22. November 2004 Die Internet-Suchmaschine Google hat ihr Produktangebot um eine Suchmaschine für wissenschaftliche Texte ausgeweitet. Die Suchmaschine Google Scholar, die in Zusammenarbeit mit Fachverlagen entstanden ist, soll Studenten und Wissenschaftlern den Zugang zu akademischen Quellen erleichtern, die in der normalen Suchmaschine meist nicht angezeigt werden.
Google Scholar ist noch auf englischsprachige Publikationen konzentriert, weist aber auch deutsche Quellen aus. Über die Zahl der Quellen schweigt Google. Da sich die Maschine aber noch in der Testphase befindet, dürfte die Zahl der Quellen schnell steigen.
Zielgruppe für Werbekunden attraktiv
Google Scholar wird zunächst ohne die obligatorische Werbung an der Seite der Trefferliste auskommen. Aber das könnte sich schnell ändern, denn die Zielgruppe der Suchmaschine ist für Werbekunden attraktiv: "Wirtschaftlich zielt der Dienst darauf ab, akademische Inhalte mit Werbung für hochwertige Produkte und Dienstleistungen zu verknüpfen - und ich glaube, daß das Konzept aufgeht", sagte John Sack von der Stanford-Universität der "New York Times".
Allerdings wollen die Bibliotheken mit einem eigenen Auskunftsdienst punkten. "Wir wollen Google etwas entgegensetzen", sagte Rita Albrecht, die Koordinatorin des Dienstes "Infopoint", an dem die Universitätsbibliotheken Frankfurt und Mainz, die USA-Bibliothek, die Deutsche Bibliothek und die Stadtbücherei Frankfurt beteiligt sind. Internet-Nutzer können per Online-Formular Fragen an Infopoint senden. Etwa 50 Bibliothekare, die auf 800 Bibliotheken zugreifen, beantworten die Fragen und fügen Literaturhinweise dazu. Juristische und medizinische Auskünfte sind ausgeschlossen.
Trotz Spezialsuchmaschinen schrumpt der Abstand zur Konkurrenz
Für Google ist Scholar ein Mosaikstein auf dem Weg, das Hauptprodukt stetig mit neuen, spezialisierten Suchmaschinen zu ergänzen. In Deutschland hat Google bereits in der vergangenen Woche die Produktsuche Froogle gestartet. Froogle durchsucht die Kataloge der Online-Händler nach angebotenen Produkten und sortiert sie nach dem Preis. Internet-Nutzer können sich auf diese Weise sehr schnell einen Marktüberblick verschaffen. Allerdings ist Froogle nicht allein auf dem Markt: Die Produktsuchmaschine Kelkoo, die inzwischen zum Internet-Portal Yahoo gehört, und die Lycos-Tochtergesellschaft Pangora sind in diesem Segment tätig.
Obwohl Google ständig neue Spezialsuchmaschinen startet, schrumpft der Abstand zur Konkurrenz. Auch die beiden großen Konkurrenten Yahoo und Microsoft nutzen die Google-Methode, eine Internet-Seite nach der Zahl der Links zu gewichten, die auf sie gerichtet sind. Ergebnis: "Die Unterschiede zwischen den verschiedenen Suchmaschinen sind inzwischen so gering, daß es allen Firmen schwerfällt, sich auf rein technischer Basis von den anderen zu differenzieren", sagt Chris Sherman vom amerikanischen Branchendienst SearchEngineWatch. Noch ist Google in einer komfortablen Situation: Solange die Konkurrenten nicht besser sind, haben die Nutzer keinen Grund, ihrer angestammten Suchmaschine den Rücken zu kehren. Google wird wohl noch einige Zeit von seinem Ruf und seiner Popularität unter den Internet-Nutzern profitieren.
Die Konkurrenz nimmt zu - das semantische Internet kann mehr
Allerdings wird die Konkurrenz immer härter: Neben Microsoft und Yahoo hat sich auch der weltgrößte Online-Händler Amazon mit der Suchmaschine A9 in den lukrativen Markt vorgewagt. Daneben arbeiten eine Reihe kleinerer Suchmaschinen mit Hochdruck an einer Verfeinerung der heute üblichen Suchtechnik: Teoma, Vivismo, Gigablast oder Nutch sind nur vier ambitionierte Suchmaschinen oder Projekte, die Google eines Tages das Wasser reichen möchten.
Obwohl alle Unternehmen an der Suchmaschine der nächsten Generation arbeiten, hat bisher noch niemand einen entscheidenden Vorsprung erreicht. Die neue Suchmaschinengeneration sucht nicht nur Wörter, sondern kann die Inhalte der Internet-Seiten erfassen. Die neuen Suchmaschine können also unterscheiden, ob der Nutzer mit "Kohl" den Altbundeskanzler oder eine Gemüsesorte meint. Dieses "semantische Internet" kann aber noch mehr: "Damit lassen sich Inhalte einer Internet-Seite erkennen, ohne daß das Suchwort explizit vorkommen muß", sagt Alexander Linden, Analyst beim amerikanischen Marktforschungsunternehmen Gartner. Die Forschungsarbeiten am semantischen Internet sind kein Selbstzweck, denn je besser die Suchergebnisse, desto besser lassen sich Werbeeinblendungen zuordnen.
Web: www.scholar.google.com
Google-Alternativen: www.teoma.com;
vivismo.com;
www.gigablast.com;
www.stub.uni-frankfurt.de/questionpoint/question.htm
Text: ht., Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.11.2004, Nr. 273 / Seite 19
Bildmaterial: AP
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