10. November 2006 Lars Hinrichs ist 29. Sein Unternehmen Open BC, eine Internet-Kontaktplattform für Geschäftsleute, geht bald an die Börse. Dann ist Lars Hinrichs Millionär und sein Unternehmen, das sechs Millionen Euro Umsatz im Jahr macht und gerade seinen ersten Gewinn erwirtschaftet hat, an der Börse weit mehr als 100 Millionen Euro wert.
Doch wer Hinrichs unterstellt, mitten in der Begeisterung für das sogenannte Web 2.0 Kasse machen zu wollen, liegt daneben. Der stets zurückhaltend auftretende Hanseat hätte sein Unternehmen ohne Schwierigkeiten verkaufen können, wie es die Gründer der amerikanischen Online-Gemeinschaften Youtube und Myspace getan haben. Doch das wollte der Sproß einer Kaufmannsfamilie nicht. Ich bin ein Unternehmer, der ungern für andere arbeitet, sagt er über sich und hat diese Vorliebe schon schmerzhaft bezahlt.
Das war der teuerste MBA-Kurs aller Zeiten
Zunächst lief alles glatt: Schon mit 22 Jahren hat er die Internetplattform Politik digital aufgebaut und dafür den Grimme-Preis bekommen. Im Jahr 2000 folgte die Gründung des Beratungsunternehmens Boettcher Hinrichs AG. Auf dem Höhepunkt der New Economy sammelte er 3,5 Millionen Euro Risikokapital ein - und scheiterte grandios. Schon ein Jahr später war das Geld weg.
Das war der teuerste MBA-Kurs aller Zeiten, sagt er heute. Daraus hat er gelernt, aber trotzdem seine Risikofreude behalten. Im Jahr 2003, als niemand einen Cent für Internetunternehmen ausgeben wollte, gründete er den Open Business Club - mit seinem eigenen Geld. Er überredete 50 Freunde zum Mitmachen. Sie stellten ihre Profile ins Internet, gaben also an, welchen Beruf sie haben, was sie können, was sie interessiert und was sie zu bieten haben. Dann geschah das, was im Internet als Netzwerkeffekt bezeichnet wird.
Heuschrecken mag Lars Hinrichs nicht
Je mehr Leute dazukamen, desto interessanter wurde es für die Außenstehenden, ebenfalls Mitglied des Netzwerkes zu werden. Heute knüpfen auf Open BC mehr als 1,5 Millionen Mitglieder Kontakte, bahnen Geschäfte an, treffen aber auch alte Freunde wieder und organisieren Partys. Freiberufler suchen Aufträge und Headhunter systematisch nach geeigneten Kandidaten. Immer geht es dabei um das Netzwerk: Über ein paar Ecken kennt jeder jeden im Open Business Club; diese Kontakte zweiten Grades machen den Reiz der Plattform aus.
In seinem teuren MBA-Kurs hat Hinrichs immerhin verstanden, wie das Internet funktioniert: In der Old Economy hat der Marktführer 30 Prozent Anteil und der zweite Anbieter vielleicht 25 Prozent. Im Internet gibt es andere Spielregeln: Der Marktführer hat 85 Prozent, und die anderen teilen sich die restlichen 15 Prozent, sagt Hinrichs. Das bedeutet: Wachstum und der Gang ins Ausland. Mit 28 Jahren hat sich Hinrichs nach China aufgemacht und dort eine eigene Dependence aufgebaut - immer noch mit seinem eigenen Geld, denn Heuschrecken mag er nicht.
Nicht der Typ, der mit 29 Jahren die Beine hochlegt
Der Weg war richtig: Heute kommen die meisten neuen Mitglieder aus dem Ausland, während der Zuwachs in Deutschland abflaut. Der Internationalität hat Hinrichs sogar den Namen seines Unternehmens geopfert: Aus Open BC wird bald Xing. Nur die deutschen Nutzer haben über den neuen Namen gemeckert. Im Ausland ist Xing sehr gut angekommen, sagt Hinrichs, der in seinem Profil bei Open BC als seine Hobbys zuerst seine Frau und seine einjährige Tochter, dann Yoga, Wein, thailändisches Essen, Windsurfen und Snowboarden nennt.
Mit dem Gang an die Börse beginnt für Hinrichs eine neue Zeit: Er wird den Analysten Quartal für Quartal erklären müssen, wie er die Zahl der zahlenden Mitglieder hochtreiben will. Denn nur rund 200.000 Mitglieder zahlen für die Dienstleistungen des Netzwerks; die große Mehrheit nutzt den kostenlosen Dienst. Vor allem im Ausland wird die kostenlose Variante bevorzugt. Doch Hinrichs hat diesen harten Weg bewußt gewählt. Er ist nicht der Typ, der mit 29 Jahren die Beine hochlegt.
Text: F.A.Z., 11.11.2006, Nr. 263 / Seite 18
Bildmaterial: picture-alliance / dpa/dpaweb
Monopolkommission: Das Briefporto ist zu ![]()
Ölgigant Exxon übernimmt Gasproduzenten XTO
| Name | Kurs | in % |
| DAX | 5.802,26 | +0,80% |
| TecDAX | 813,25 | +0,32% |
| MDAX | 7.349,95 | +0,66% |
| SDAX | 3.527,30 | +0,18% |
| REX | 377,16 | +0,02% |
| Eurostoxx 50 | 2.885,00 | +0,79% |
| Dow Jones | 10.497,90 | +0,25% |
| Nasdaq 100 | 1.808,31 | +0,91% |
| S&P500 | 1.106,41 | +0,37% |
| Nikkei225 | 10.105,70 | −0,02% |
| EUR/USD | 1,4653 | +0,26% |
| Rohöl Brent Crude | 71,97 $ | +1,02% |
| Gold | 1.140,00 $ | +1,02% |
| Bund Future | 122,93 € | +0,09% |