26. März 2005 Neun-live-Senderchefin Christiane zu Salm will ihr umstrittenes Anruf-Geschäftsmodell bald in weitere europäische Länder exportieren. Wenn die Deutschen gerne beim Fernsehen anrufen, gibt es keinen Grund, warum das die Polen, Spanier und Italiener nicht auch tun sollten, sagte Salm der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
Konkrete Untersuchungen zu den Marktchancen gebe es noch nicht, aber Osteuropa sei sicherlich interessant, fügte die 44jährige hinzu. Sie kündigte baldige Gespräche mit ProSiebenSat.1-Eigner Haim Saban an. Sabans TV-Konzern hatte vergangene Woche Neun live komplett übernommen und Salm dabei ihren rund dreiprozentigen Firmenanteil verkauft.
Mitmach-Fernsehen mit Zukunft
Von der Übernahme verspricht sich Salm, die bis Februar 2006 Geschäftsführerin des Anrufsenders bleibt, weitere Wachstumschancen. Im vergangenen Jahr hatte Neun live den Vorsteuergewinn um 33 Prozent auf 28,2 Millionen Euro gesteigert, der Umsatz wuchs um elf Prozent auf 102,4 Millionen Euro. Es gibt gute Chancen, daß sich das Wachstum auch 2005 fortsetzt, prognostizierte die frühere Chefin der Musiksenders MTV. Generell wird sich nach ihrer Ansicht das Mitmach-Fernsehen zum wichtigsten Wachstumstreiber im Privat-TV entwickeln.
Ihre eigene Zukunft sieht Salm weiterhin beim Fernsehen. Ihr Antrieb sei es, bestehenden Medien neue Ideen zu geben. Ob das künftig weiterhin in der ProSiebenSat.1-Gruppe passiere oder woanders, lasse sie in Ruhe auf sich zukommen. Grundsätzlich schließe sie jedoch nichts aus. Ihre Einnahmen aus dem Verkauf der Neun-live-Anteile - Schätzungen zufolge um die zehn Millionen Euro - will Salm zum Teil sparen, zum Teil spenden und zum Teil investieren. Unter anderem wolle sie damit junge Unternehmer unterstützen.
Text: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung
Bildmaterial: picture-alliance / dpa
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