13. November 2006 Begeisterung hört sich anders an. Der Softwarekonzern Microsoft bringt an diesem Dienstag seinen ersten eigenen digitalen Musikspieler mit dem Namen Zune in Amerika auf den Markt und gibt damit den Startschuß für seine Attacke auf den erfolgreichen iPod des Computerrivalen Apple.
Die Resonanz in den amerikanischen Medien, die das Gerät im Vorfeld der Einführung ausprobieren durften, ist aber bislang durchwachsen. Große Zeitungen brachten in den vergangenen Tagen eher mittelmäßige Kritiken für den Zune. Das Gerät funktioniere tadellos und biete einige hübsche neue Funktionen, die man beim iPod nicht finde, hieß es da. Trotzdem habe der Zune eine Reihe von Schwächen und sei insgesamt alles andere als bahnbrechend
Gewaltige Herausforderung, mächtiger Gegner
Der Zune kommt am Dienstag zunächst einmal nur in Amerika auf den Markt, eine Einführung in Deutschland steht offenbar noch in den Sternen. Ein Microsoft-Sprecher sagte dieser Zeitung, es sei unklar, ob und wann es den Zune auch in Deutschland geben werde, es sei aber wohl 2007 damit zu rechnen.
Microsoft steht mit dem Zune vor einer gewaltigen Herausforderung und nimmt es mit einem mächtigen Gegner auf: Der iPod von Apple, der vor ein paar Wochen seinen fünften Geburtstag gefeiert hat, dominiert den Markt ganz klar. Apple hat auf der ganzen Welt bislang 68 Millionen seiner Musikspieler verkauft. Die Wachstumsraten, die Apple in seinen Quartalsberichten für die iPod-Verkaufszahlen ausweist, sind bis heute gigantisch.
Niemand hat es geschafft
Viele Wettbewerber haben in den vergangenen Jahren versucht, die Dominanz von Apple zu brechen; niemand hat es geschafft. Dies gilt auch für den japanischen Elektronikkonzern Sony, der einst mit dem Walkman tragbare Kassettenspieler populär machte. In Amerika hat der iPod nach Angaben des Marktforschungsinstituts NPD Group einen Anteil von 77 Prozent am Markt für digitale Musikspieler. An zweiter Stelle liegt abgeschlagen das amerikanische Unternehmen Sandisk mit weniger als 10 Prozent.
Der Verkaufsbeginn des Zune wird nun mit Spannung erwartet, zumal sich der Konzern in der Vergangenheit einen Ruf dafür erworben hat, eher spät in Märkte einzusteigen, diese dann aber mit seinen immensen Ressourcen von hinten aufzurollen. In den neunziger Jahren bekam dies der Internet-Browser Netscape zu spüren, den Microsoft mit seinem Explorer aus dem Markt gedrängt hat. Auch im Videospielemarkt hat sich Microsoft mit seiner Xbox mittlerweile etabliert. Die Konsole gibt es seit 2001; nach einem schwachen Start hat sie ihren Marktanteil stetig ausgebaut. Die Einführung der zweiten Generation Xbox 360 im vergangenen Jahr war ein großer Erfolg, wobei Microsoft mit dem Gerät noch immer in der Verlustzone steckt.
Allianz mit Universal
Für Microsoft, ein Unternehmen, das sonst für Software wie das Betriebssystem Windows oder die Office-Büroprogramme bekannt ist, ist der Zune der zweite größere Ausflug ins Hardwaregeschäft nach der Xbox. Microsoft produziert die Musikspieler nicht selbst, sondern hat den japanischen Toshiba-Konzern als Vertragshersteller engagiert. Nirgendwo auf dem Zune stehen Name oder Logo von Microsoft. Auf dem iPod ist hingegen das Apple-Logo prominent plaziert.
Rechtzeitig zum Start des Zune hat Microsoft vor wenigen Tagen eine Allianz mit dem Musikkonzern Universal geschlossen, die in der Branche für großes Aufsehen gesorgt hat, weil sie sich von der Zusammenarbeit zwischen Apple und der Musikindustrie unterscheidet. Demnach beteiligt Microsoft Universal am Verkaufserlös für die Geräte. Bei Apple bekommt die Musikindustrie einen Teil der Umsätze im Online-Musikladen iTunes, bleibt aber beim iPod-Geschäft außen vor. Das ist den Musikkonzernen seit langem ein Dorn im Auge, denn für Apple ist der eigentliche Gewinnbringer nicht iTunes, sondern der iPod. Finanzielle Details der Allianz zwischen Microsoft und Universal wurden nicht genannt, angeblich soll aber mehr als ein Dollar je Gerät an Universal fließen. Auch hat Microsoft vergleichbare Abkommen mit anderen Musikkonzernen angekündigt.
Nicht der erste Ausflug ins Musikgeschäft
Der Zune wird knapp 250 Dollar kosten. Er kommt zunächst nur in einer Größe mit einer Speicherkapazität von 30 Gigabyte auf den Markt. Apple hat dagegen mehrere iPod-Familien - vom Kleinstmodell Shuffle über den mittelgroßen Nano bis zum Original-iPod. Der mit dem Zune vergleichbare 30 Gigabyte-iPod kostet ebenfalls knapp 250 Dollar.
Microsoft engagiert sich nicht zum ersten Mal im Musikgeschäft. Das Unternehmen bot aber bisher Software an. Dabei hat Microsoft sowohl Allianzen mit Herstellern von Musikspielern wie Samsung als auch mit Online-Musikplattformen wie Napster geschlossen, nicht aber mit dem Rivalen Apple, denn der iPod und iTunes sind ein geschlossenes System, das nicht mit anderen Musikspielern und Online-Diensten arbeiten kann. Einen ähnlichen Weg geht Microsoft nun mit Zune und dem zugehörigen Online-Dienst Zune Marketplace, die nicht mit anderen Angeboten kompatibel sind, auch nicht mit denjenigen von bisherigen Microsoft-Allianzpartnern. Diese Isolationsstrategie war seit je ein Kritikpunkt an Apple und ist es nun auch bei Microsoft.
Der Pluspunkt: Drahtlos Lieder austauschen
Einige Kritiker können sich nicht mit der Optik des Zune anfreunden, der größer und schwerer ist als der vergleichbare iPod. Dafür hat er aber auch einen größeren Bildschirm. Der Zune Marketplace ist außerdem mit weniger Liedern bestückt als iTunes, und es gibt bislang keine Videoinhalte, obwohl das Gerät auch Videos abspielen kann.
Das große Verkaufsargument von Microsoft für den Zune ist die Drahtlostechnologie, die der iPod bislang nicht hat. So können Zune-Besitzer ihre Titel untereinander austauschen. Microsoft setzt dabei auf den zum Trend gewordenen Gedanken sogenannter sozialer Netzwerke wie der Internetseite Myspace, wo Nutzer eigene Inhalte ins Netz stellen. Allerdings hat die Drahtlosfunktion des Zune einen Haken: Übertragene Lieder können nur dreimal gehört werden und bleiben höchstens für drei Tage auf dem Gerät. Wenn der Nutzer sie darüber hinaus behalten will, muß er sie kaufen.
Text: lid. / F.A.Z., 13.11.2006, Nr. 264 / Seite 17
Bildmaterial: AP
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