildmaterial: AP, F.A.Z.

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