Internet-Musikdienst

Napster will an die Spitze des Musikgeschäfts

Madonna führt die Download-Charts an

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12. Dezember 2005 Der Internet-Musikdienst Napster ist zurück in Deutschland. Allerdings nicht als illegale Tauschbörse wie früher, sondern als legaler Musikanbieter. „Napster-Gründer Shawn Fanning hatte die Rechte damals nicht.

Heute besitzt Napster aber Verträge mit den Musiklabels“, sagte Napster-Präsident Brad Duea. Als Mindestziel peilt Napster an, in den kommenden zwölf Monaten in Deutschland mehr Umsatz als Apple I-Tunes und AOL zu erzielen und damit die Nummer zwei im Markt zu werden.

In der zweiten Dot.com-Welle

In spätestens drei Jahren will Napster dann die T-Online-Gesellschaft Musicload an der Spitze ablösen, die nach Schätzungen aus Branchenkreisen rund 40 Prozent Marktanteil hat. Deutschland ist damit der einzige große Markt, in dem Apple nicht Marktführer ist. In Deutschland werden in diesem Jahr rund 20 Millionen Musikstücke aus dem Netz geladen. Das ist eine Verdopplung gegenüber dem Vorjahr, schätzt der Bundesverband der Phonographischen Wirtschaft.

Von den Büros am Frankfurter Osthafen aus, wo inzwischen wieder einige Internetunternehmen in der zweiten Dot.com-Welle ihr Glück versuchen, versucht Napster den Neustart mit einem ungewohnten Modell: Musikfreunde können sich für Monatspreise zwischen 10 Euro (für Personalcomputer) und 15 Euro (für tragbare MP3-Spieler) aus einer Datenbank mit 1,5 Millionen Stücken ohne Einschränkung bedienen. Der Kunde erwirbt mit den Pauschaltarifen nicht das Eigentum an der Musik, sondern nur ein Nutzungsrecht für die Dauer seines Abonnements. Bald soll das Modell auf Handys übertragen werden.

Flatrates kein Einführungsangebot

Alle Musikstücke werden mit einem Lizenzprogramm von Microsoft gekoppelt. Mindestens einmal je Monat muß der Kunde dann eine Internetverbindung zu Napster aufbauen, um die Lizenz zu aktualisieren. Kündigt der Kunde sein Abo, erlischt die Lizenz. „Der Anteil dieser Abonnementmodelle am gesamten Online-Musikgeschäft wird von heute 0 auf 40 Prozent bis zum Jahr 2009 wachsen“, ist Duea überzeugt. Napster biete zwar auch Musikstücke für die branchenüblichen 99 Cent zum Download an, doch „dies ist nicht unser Hauptgeschäft“, sagte Thorsten Schliesche, Deutschland-Geschäftsführer. Als Einführungsangebot will er die Flatrates nicht verstanden wissen. „Der Preis bleibt auf längere Sicht auf diesem Niveau“, sagte Schliesche.

Das Rechtemanagement-System von Napster funktioniert allerdings auf vielen älteren MP3-Spielern oder gar auf heute üblichen Handys nicht. Die Gefahr, damit zu viele potentielle Kunden auszugrenzen, sieht Schliesche allerdings nicht. „Wir befinden uns in einem sehr frühen Stadium des MP3-Marktes. Die Geräte werden alle sechs bis zehn Monate ersetzt - dann kommt eine neue Generation auf den Markt.“

Roxio übernahm Napster

Napster wächst zwar schnell, arbeitet aber mit Verlust: Im dritten Quartal des Jahres stieg der Umsatz gegenüber dem Vorjahr um 150 Prozent auf 23,4 Millionen Euro, allerdings verbunden mit 13,6 Millionen Euro Nettoverlust. Napster wurde vom amerikanischen Softwareunternehmen Roxio übernommen, das dann seine Softwaresparte verkauft und sich anschließend in Napster umbenannt hat.

Die Napster-Aktie ist an der amerikanischen Technologiebörse Nasdaq notiert, wo das Unternehmen mit 156 Millionen Dollar bewertet wird, nur wenig mehr als die 127 Millionen Dollar Barmittelbestand.

Text: ht. / F.A.Z., 12.12.2005, Nr. 289 / Seite 17
Bildmaterial: picture-alliance/ dpa/dpaweb

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