24. April 2006 Die staatliche KfW-Bankengruppe hat dem amerikanischen Finanzinvestor Blackstone den Einstieg bei der Deutschen Telekom ermöglicht. Blackstone habe sich mit der KfW über den Kauf von knapp 192 Millionen Telekom-Aktien oder 4,5 Prozent des gesamten Kapitals verständigt, teilte die Förderbank am Montag in Frankfurt mit. Die T-Aktie schoß an der Börse um 4 Prozent nach oben. Politik und Wirtschaft begrüßten das Geschäft.
Der Preis je Aktie betrage 14 Euro - 2,6 Prozent über dem Schlußkurs vom Freitag. Der Gesamtkaufpreis betrage damit 2,68 Milliarden Euro. Der Anteil der KfW an der Telekom sinkt damit auf 17,3 Prozent. Der Bund halte weiterhin 15,2 Prozent am Telekomkonzern. Damit bleiben Bund und KfW zusammen die größten Aktionäre der Telekom.
Neue Phantasie in der T-Aktie
Blackstone sehe die Deutsche Telekom als unterbewertet an, heißt es zur Begründung. Der Markt dürfte darauf spekulieren, daß nun weitere Anteile an Private-Equity-Investoren abgegeben werden, so ein Händler. Finanzstaatssekretär Thomas Mirow sagte jedoch, auch künftig hätten weder der Bund noch die KfW die Absicht, weitere Telekomaktien an Blackstone zu veräußern. Blackstone habe von Anfang an die Absicht gehabt, 4,5 Prozent der Anteile zu erwerben.
Der Telekom-Experte Chris-Oliver Schickentanz von der Dresdner Bank erklärte, das Geschäft habe eine Reihe positiver Faktoren für die Kursentwicklung der T-Aktie. Der von Blackstone gezahlte Kaufpreis liege über dem aktuellen Börsenkurs. Vor dem Hintergrund der für Private Equity-Investoren üblichen zweistelligen Renditeanforderungen unterstreiche dies die niedrige Bewertung der T-Aktie. Blackstone sei dafür bekannt, langfristig kontrollierende Mehrheiten anzustreben. Damit dürfte in die T-Aktie so etwas wie Übernahmefantasie kommen, sagte er.
Die Bundesregierung plant seit längerem, einen Teil der Telekom-Anteile zu verkaufen, um das Haushaltsdefizit abzubauen. Nun könnte eine Debatte des vergangenen Jahres wieder aufleben. Der damalige SPD-Parteichef Franz Müntefering hatte internationale Finanzinvestoren als Heuschrecken bezeichnet. Mit Blackstone kommt nun die schwarz-rote Bundesregierung mit einem Unternehmen aus der so geschmähten Gruppe ins Geschäft.
Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) hat die Entscheidung von Blackstone als konsequenten Schritt auf dem Weg zur Privatisierung bezeichnet. Ich bin froh, daß mit Blackstone ein strategischer Investor, der an langfristiger Wertsteigerung und Wertschöpfung interessiert ist, jetzt bei der Telekom einsteigt, teilte Steinbrück mit. Das sei ein klares Vertrauenssignal internationaler Investoren in die Stärke und Zukunft der Telekom, die alle Chancen habe, Europas unangefochtene Nummer 1 im Telekommunikationsmarkt zur werden, betonte der Minister. Das ist ein guter Tag für die Telekom und ein guter Tag für ihre vielen Aktionäre, sagte Steinbrück. Staatssekretär Mirow sagte, es gab einen zweiten Interessenten, und bei der Investorensuche habe es eine gewisse Phase Wettbewerb gegeben. Die jüngste Transaktion führt vorerst zu keinen zusätzlichen Einnahmen für den Bundesetat. Sie sei haushaltsneutral.
Langfristiges Engagement
Die KfW, die regelmäßig Telekom-Aktien für den Bund plaziert, muß laut Vereinbarung ihre weiteren Anteilsscheine nun mindestens ein Jahr halten. Blackstone habe einer zweijährigen Haltedauer für die von ihr erworbenen Anteile zugestimmt, ergänzte eine KfW-Sprecherin. Blackstone-Chef Stephen Schwarzman sagte: Wir streben ein langfristiges Engagement in dem Unternehmen an. Die Beteiligungsgesellschaft werde sich - insbesondere im Aufsichtsrat - für eine langfristige Steigerung des Unternehmenswerts einsetzen.
Wir glauben, daß die Deutsche Telekom ein hervorragendes Unternehmen mit einem starken Management sowie attraktiven Kennzahlen und Marktchancen ist, sagte Schwarzman weiter. Blackstone wolle das Unternehmen und das Management - insbesondere auf Aufsichtsratsebene - unterstützen. Die Transaktion baut auch auf unserer Stärke als weltweit führender Gesellschaft im Bereich von Telekommunikations- und Medieninvestments auf, sagte Schwarzman.
Blackstone-Strage in den Bonner Aufsichtsrat?
Finanzkreisen zufolge will Blackstone einen ihrer Investmentstrategen im Aufsichtsrat des Bonner Konzerns plazieren. Das Unternehmen hat nach Ansicht von Blackstone brach liegende Potentiale, sagte eine mit der Situation vertraute Person. Erwartet werde, daß Blackstone auch ein Mandat im Aufsichtsrat erhält. Es sei derzeit die naheliegendste Lösung, daß Lawrence H. Guffey den Posten wahrnehmen solle. Guffey verantwortet von London aus als Senior Managing Director die Investments im Medien- und Kommunikationsbereich. Im europäischen Beirat der amerikanischen Investmentgesellschaft sitzt aber auch Ron Sommer, der ehemalige Vorstandschef der Telekom.
Die Deutsche Telekom begrüßt den Einstieg des Finanzinvestors. Wir freuen uns, mit Blackstone einen Anteilseigner gewonnen zu haben, der eine ausgewiesene Expertise im Bereich Telekommunikation hat, sagte Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke am Montag.
Die Wahl von Blackstone zeigt laut Financial Times, daß der Bund bei der geplanten Restrukturierung seiner Industriebeteiligungen auf ausländisches Kapital nicht verzichten kann. Die Bundesregierung arbeitet offensichtlich deshalb mit den Beteiligungsgesellschaften zusammen, weil sie ausländisches Kapital anlocken will, sagte eine mit der Situation vertraute Person. Das ist eine großartige Botschaft.
Text: FAZ.NET mit Material von dpa, Reuters, AP
Bildmaterial: dpa/dpaweb, F.A.Z., F.A.Z.-Greser&Lenz
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