22. August 2006 Die Technologie-Chefin von AOL, Maureen Govern, muß nach einer Datenpanne ihren Hut nehmen. Wie aus einer internen Mitteilung des Konzerns hervorgeht, hat Govern ihren Posten mit sofortiger Wirkung verlassen.
Zudem wurden zwei Mitarbeiter fristlos entlassen. Hintergrund für den Abgang von Govern ist die versehentliche Veröffentlichung von persönlichen Daten von mehr als 650.000 AOL-Kunden vor knapp zwei Wochen. Die Technologie-Chefin war nur knapp ein Jahr im Amt.
Debatte über Datensicherheit
Wir unternehmen nun angemessene Schritte bei den verantwortlichen Mitarbeitern, schreibt AOL-Chef Jonathan Miller in der internen Mitteilung. Govern war in der Internetsparte vor allem für die Veröffentlichung von Daten verantwortlich. Das Datenleck hatte eine Debatte über die Sicherheit von Daten im Internet ausgelöst.
Ein Mitarbeiter hatte die Informationen in einen öffentlichen Bereich gestellt, wo diese von Internetnutzern entdeckt und weiterverbreitet wurden. Mittlerweile existieren spezielle Suchseiten mit den Daten der AOL-Kunden.
Neue Richtlinien für die Datenspeicherung
Dem verantwortlichen Mitarbeiter und seinem direkten Vorgesetzten wurde gekündigt. Das Amt des Technologie-Chefs übernimmt übergangsweise Governs Vorgänger John McKinley. McKinley ist aktuell bei der Onlinesparte Präsident für den Bereich Digital Services.
Unternehmenschef Miller kündigte in einer Email an die Mitarbeiter an, daß solche Vorfälle mit einer Reihe von Maßnahmen künftig verhindert werden sollen. Zudem werde eine Task Force neue Richtlinien erarbeiten und untersuchen, wie lange AOL Suchdaten aufheben sollte.
Ohnehin angeschlagener Ruf
Der Skandal kratzt am ohnehin bereits angeschlagenen Ruf des Internetriesen. AOL hat im Kampf um die Werbekunden gegen seine Hauptkonkurrenten Yahoo und Google an Terrain verloren und sah sich deshalb Anfang August gezwungen, die Streichung von weltweit rund 5.000 Stellen in den kommenden sechs Monaten anzukündigen.
Um sich im harten Wettbewerb um das Anzeigengeschäft im Internet besser behaupten zu können, arbeitet das Unternehmen derzeit an einem radikalen Strategiewechsel. Breitbandkunden soll die Nutzung von Email- und Multimediadiensten künftig nicht mehr in Rechnung gestellt werden.
Text: FAZ.NET mit Material von Dow Jones, dpa und AFP
Bildmaterial: AP
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