28. Februar 2007 Die Deutsche Telekom will rund 50.000 Mitarbeiter, etwa 5000 mehr als zunächst angekündigt, in Untergesellschaften mit niedrigeren Löhnen und längeren Arbeitszeiten ausgliedern. Am Mittwochnachmittag hat der Konzernvorstand seine Sanierungspläne dem Aufsichtsrat vorgestellt. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi und der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) drohten mit einem Arbeitskampf, sollte die Telekom auf ihrem Kurs beharren. Vor der Konzernzentrale hatten sich zum Auftakt der Aufsichtsratssitzung rund 13.000 Demonstranten zu einer Protestkundgebung versammelt.
Verdi-Bundesvorstand Lothar Schröder und der DGB-Vorsitzende Michael Sommer, die beide dem Kontrollgremium angehören, kündigten ein einhelliges Nein der Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat an. Dennoch hieß es am frühen Abend aus dem Konzern, dass der Vorstand wohl die notwendige Mehrheit bekommen werde.
Flexiblere Arbeitszeiten
Ziel ist es, drei neue Untergesellschaften (T-Service) zu gründen. In ihnen sollen die Call-Center, der technische Kundendienst und die Infrastrukturtechnik der Festnetzsparte T-Com gebündelt werden. Auch Mitarbeiter der Mobilfunksparte sind von den Plänen betroffen. Die Telekom erhofft sich eine Verbesserung des Kundenservice und eine Senkung der im Branchenvergleich relativ hohen Arbeitskosten. Die zu T-Service versetzten Mitarbeiter sollen statt bisher 34 mindestens 38 Wochenstunden arbeiten, und das Gehaltsniveau soll, jedenfalls für die Tarifangestellten, abgesenkt werden.
Gleichzeitig sollen die Arbeitszeiten flexibler gestaltet werden, so dass Call-Center und Servicemitarbeiter auch in den Abendstunden und am Wochenende erreichbar sind. Die genaue Ausgestaltung der Konditionen muss in den kommenden Wochen mit Verdi ausgehandelt werden. Wir sehen eine gemeinsame Grundlage durch eine Beschäftigungsgarantie für T-Service, sagte eine Konzernsprecherin. Der Kündigungsschutz bei der Telekom läuft Ende 2008 aus. T-Com-Personalvorstand Dieter Welslau versicherte, es bestünden keine Pläne, die T-Service-Einheiten zu verkaufen.
Größerer Spielraum für Unternehmenszukäufe
Dagegen warf DGB-Chef Sommer dem Großaktionär Bund vor, er arbeite an einer Filetierung des Konzerns, um die Einzelteile an Finanzinvestoren veräußern zu können. Ebenso wie Verdi-Chef Frank Bsirske beschuldigte er die Bundesregierung, das Interesse an einer hohen Dividende und dem Aktienkurs über das Wohl der Beschäftigten zu stellen. Wie aus dem Umfeld des Aufsichtsrates verlautete, bekommt der Vorstand größeren Spielraum für Unternehmenszukäufe, um Wachstumsmöglichkeiten im Ausland zu nutzen.
Das Gegenstück bildet ein Sparprogramm, mit dem die laufenden Kosten um mindestens fünf Milliarden Euro im Jahr verringert werden sollen. Außerdem ist der Verkauf von Beteiligungen und Immobilien geplant. Zur Stabilisierung des Deutschlandgeschäftes würden das Marketingkonzept geändert und alle Festnetzprodukte künftig unter der Dachmarke T-Home angeboten.
Um das Breitbandgeschäft zu forcieren, soll der Ausbau des VDSL-Glasfasernetzes zur Vermarktung von Bündelangeboten aus Fernsehen, Internetzugang und Telefon beschleunigt vorangetrieben werden. Entsprechende Pläne habe der Aufsichtsrat ebenso akzeptiert wie ein neues Angebot für Internetfernsehen via ADSL, hieß es.
Text: F.A.Z. vom 1. März 2007
Bildmaterial: dpa, F.A.Z.
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