Von Fritz Jörn
04. Januar 2004 Microsofts Kommunikations- und Kontaktsoftware "Outlook" hat sich in ihrer Ausgabe 2003 stark gewandelt. Wer elektronische Post nicht nur im Internet bearbeiten will, braucht auf seinem Rechner einen "Mailer". Solche Postbearbeitungsprogramme stammen entweder vom Postdienstleister wie T-Online, AOL oder Compuserve, oder sie sind ein unabhängiges Produkt wie Microsofts Outlook, Netscapes Messenger, der berühmte kostenlose Pegasus aus Neuseeland oder ein anderes.
Outlook ist wohl - neben all seinem anderen Können wie Kalender und Adreßbuch - das umfangreichste Postprogramm. Wir haben einige Tips zu Outlook 2003 zusammengestellt: Wem das zu teuer oder zu kompliziert ist, der nehme getrost das kostenlose Outlook Express.
Lernfähiger Spam-Filter
Die Outlook-Darstellung ist zartgrauer und frisch überdacht worden. Outlook 2003 zeigt die Nachrichten in einem Feld rechts an, was den verqueren Bildschirm besser ausnützt. Über "Ansicht", "Lesebereich" läßt sich das wieder ändern.
Endlich ist ein Spam-Filter dazugekommen, der Unsinniges auch ohne mühsames Training in einen eigenen Ordner schiebt. In "Junk-E-Mail" findet man dann den vereinten Schrott. Gelegentliches Hingucken lohnt. Nach allgemeinem Markieren (Strg + A) schiebt man die Spams in den Papierkorb, wo man sie später ganz löschen kann. Interessantes läßt sich wiedererwecken, der Spam-Filter ist lernfähig und kann sich "gute" Absender merken. Auf Wunsch löscht der zunächst auf mild gestellte Filter die Mails gleich ganz: unten bei "Aktionen", "Junk-E-Mail", "Junk-E-Mail-Optionen" markieren. Und der Filter arbeitet jetzt auch über den Inhalt, und das tut er gut. Die nächste Filterqualitätsstufe findet man erst bei selbstlernenden, die über eine Zentrale im Internet abstimmen, was Spam ist, etwa Cloudmark.com.
Mailgerechtes Bildverkleinern
Doch warum sich überhaupt mit Spams die Leitungen verstopfen? Outlooks größter Knüller ist die Möglichkeit, sich von Nachrichten nur die Umschläge (Kopfzeilen) anzusehen und sie dann in der nächsten Runde entweder gleich am Server im Netz zu löschen oder doch zu holen. Diese lang ersehnte Möglichkeit ist verschämt versteckt, unter "Extras", "Senden und Empfangen", "Übermittlungseinstellungen", "Übermittlungsgruppen definieren", "Bearbeiten", Ordneroptionen "Nur Kopfzeichen downloaden" oder "Element samt Anlagen downloaden". Wir wünschten uns nur noch, daß Regeln auf Kopfzeilen angesetzt werden könnten, etwa: von der Freundin immer voll downloaden. Spam-Filter erübrigen sich bei diesem Sparverfahren: Man markiert erst alle Eingangspost zum Löschen (Strg + A, die Kopfzeilen erscheinen ausgestrichen) und pickt sich dann die vermutlich sinnvollen Nachrichten "zum Download" heraus. Einziger Nachteil: Zum Postlesen sind zwei Schritte nötig, ein Vorabruf und das eigentliche Ziehen der Nachrichten.
Das Einrichten der Mail-Konten läuft jetzt über ein Helflerlein (Wizard). Hat man mehrere Konten, muß man sie in Gruppen einteilen, wenn nur ein Teil regelmäßig abgefragt werden soll. Sehr gut geht vom Empfangsdienst getrenntes Senden, etwa Lesen aus T-Online und Senden über E-Post, oder Abfrage eines Mobilfunkmailkontos und Senden über den gewohnten Standardserver. Schön ist die Möglichkeit, sich bei der Konfiguration eine Testnachricht zu schicken. Laienhaften Bildversendern bietet die neue Outlook-Version ein sehr segensreiches Kunststück: Beigefügte Fotos kann Outlook über "Anlageoptionen" mailgerecht verkleinern. Erstens wird einem die Größe einer Anlage genannt, sagen wir 1 Megabyte, und dann läßt sich dieses Originalbild von im Beispiel 1600 x 1200 Pixeln vor dem Versenden automatisch auf 1024 x 768 (189 kByte), 640 x 480 (88 kByte) oder besser gleich auf 448 x 336 Pixel (50 kByte) verkleinern. Verbunden mit dem neuen Ein-Klick-90o-Drehen im Windows Explorer ist das eine blitzschnelle Möglichkeit, sich bildhaft ferndarzustellen, sogar hochkant.
Verschiedenfarbene Fähnchen
Beim Darstellen von HTML-Mails erscheinen externe Bilder zunächst nicht, was Spammern weniger Ausforschungsmöglichkeiten gibt und Ladezeiten reduziert. Die Speicherung und Archivierung der Mails bleibt wie gewohnt undurchsichtig. Wichtigster Tip: Für das Suchen alter Mails im Archiv (Archiv.pst, pst: personal storage, persönlicher Stadl) darf man es nicht "importieren", denn dann werden alle alten Nachrichten wieder langwierig in die aktuellen Ordner untergemischt. Man muß über "Datei", "Öffnen", "Outlook-Dateien" das Archiv nur "öffnen" und kann anschließend den ganzen Ordner "Archiv" nach einem rechten Mausklick wieder schließen. Dem Vernehmen nach sollte die Datei outlook.pst, die alle aktuellen Daten enthält, nicht über 2 Megabyte anwachsen. Man kann einzelne Outlook-Ordner als PST-Dateien dauerhaft exportieren.
Schön am neuen Outlook sind die verschiedenfarbenen Fähnchen, mit denen man sich Merker setzen kann. Wir schätzen besonders die neuen "Favoritenordner" oben rechts. Da findet man auf einen Griff alle ungelesenen oder zur Nachverfolgung markierten Nachrichten zusammen, egal, in welchem Ordner sie gelandet sind.
Gewusst, Wie Das richtige Software-Paket günstig kaufen
1. Im Bündel: Outlook 2003 kommt mit der Textbearbeitung Word, dem Tabellengenerator Excel und der Präsentationssoftware Powerpoint als "Microsoft Office 2003". Das Bündel kostet offiziell 600 Euro, sollte aber privat billiger gekauft werden. Bei Amazon gibt es das schon für 356 Euro. Es kommt aber noch billiger.
2. Weniger als 150 Euro kostet die neue Office-Variante "SSL" für "Schüler, Studenten und Lehrkräfte". Sie wird für jedermann angeboten, obwohl sie eigentlich nur für "Benutzer anerkannter Bildungseinrichtungen" gedacht ist. Wohl weil jeder mit Microsoft lernen muß, kann man hier privat getrost zugreifen.
3. Man kann Outlook 2003 auch einzeln kaufen, das ist dann aber relativ teuer: 120 Euro. Eine Schülerversion für Outlook solo gibt es nicht.
4. Die lästige Registrierung: Anders als frühere Office-Versionen muß Office 2003 online registriert werden, um öfter als neunundvierzigmal zu laufen. Das verhindert eine unbeschränkte Mehrfachnutzung.
5. Bei den teuren Versionen darf derselbe Nutzer eine weitere Kopie verwenden, zum Beispiel am Notebook. Die typische Schülerversion darf auf drei privaten PCs im Haus installiert werden.
6. Korrekturen: Die kostenlosen Office-Updates sollte man sich unbedingt regelmäßig aus dem Netz holen, erstmals nach der Installation. Auf http://Office.Microsoft. com/Officeupdate wird man fündig.
7. Stürzt ein Office-Programm ab - bei Outlook selten, bei Word schon häufiger -, will es als letzte Amtshandlung das online Mutter Microsoft melden. Das sollte man zulassen. So lernt Microsoft dazu. fj.
Text: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 04.01.2004, Nr. 1 / Seite 36
Bildmaterial: F.A.Z.
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