Bill Gates' letzter Arbeitstag

Die Tränen des Tycoons

28. Juni 2008 Mit Tränen in den Augen hat sich Microsoft-Gründer Bill Gates am Freitag von seinem Unternehmen verabschiedet. „Es wird keinen Tag in meinem Leben geben, an dem ich nicht an Microsoft denken werde“, sagte der Milliardär am Hauptsitz des Softwareriesen in Redmond bei Seattle. Die Mitarbeiter zollten Gates stehend Applaus.

„Bill ist der Gründer. Bill ist der Führer“

Gerührt zeigte sich auch Microsoft-Chef Steve Ballmer, der neben seinem Weggefährten auf der Bühne stand und an die gemeinsamen Jahre erinnerte. „Es gibt keine richtige Art, Bill zu danken. Bill ist der Gründer. Bill ist der Führer. Das hier ist Bills Baby“, fasste Ballmer die Erfolgsgeschichte zusammen.

Von Gates selbst war ein wenig Selbstkritik zu vernehmen. In seiner Abschiedsrede räumte er ein, die Dynamik der Internet-Suche und der Online-Werbung unterschätzt zu haben. „In der Software- Branche muss man die Wendungen der Straße im Voraus ahnen“, sagte der Firmengründer vor 800 Beschäftigten. „Wir haben die Themen Suche und Werbung (im Internet) verpasst.“

Ein Vermögen von 58 Milliarden Dollar

Gates hatte Microsoft 1975 zusammen mit seinem Schulfreund Paul Allen gegründet. Damals träumte der Computerfreak davon, dass eines Tages auf jedem Schreibtisch, in jedem Haus ein PC stehen könnte. Heute ist Microsoft Branchenprimus und steht für Kassenschlager wie das Betriebssystem Windows oder das Konsolenspiel „Halo 3“.

Nach Angaben der Forschungsfirma IDC gibt es derzeit auf der Welt mehr als eine Milliarde Computer. Gates Vermögen wird auf rund 58 Milliarden Dollar geschätzt. Ein Teil davon fließt in die Bill & Melinda Gates Stiftung, die mit mehr als 37 Milliarden Dollar wohl am besten ausgestattete in der Welt. Ihr will sich der Manager nun, nach dem Rückzug aus dem operativen Geschäft bei Microsoft, voll und ganz widmen. Im Mittelpunkt steht der Kampf gegen Malaria und andere Krankheiten in Entwicklungsländern. Auch das Thema Bildung hat sich die Stiftung auf die Fahnen geschrieben.

Seine E-Mail-Adresse behält er: billg@microsoft.com

So ganz kann sich der 52-Jährige von Microsoft aber doch nicht trennen: Als Chairman wird er auch in Zukunft gelegentlich nach dem Rechten schauen. Er bleibt Präsident (Chairman) des Microsoft-Verwaltungsrats (Board of Directors) und einer der größten Aktionäre von Microsoft. Außerdem wird er Microsoft-Chef Steve Ballmer weiter beratend zu Seite stehen. Gates' Büro auf dem Microsoft-Campus in Redmond soll nicht geräumt werden. Auch behält er seine E-Mail-Adresse billg@microsoft.com.

Der Softwarepionier hatte sich bereits weitgehend aus dem Tagesgeschäft bei Microsoft zurückgezogen. So gab er schon 2000 die Konzernführung an Steve Ballmer ab. In den vergangenen Monaten hatte Microsoft vergeblich versucht, das von Gates eingestandene Defizit im Internet-Markt durch die Übernahme des Internet-Pioniers Yahoo auszugleichen.

Nach dem „Transition Day“, dem Tag des Übergangs, sollen Ray Ozzie als „Chef-Software-Architekt“ sowie Craig Mundie als „Forschungs- und Strategie-Chef“ Gates' Rolle übernehmen.



Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AP, dpa

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