Tech-Talk

Calvin Klein bloggt

Von Michael Spehr

10. April 2007 Alina, Joe, Katharina, Mirjam und Tomek sind äußerst ansehnliche Singles im Alter von 18 bis 25 Jahren. Nahezu gleichzeitig mischen die fünf die deutsche Blogger-Szene auf. Sie richten eigene Internettagebücher ein, kommentieren fleißig bei anderen, laden ihre Videos nach You Tube hoch, basteln Seiten bei My Space und zeigen ihre Fotos in Flickr.

Und ebenso schnell lernen sich die Web-2.0-Aktivisten untereinander kennen, kommentieren sich in den Blogs gegenseitig. Alles ist gut, eine Clique attraktiver junger Leute, die mittlerweile in sämtlichen namhaften deutschen Blogs auftritt. Es gibt kleine Reibereien, aber auch heißen Sex zu dritt.

Die fünf sind „in2“. Joe ist „in2 Hörspiele“, Alina „in2 chocolate“ und Tomek „in2 Weggehen“: die typische SMS-Jugendsprache eben. In ihren Blog-Einträgen geht es ständig um die „technosexual generation“ oder den „technosexuellen Spirit“, und Tomeks Blogseite heißt folglich

„Glaubwürdigkeit in meinem Blog“

Nun ist Tomeks Seite auf jemanden in der Frankfurter Kaiserstraße 79 registriert. Dort residiert die d.k.d Internet Service GmbH, und das wiederum ist eine Marketing-agentur, die von Parfümhersteller Calvin Klein mit Maßnahmen zur Markteinführung des neuen Dufts „in2u“ beauftragt wurde.

Und hier schließt sich der Kreis: Alina, Joe, Katharina, Mirjam und Tomek sind virtuelle Puppen des Parfümherstellers, reine Kunstfiguren. Joe ist „gespannt auf dieses neue in2u von CK“, und für Alina ist es „definitiv mein neuer Duft“. Man kann sich natürlich darüber aufregen, dass diese fünf falschen Freunde die gesamte Blog-Bewegung täuschen.

Vor allem, wenn Tomek über die „Glaubwürdigkeit in meinem Blog“ schwafelt. Das alles ist jedoch weder neu noch ein Einzelfall. Da berichtete unlängst ein Blogger-Paar in Wort und Bild von seiner Wohnmobil-Reise durch die Vereinigten Staaten. Hauptsächlich parkten die beiden bei Wal-Mart und trafen dort begeisterte Angestellte. Alles Schwindel: Das Ganze war von der PR-Agentur Edelmann inszeniert. Solche Fake-Aktionen werden einem also wohl künftig öfter begegnen. Aber warum sollte es in der virtuellen Welt anständiger zugehen als in der realen?

Text: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung
Bildmaterial: F.A.Z.

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06.11.2009 | 23:59
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