05. März 2008 Bei erfolgreichen Unternehmen aus der Technologiebranche ist es oft das gleiche Spiel: Die jugendlichen Gründer holen Manager von außen, die ihnen Verantwortung abnehmen. Eine Art Erwachsenen vom Dienst“ also, der Ordnung in das Gründerchaos bringen soll. Paradebeispiel ist der Internetkonzern Google: Dessen Gründer Sergey Brin und Larry Page rekrutierten Eric Schmidt vom Softwarekonzern Novell und machten ihn zum Vorstandsvorsitzenden, als das Unternehmen drei Jahre alt war. Auch bei Yahoo und Ebay zogen sich die Gründer bald aus der Unternehmensführung zurück (bei Yahoo hat der Gründer Jerry Yang im Zuge wirtschaftlicher Schwierigkeiten mittlerweile das Ruder wieder übernommen).
Nun ist offenbar auch bei Facebook, dem Aufsteiger der amerikanischen Internetszene, die Zeit für einen Umbau im Management gekommen: Facebook hat die 38 Jahre alte Sheryl Sandberg aus dem Spitzen-Management von Google abgeworben. Der 23 Jahre alte Gründer Mark Zuckerberg wollte aber offenbar nicht so weit gehen, seinen Posten als Vorstandsvorsitzender abzugeben. Stattdessen wird Sandberg als Chief Operating Officer die Nummer zwei im Unternehmen sein und das Tagesgeschäft führen. Zuckerberg geht damit fürs Erste nicht den Google-Weg, sondern ahmt eher das Modell von Bill Gates nach. Gates war lange Zeit Vorstandsvorsitzender beim von ihm im Jahr 1975 mitgegründeten Softwarekonzern Microsoft und zog sich erst im Jahr 2000 auf den Posten als Verwaltungsratschef zurück.
Sandberg war ein Promi bei Google
Facebook ist im Jahr 2004 gegründet worden. Auf der Internetseite der Online-Gemeinde können Nutzer Profile anlegen und mit anderen Mitgliedern kommunizieren und Inhalte austauschen. Mit der Rekrutierung von Sandberg gelang Facebook ein Coup, denn sie war eine der prominentesten Figuren im Management von Google. Als Vice President war sie für die Internetwerbung verantwortlich – und damit für den Bereich, mit dem Google heute fast seinen gesamten Umsatz erzielt. Sandberg gehörte zu den frühen Mitarbeitern bei Google: Sie stieß im Jahr 2001 dazu, als das Unternehmen noch weniger als 300 Beschäftigte hatte, heute sind es 16.000. Wie viele Google-Mitarbeiter, die vor dem erfolgreichen Börsengang im Jahr 2004 zum Unternehmen kamen, dürfte Sandberg heute Multimillionärin sein. Sie lebt mit ihrem Mann und zwei Kindern im Nobelort Atherton im Silicon Valley, wo auch Google-Chef Schmidt sein Zuhause hat.
Sandberg ist nicht die erste Mitarbeiterin, die von Google zu Facebook wechselt. Im vergangenen Jahr holte Facebook Gideon Yu von der Google-Tochtergesellschaft Youtube und bestellte ihn zum Finanzvorstand. Viele im Silicon Valley sehen ein aufstrebendes Unternehmen wie Facebook im Vergleich zum etablierteren Wettbewerber Google als attraktiveren Arbeitgeber, zumal bei Facebook noch die Aussicht auf einen großen Zahltag über Aktienoptionen lockt, wenn das Unternehmen irgendwann an die Börse geht. Facebook hat heute 450 Mitarbeiter.
Wachstum ankurbeln, Expansion vorantreiben
Sandberg soll nun das Wachstum des Unternehmens ankurbeln und die internationale Expansion vorantreiben. Vor allem ist es ihre Aufgabe, die Popularität von Facebook stärker als zu Geld zu machen. Facebook ist mit 66 Millionen aktiven Nutzern die zweitgrößte Online-Gemeinde der Welt hinter Myspace, allerdings halten sich die Umsätze noch in Grenzen. Facebook macht sein Geschäft mit Werbung auf seinen Seiten, im vergangenen Jahr lag der Umsatz bei 150 Millionen Dollar. In der Branche mehren sich aber skeptische Stimmen, wonach Online-Gemeinden als Werbeplattform womöglich doch nicht so attraktiv sind.
Auch sind Zweifel aufgetaucht, ob Facebook das schnelle Wachstum seiner Gemeinde fortsetzen kann. Nach jüngsten Marktforschungsdaten sind die Nutzerzahlen in Amerika und Großbritannien leicht gesunken. Auf jeden Fall muss sich Facebook bei seiner Auslandsexpansion mit einer starken Konkurrenz auseinandersetzen. Facebook hat in dieser Woche eine deutsche Version seiner Seite ins Internet gestellt und muss sich hierzulande mit dem populären Wettbewerber StudiVZ auseinandersetzen.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AP
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