31. August 2006 Mit Preissenkungen von bis zu 30 Prozent will die Deutsche Telekom den Kundenschwund bremsen, der sich in den vergangenen Monaten deutlich beschleunigt hat.
Dabei setzt der Konzern, der allein im ersten Halbjahr rund eine Million Festnetzkunden verloren hat, auf Bündelangebote aus Telefon- und DSL-Anschluß sowie Fernsehen, das er über sein neues VDSL-Netz verbreiten wird. Zusätzlich können auch Pauschalpreise (Flatrates) für Telefongespräche und den Internetzugang mit diesen Angeboten gekoppelt werden.
Tarifkombinationen sind im Markt schon lange üblich
Damit bietet jetzt auch die Telekom Tarifkombinationen, die im Markt schon lange üblich sind. Kai-Uwe Ricke, der Vorstandsvorsitzende des Konzerns, sagte während der Internationalen Funkausstellung in Berlin, daß erst nach der verzögerten Verschmelzung von T-Online und der Festnetzsparte T-Com solche Bündel auch für die Telekom möglich wurden.
Die Telekom-Preise liegen aber teilweise noch deutlich über denen der Konkurrenz, die sich sowohl im Festnetz als auch im Mobilfunklager formiert. Wir wollen nicht der billige Jakob werden, sagte Ricke entsprechend und verwies auf die Anstrengungen, die der Konzern im Service unternehme. Uns ist völlig klar: Wir werden diesen Kampf um Marktanteile nicht über den Preis gewinnen. Wir sind kein Preisbrecher, fügte der Telekom-Chef hinzu und betonte, wir kommen unserer Verantwortung als Marktführer nach und verringern innerhalb des regulatorischen Rahmens den Abstand zu unseren Wettbewerbern.
Deutlich über den Standardangeboten der Wettbewerber
Daß die Telekom-Preise immer noch über den Standardangeboten der Wettbewerber liegen, zeigt sich zum Beispiel an dem Bündel aus ISDN- und DSL-Anschluß inklusive aller Telefonminuten in das deutsche Festnetz und dem Internetzugang. Dieses Angebot kostet bei der Vodafone-Tochtergesellschaft Arcor derzeit 44,85 Euro.
Andere Wettbewerber der Telekom bewegen sich auf einem ähnlichen Preisniveau. Bei der Telekom wird ein solches Angebot hingegen nach Angaben von Festnetzvorstand Walter Raizner künftig 49,95 Euro kosten. Für einen ISDN-Anschluß mit zwei Leitungen kommen noch einmal 4 Euro im Monat dazu. Gegenüber den bisherigen Telekom-Preisen für die einzelnen Komponenten dieses Bündels ergibt sich für den Bestandskunden allerdings eine Ersparnis von 16 Euro oder 24 Prozent im Monat.
Mindestlaufzeit von 12 Monaten
Es bleibt natürlich die Möglichkeit, einen ganz normalen Telefonanschluß für 15,95 Euro bei der Telekom zu buchen. Sie stellt künftig aber ein Angebot für 19,95 Euro in den Vordergrund, das 120 Freiminuten für Gespräche in das deutsche Festnetz beinhaltet. Hinzu kommt, daß die neuen Bündeltarife der Telekom alle mit einer Mindestlaufzeit von 12 Monaten gebucht werden müssen. Vorher kommt der Kunde aus dem Vertrag nicht mehr heraus. Auch damit paßt sie sich an die Gepflogenheiten der Wettbewerber an, die schon mit Vertragslaufzeiten von bis zu zwei Jahren arbeiten.
Neben den Festnetzanbietern machen aber auch die Mobilfunkunternehmen der Telekom zusätzlich Konkurrenz. So bieten Vodafone und O2 den Kunden in Kürze einen reinen DSL-Anschluß inklusive des gesamten Internetverkehrs zum Pauschalpreis an. Der Kunde kann dann auf den Telefonanschluß der Telekom komplett verzichten, der bisher immer noch eine Voraussetzung für eine DSL-Leitung war. Im häuslichen Umfeld telefonieren diese Kunden dann über das Mobilfunknetz zum Festnetztarif und können auch unter einer Festnetznummer erreicht werden. Auch hier gibt es schon Pauschalangebote. So bietet Vodafone einen Tarif, bei dem der Kunde für 20 Euro im Monat in das deutsche Festnetz und mit allen Vodafone-Kunden telefonieren kann, so lange er will.
Ricke freut sich auf Aufsichtsratssitzung
Zu den Spekulationen über seine Vertragsverlängerung als Telekom-Chef vor der an diesem Wochenende stattfindenden Aufsichtsratssitzung sagte Ricke nur: Ich freue mich auf die Sitzung. Ich habe einen Plan im Kopf, und der ist nicht erst seit dem Tag der Bilanzvorlage für das zweite Quartal am 10. August entstanden. Ich bin gut vorbereitet.
Bei der Präsentation der schlechten Zahlen für das erste Halbjahr hatte der Telekom-Chef die neuen Tarife schon in Aussicht gestellt und gesagt, daß er sich eine Trendwende erhoffe. Schon in den Tagen vor der Bilanzvorlage im August waren aus unterschiedlichen Quellen Spekulationen über die Zukunft Rickes als Konzernchef laut geworden und haben sich seither stetig verschärft. Auch Festnetz-Vorstand Raizner und Finanzchef Karl Eick stehen inzwischen in der Kritik. Rickes Vertrag läuft noch bis zum November 2007 und steht daher Ende dieses Jahres zur Verlängerung an.
Text: jcw. / F.A.Z., 01.09.2006, Nr. 203 / Seite 13
Bildmaterial: dpa
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