03. November 2005 Die Deutsche Telekom will in den kommenden drei Jahren drastisch Stellen abbauen. Bis 2008 sollen 32 000 Mitarbeiter in Deutschland den Konzern verlassen, teilte das Unternehmen am Mittwoch in Bonn mit. Hierin sind rund 7.000 Mitarbeiter eingeschlossen, deren Beschäftigungsverhältnisse endgültig aus der konzerneigenen Transfergesellschaft Vivento ausgegliedert werden. Den übrigen 25.000 Mitarbeitern, die aus dem Konzern gehen, stehen etwa 6.000 Neueinstellungen gegenüber.
Somit reduziere sich die Anzahl der Arbeitsplätze per saldo um 19.000 über die nächsten drei Jahre. Dem stünden 6000 Neueinstellungen gegenüber, die unter anderem im Vertrieb eingesetzt werden sollen. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi sprach von unverantwortlichen Planungen, die nur dazu dienten, den Aktienkurs in die Höhe zu treiben, und kündigte Widerstand an.
Der weltweite Umbruch der Branche, die rasante technologische Entwicklung und besonders der regulierungsbedingt harte Wettbewerb im Festnetz- und Breitbandbereich in Deutschland stellen den gesamten Konzern vor verschärfte Herausforderungen, begründete das Unternehmen den Stellenabbau. Einerseits müssen in wegbrechenden alten Kernmärkten Stellen abgebaut werden, andererseits besteht die Chance, in neuen innovativen Märkten Stellen zu schaffen.
Betroffen von dem Abbau ist vor allem die Festnetzsparte T-Com, deren Umsatz wegen des verschärften Wettbewerbs seit Jahren sinkt. Weitere Stellen sollen bei der Geschäftskundensparte T-Systems wegfallen. Die Telekom beschäftigt weltweit 250.000 Menschen, davon 170.000 in Deutschland. Davon sind 47.000 Beamte, die das Unternehmen vom Staatskonzern Deutsche Bundespost übernommen hatte.
Keine betriebsbedingten Kündigungen
Auf betriebsbedingte Kündigungen will die Telekom verzichten. Es wird wie vereinbart in der Deutschen Telekom AG bis Ende 2008 keine betriebsbedingten Kündigungen geben, sagte Personalvorstand Heinz Klinkhammer. Der Abbau soll über freiwillige Personalabbauinstrumente wie Angebote zur Altersteilzeit und Abfindungen erfolgen. Mit Blick auf Beamte sind Gespräche mit dem Bund hinsichtlich einer Vorruhestandsregelung notwendig, erklärte der Konzern. Die Kosten für das Sparprogramm sollen sich auf 3,3 Milliarden Euro belaufen.
Für das laufende Jahr hatte sich die Telekom mit der Gewerkschaft Verdi darauf geeinigt, den Personalbestand nicht zu verringern. Das Jahr 2004 hatte im Zeichen eines Beschäftigungsbündnisses gestanden, das über eine Arbeitszeitverkürzung die Schaffung von 10.000 Stellen ermöglichte. In den zehn Jahren zuvor hatte die Telekom im Schnitt jährlich rund 10.000 Arbeitsplätze abgebaut.
Glos: Wir können nicht künstlich Arbeitsplätze halten
Der designierte Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) bedauerte in Berlin den Stellenabbau bei dem einstigen Staatskonzern. Wir können jedoch nicht künstlich Arbeitplätze halten, die nicht mehr gebraucht werden, sagte Glos. An der Börse wurde der angekündigte Stellenabbau - wie so oft - begeistert aufgenommen. Die Telekom-Aktie baute nach der Mitteilung über den Stellenabbau ihre Gewinn aus und stieg in der Spitze um drei Prozent auf 14,94 Euro.
Der Personalabbau wird vom Markt unterschiedlich bewertet. Theo Kitz vom Bankhaus Merck Finck bezeichnete ihn als sehr umfangreich, beeindruckend seien die damit einhergehenden Kosten. Dies belaste den Gewinn zunächst und fraglich sei, ob die Kostenentlastung bis auf den Gewinn voll durchschlage.
Grundsätzlich positiv reagiert Per-Ola Hellgren, Analyst bei der Landesbank Rheinland-Pfalz (LRP). Die Größenordnung des Stellenabbaus und die dafür veranschlagten Kosten dafür seien realistisch. Allerdings sei es unwahrscheinlich, daß das Vorhaben reibungslos über die Bühne gehen werde. Hellgren will daraufhin seine Gewinnprognosen für die Deutsche Telekom überarbeiten.
Daß der Großteil der Stellen bei T-Com entfalle, ergibt dem Analysten zufolge Sinn: T-Com sei kein Wachstumsbereich mehr. Zudem beinhaltet Hellgren zufolge die Mitteilung der Telekom auch politischen Druck: Künftige wie auch bestehende Beschäftigungsmöglichkeiten seien stark von Regulierungsentscheidungen abhängig, zitiert der Analyst aus der Mitteilung. Sollte beispielsweise der Aufbau eines Hochgeschwindigkeits-Glasfasernetzes aufgrund von Regulierungen gefährdet sein, drohe die Telekom mit einem zusätzlichen Wegfall von 5.000 Stellen. Der Analyst bestätigt seine Einstufung Marketperformer für die T-Aktie und nennt ein Kursziel von 17,00 Euro.
Text: FAZ.NET mit Material von AP, Reuters, Dow Jones, dpa
Bildmaterial: AP, dpa
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