Medien

Führungskrise bei Disney

Roy Disney verläßt den Konzern unter Protest

Roy Disney verläßt den Konzern unter Protest

01. Dezember 2003 An der Spitze der Walt Disney Company ist es zu einer Führungskrise gekommen. Das letzte Familienmitglied im Medienkonzern, Roy Disney, erklärte seinen Rücktritt und rief den Konzernchef Michael Eisner zum Rücktritt auf. Das berichtete das „Wall Street Journal Europe“ am Montag.

Die Zeitung zitiert aus einem Brief, in dem Disney sieben Gebiete aufzählt, in denen Eisner in den vergangenen sieben Jahren schwere Fehler gemacht habe. Dazu zählten das „Mikromanagement“ von Kleinigkeiten im Alltag ebenso wie die Leitung des TV-Konzerns ABC und die Disneyland-Vergnügungsparks. „Ich bin der festen Überzeugung, daß Sie gehen sollten und nicht ich“, schrieb er dem Bericht zufolge.

Altersgrenze angewandt

Der 73jährige Roy Disney ist der Neffe des Firmengründers Walt Disney und Sohn des Firmenmitbegründers Roy O. Disney. Er hatte 1984 eine Restrukturierung des Konzerns eingeleitet und Eisner in die Führungsetage geholt.

Walt Disney hatte am Sonntag mitgeteilt, Roy Disney müsse aus Altersgründen aus dem Board ausscheiden, wo eine Altersgrenze von 72 Jahren bestehe. Der Disney-Verwaltungsrat wollte sich am Montag und Dienstag in New York treffen und dabei auch Personalfragen beschließen.

Konzernchef Eisner in der Kritik

Die Disney-Aktie hat dieses Jahr 42 Prozent gewonnen, damit notiert sie aber immer noch 47 Prozent unter ihrem Hoch vom April 2000. Vor diesem Hintergrund steht Konzernchef Eisner, der letztes Jahr mit insgesamt 6 Millionen Dollar vergütet wurde, von Investorenseite unter Beschuß.

Sie bemängeln die Ergebnisse des Fernsehsenders und der Themenparks. Was die Einschaltquoten zur besten Sendezeit angeht, rangiert ABC nur an dritter Stelle, ermittelte das Marktforschungsinstitut Nielsen Media Research. Im Schlußquartal des Geschäftsjahres 2002/2003 (30.9.) war der Überschuß der Walt Disney Co. (Burbank/Kalifornien) von 175 Millionen auf 415 Millionen Dollar (348 Mio Euro) gestiegen.

Der Betriebsgewinn der Themenparks, dazu zählen Disneyland in Kalifornien, Walt Disney World in Florida und die Kreuzfahrtschiffe, ist jedoch im letzten Quartal 4,3 Prozent auf 225 Mio. Dollar gesunken. Letztes Jahr kündigte Disney an, den Aufsichtsrat im Interesse der Unabhängigkeit zu verkleinern.

Text: Reuters, dpa, Bloomberg
Bildmaterial: dpa

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