17. August 2005 Eines der ersten Walkman-Handys, die Musikgenuß und Mobilfunk verbanden, war das Siemens SL 45, das im Jahr 2001 auf den Markt kam. Die MP3-Titel wurden auf eine Speicherkarte kopiert und ließen sich dann mit einem Stereokopfhörer in ordentlicher Qualität hören. Soweit die Vergangenheit. Die Marketing-Leute bei Sony Ericsson müssen ziemlich dumm oder verflixt dreist sein, wenn sie jetzt ihr Modell W800 als "erstes Walkman-Handy" feiern. Da kommen Sätze wie Paukenschläge. Das W800 sei "ein Produkt von Menschen für Menschen". Wir dachten bislang, daß Handys von Handys gebaut werden.
Nach diesem wunderbaren Auftakt mit seiner geradezu faustischen Erkenntnis entfaltet Sony Ericsson ein furioses Feuerwerk der Möglichkeiten. "Zum ersten Mal" könne man mit dem Handy Musik hören, das setze ein "Umlernen" voraus, und man spreche Nutzer an, "die bereit sind, alte Gewohnheiten über Bord zu werfen und mit herkömmlichen Regeln zu brechen". Wer diesen inhaltlichen und sprachlichen Murks verzapft hat, möge sich bitte bei uns melden. Wir werden ihm ein vier Jahre altes SL 45 aus dem Redaktionsmuseum vorführen und ihm damit diejenigen Wege in eine Vergangenheit zeigen, welche die Zukunft wirklich prägten.
Leistungsstark mit guter Akkustik
Nimmt man das W800 ganz unvoreingenommen in die Hand, entdeckt man weder den beschworenen "Aufbruch" noch einen "Meilenstein". Es ist ein leicht modifiziertes K750, also die Kopie des Topgeräts aus der Oberklasse mit Vollausstattung, einer exzellenten Kamera, Speicherkarte und sämtlichem Schnickschnack, den ein Handy von heute mitbringt. Man geht damit ins Internet zum Lesen von Nachrichten, schießt dank Autofokus tolle Bilder oder holt seine E-Mail von mehreren Konten ab. Der Akku hält bei moderater Nutzung gut eine Woche durch, das Display ist klasse, die Bedienung einfach, und die Tasten haben einen ordentlichen Druckpunkt. Da gab es also nicht mehr viel zu verbessern, sollte man denken. Bei gleicher Bauform ist das K750 in dezentem Schwarz-Silber gehalten, das W800 hingegen in peppigen Orangetönen. Hier wird zudem das Objektiv der rückseitig eingebauten 2-Megapixel-Kamera mit einer etwas anderen Abdeckung geschützt. Ferner kann man mit einem beiliegenden Adapter ein Stereo-Headset oder sogar einen hochwertigen Kopfhörer anschließen. Die Akustik ist auch bei anspruchsvoller Musik sehr präzise, ausgewogen. Ja, das W800 ist wie das K750 eine schöne Alternative zu den kleineren iPod-Modellen. Zum Speichern von Musik und Multimedialem aller Art bringt das W800 einen 512 Megabyte großen "Memorystick Pro Duo" mit, beim K750 muß man sich mit 64 Megabyte bescheiden, kann aber beide Geräte mit Speichermedien bis 2 Gigabyte bestücken. So hat man unterwegs Dutzende von CDs mit dabei.
Jetzt mit MP3
Auch bei der Software gibt es kleine Unterschiede. Das Neue hat zusätzlich eine Musiksoftware namens "Disk 2 Phone" in der Verpackung. Sie setzt unter Windows das Microsoft-Net-Framework 1.1. voraus und wandelt tatsächlich die CD-Musik in das bislang von Sony verteufelte MP3-Format um. Das Programm ist allerdings kompliziert und schwerfällig. Wer es einfacher und schneller haben will, sollte sich den kostenlosen Audiograbber (www.audiograbber.de) laden, der alle Aufgaben rund um die MP3-Erstellung deutlich besser und eleganter erledigt.
Walkman-Menü
Hat das K750 eine "Favoritentaste" unterhalb der Anzeige zur Schnellwahl frei wählbarer Menüeinträge, so widmet sich das W800 an dieser Stelle ganz der Musik. Ein zusätzliches Walkman-Menü bietet deutlich mehr Möglichkeiten zur Sortierung der vorhandenen Titel als beim K750. Angesichts dieser kleinen Unterschiede zwischen beiden Modellen wird sich die Kaufentscheidung an erster Stelle nach dem Design richten. Der größeren Speicherkarte Tribut gezollt, dürfte das W800 zur Markteinführung etwas teurer sein als das K750 (350 Euro). Wer ein gelungenes Musikhandy mit erstklassiger Kamera sucht, ist mit beiden Geräten sehr gut beraten.
Text: F.A.Z., 16.08.2005, Nr. 189 / Seite T2
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