26. September 2007 Der weltgrößte Softwarekonzern Microsoft erwägt einen Einstieg bei der Online-Gemeinde Facebook - und würde sie mit einem atemberaubend hohen Betrag bewerten, der alle bisherigen Dimensionen in diesem Segment sprengen würde. Mehreren amerikanischen Medienberichten zufolge spricht Microsoft über einen Kauf eines Anteils von bis zu 5 Prozent an Facebook und würde dafür bis zu 500 Millionen Dollar bezahlen. Das würde das erst gut drei Jahre alte Unternehmen mit 10 Milliarden Dollar bewerten. Diese Summe übersteigt bei weitem die Beträge, die in den vergangenen Jahren für andere Online-Gemeinden bezahlt wurden. So kaufte der Internetgigant Google im vergangenen Jahr die Videoseite Youtube und zahlte dafür 1,65 Milliarden Dollar. Ein Jahr zuvor kaufte der Medienkonzern News Corp. die Gemeinde Myspace für 580 Millionen Dollar. Myspace gehört zu den schärfsten Wettbewerbern von Facebook.
Facebook wurde im Jahr 2004 von dem heute 23 Jahre alten Mark Zuckerberg gegründet. Die Seite ist ein soziales Netzwerk: Nutzer können sich hier ihre eigenen Profile anlegen, mit anderen Mitgliedern kommunizieren und Inhalte wie Bilder austauschen. Facebook war zunächst als soziales Netzwerk für Universitäten konzipiert. Die mit der deutschen Online-Gemeinde StudiVZ vergleichbare Seite entstand an der amerikanischen Eliteuniversität Harvard, nach ihrem Start war in kurzer Zeit der größte Teil der Kommilitonen darauf vertreten. Zuckerberg dehnte das Netzwerk schnell auf andere Universitäten und Schulen aus, heute ist Facebook auch für die breite Öffentlichkeit zugänglich. Zuckerberg ist mit Facebook mittlerweile in die kalifornische Technologiehochburg Silicon Valley umgezogen, und das Unternehmen hat 300 Mitarbeiter.
Yahoos Kaufangebot ausgeschlagen
Gemessen an der Zahl der Mitglieder, ist Facebook noch deutlich kleiner als Myspace, wächst aber schneller. Zuletzt hatte die Seite 40 Millionen Mitglieder. Über die Umsätze des Unternehmens ist nicht allzu viel bekannt. Facebook hat im vergangenen Jahr eine Werbeallianz mit Microsoft geschlossen und bekommt dafür Geld vom Softwarekonzern, die genauen Konditionen sind aber nicht bekannt. Das Wall Street Journal schrieb unlängst unter Berufung auf unternehmensnahe Kreise, Facebook erwarte in diesem Jahr einen Umsatz von 150 Millionen Dollar und einen Nettogewinn von 30 Millionen Dollar.
Vor fast genau einem Jahr soll der Internetkonzern Yahoo sich aggressiv um den Kauf von Facebook bemüht und fast eine Milliarde Dollar geboten haben. Facebook-Gründer Zuckerberg schlug die Offerte jedoch aus.
Mit hohen Zahlen jongliert
Microsoft ist den Berichten zufolge nicht der einzige Kandidat für einen Einstieg bei Facebook. Auch Google soll angeblich Interesse haben. Eine solche Beteiligung hätte vor allem den Effekt, dass Facebook eine Art offizielle Bewertung bekommt. In den vergangenen Monaten haben bereits Anteilseigner von Facebook mit hohen Zahlen jongliert. Der Investor Peter Thiel, der mit seiner kalifornischen Wagniskapitalgesellschaft Founders Fund im Jahr 2004 erster Geldgeber von Facebook war, brachte den Betrag von 10 Milliarden Dollar ins Gespräch.
Er sagte allerdings auch, er glaube nicht, dass jemand bereit wäre, diesen Betrag zu bezahlen. Aus diesem Grund werde Facebook wahrscheinlich unabhängig bleiben und irgendwann an die Börse gehen. Eine Minderheitsbeteiliung von Microsoft würde diesem Szenario nicht widersprechen. Thiel hat im Jahr 2004 eine halbe Million Dollar für einen Anteil von 10 Prozent an Facebook bezahlt. Bei einer Bewertung des gesamten Unternehmens mit 10 Milliarden Dollar wäre dieser Anteil eine Milliarde Dollar wert.
Neben der Investition von Thiel hat Facebook mittlerweile in weiteren Finanzierungsrunden insgesamt mehr als 40 Millionen Dollar eingesammelt. Mit einer Finanzspritze von Microsoft könnte Facebook sein Geschäft weiter ausbauen und Wettbewerber zukaufen.
Text: F.A.Z., 26.09.2007, Nr. 224 / Seite 18
Bildmaterial: AP, ASSOCIATED PRESS
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