14. April 2007 Google baut seine Vormachtstellung bei Werbung im Internet weiter aus: Der Suchmaschinenbetreiber übernimmt für 3,1 Milliarden Dollar (ungefähr 2,3 Mrd. Euro) die New Yorker Online-Werbefirma DoubleClick. Mit diesem Preis hat Google Microsoft ausgestochen. Der Windows-Riese wollte DoubleClick ebenfalls haben, um seine Position im Online-Anzeigengeschäft auszubauen. Anfangs hatten auch die Google- Konkurrenten Yahoo! und AOL Interesse an DoubleClick gezeigt.
Die am Freitag nach Börsenschluss bekannt gegebene Akquisition ist mit Abstand die teuerste für Google. Sie übertrifft den Kaufpreis für die Video-Internetsite YouTube vom vergangenen Jahr von 1,65 Milliarden Dollar um fast das Doppelte, wobei bekannt ist, dass Google über liquide Mittel von mehr als elf Milliarden Dollar verfügt.
Vorstoß in neue Bereiche
Google stößt mit dem Kauf in einen für das Unternehmen neuen Bereich der Internet-Werbung vor. DoubleClick mit Sitz in New York ist auf gezielte Display-Anzeigen im Bild-, Wort- und Videoformat spezialisiert, die das Unternehmen für seine Kunden auf Webseiten platziert, wenn ein Online-Nutzer sie anklickt.
DoubleClick arbeitet dabei sehr eng mit Web-Verlegern, werbenden Unternehmen und Werbeagenturen zusammen. Die Gesellschaft hat mehr als 1500 Kunden. Sie verfügt über komplizierte Software und Technologie, die nicht nur die Anzeigenplatzierung, sondern auch die Kontrolle ihrer Wirksamkeit ermöglicht.
DoubleClick-Verkäufer sind die Investmentfirmen Hellman & Friedman und JMI Equity sowie Manager des Unternehmens. Sie hatten DoubleClick erst 2005 für nur 1,1 Milliarden Dollar gekauft. DoubleClick hatte zwischenzeitlich bereits einige Geschäftsbereiche veräußert, so dass die Finanzinvestoren innerhalb kurzer Zeit mehr als drei Mal soviel Geld bei DoubleClick herausholten als sie gezahlt hatten.
Ausbau des Display-Anzeigengeschäfts
Die Google Inc. verbucht bisher immer noch den Löwenanteil seiner Einkünfte mit der Platzierung von Anzeigen zur Internet-Suche. Der DoubleClick-Kauf bringt Google jetzt auch in großem Stil in das Display-Anzeigengeschäft, in dem bisher Yahoo! eine führende Rolle spielt. Die DoubleClick-Technologie werde von führenden Werbeauftraggebern, Verlegern und Agenturen verwendet, betonte Google-Konzernchef Eric Schmidt. Er rechnet durch den Zusammenschluss beider Firmen mit einer beschleunigten Akzeptanz der Google-Display- Werbung.
Die Transaktion wurde von den Unternehmen gebilligt, doch steht noch die Prüfung durch die Wettbewerbsbehörden aus. Sie dürften die Transaktion ganz genau unter die Lupe nehmen, da Google seine dominierende Position bei Internet-Suchanzeigen durch den DoubleClick-Kauf auch auf den Display-Anzeigenmarkt auszudehnen versucht. Der Kauf soll bis Jahresende vollzogen werden.
Der Markt für Onlinewerbung hat ein Volumen von fast 29 Milliarden Dollar. Er war im vergangenen Jahr um 36 Prozent gewachsen. Auf Internet-Suchanzeigen entfallen 43 Prozent und auf Display-Ads rund 34 Prozent des globalen Marktes für Online-Werbung, berichtete die amerikanische Wirtschaftsagentur Bloomberg am Samstag. Die DoubleClick Inc. hatte im vergangenen Jahr einen Umsatz von rund 300 Millionen Dollar und verdiente 50 Millionen Dollar vor Zinsen, Abschreibungen und Steuern, berichtete die New York Times am Samstag in ihrer Onlineausgabe.
Text: FAZ.NET mit Material von dpa
Bildmaterial: dpa
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