iPhone

Haste mal 'nen Euro?

Von Marco Dettweiler

Jetzt sollen die Kunden mit der 1-Euro-Taktik geködert werden

Jetzt sollen die Kunden mit der 1-Euro-Taktik geködert werden

15. Juni 2008 Mit Ein-Euro-Angeboten kennen sich Schnäppchenjäger bestens aus, wenn sie sich durch die Wühltische der Ramschläden wühlen. In dieses Gefühl können nun auch iPhone-Besitzer und potentielle T-Mobile-Kunden kommen: Ausgerechnet Apples Handy-Revolution will das Bonner Mobilfunkunternehmen ab dem 11. Juli für gerade mal einen Euro anbieten. Wer einen Handyvertrag hat, kennt diese Verkaufsstrategie und hat sich wahrscheinlich schon häufiger ein subventioniertes Gerät gekauft. Egal ob iPhone, Nokia- oder Samsung-Handy: Meist profitieren nur Vieltelefonierer und Dauersurfer von solchen angeboten.

Beim iPhone kommt noch etwas hinzu: „Billig“ ist ein Wort, das im Zusammenhang mit Apple-Produkten sehr selten auftaucht. Auch den Ausdruck „günstig“ verwenden bestenfalls Apple-Fans, wenn sie gegenüber Freunden und Bekannten begründen, warum sie für ihre Notebooks, MP3-Player oder Desktop-Rechner einige hundert Euro mehr ausgeben. Dass ausgerechnet bei der Präsentation des „iPhone 3G“ Steve Jobs zu den Worten „schneller und billiger“ greift, um die nächste Generation des Multi-Media-Handys als abermalige Sensation anzukündigen, ist selbst ein kleines Wunder. Bisher musste sich der Apple-Chef bei seinen, immer mit Spannung erwarteten Produktvorstellungen nie um einen niedrigen Preis kümmern. Die Fans kauften die Modelle, egal wie teuer sie waren.

Die neueste Nachricht über das iPhone 3G klingt nun, als wolle ein Discounter die Massen an die Kasse locken. Doch es ist T-Mobile, das einen scheinbaren Dumping-Preis anbieten will. Der Deutschland-Chef des Unternehmens, Philipp Humm, sagte der „Welt am Sonntag“, dass der Bonner Mobilfunkanbieter das Handy für einen Euro verkaufen werde. Das klingt zunächst wie ein Geschenk, da der Ladenpreis momentan - je nach Tarif und Speicherplatz - zwischen 99 und 499 Euro liegt - für das „alte“ iPhone. Und ohne, dass das neue Modell schon getestet wurde, steht schon jetzt fest: Das neue iPhone ist besser und schneller. Es hat mit UMTS eine flotte Datenübertragung, mit GPS eine attraktive Zusatzfunktion, und die Seiten werden sich Browser dreimal schneller aufbauen. Oberflächlich betrachtet würde das bedeuten: Ein besseres Gerät für weniger Geld.

Bewährte Strategie unter Mobilfunkanbietern

Das stimmt zwar für den Grundpreis des iPhones weltweit. Wie Apple ankündigte, bezahlen Kunden statt der bisherigen 299 Dollar/Euro für das 8-Gigabyte-Modell nur noch 199 Dollar/Euro, und für die 16-Gigabyte-Variante müssen Käufer nur noch 299 Euro/Dollar ausgeben. Letztlich kosten beide Modell jeweils 100 Dollar/Euro weniger. Doch wer glaubt, bei T-Mobile nun für einen Euro ein Schnäppchen machen zu können, sollte noch einmal nachrechnen. Denn der Mobilfunkanbieter verkauft das iPhone für diesen Preis nur unter bestimmen Bedingungen: Kunden müssen einen Zweijahresvertrag abschließen - und sich damit für den teuersten monatlichen Tarif von 89 Euro entscheiden.

Der Grund für diese Strategie ist klar: T-Mobile hat bisher zu wenige Apple-Handys verkauft und will jetzt den „Massenmarkt erreichen“, wie Humm zugibt. Während die erste iPhone-Version weltweit 5,4 Millionen Mal über die Ladentische ging, blieb das Gerät in Deutschland angeblich ein Ladenhüter. T-Mobile selbst veröffentlichte seit Januar keine Verkaufszahlen mehr, damals hatte die Telekom-Tochter 70.000 iPhones verkauft.

Ein-Euro-Handy für 1000 Freiminuten

Diese aggressive Vermarktungsstrategie ist nicht neu und in der Mobilfunkvermarktung schon länger üblich. Kunden bekommen ein Highend-Handy für einen Euro, müssen sich aber für einen langen Zeitraum und den teuersten Tarif entscheiden (siehe dazu auch: Kleine Handy-Ökonomie: Wie der Flatrate-Trick uns überlistet). Neu ist nur, dass Apple den Mobilfunkanbietern gestattet, den Verkaufspreis des Gerätes zu subventionieren und dafür einen Teil der Tarif-Umsätze nicht mehr für sich beansprucht.

So aggressiv wie T-Mobile in Deutschland geht AT&T in Amerika, wo das Unternehmen die Exklusivrechte für den Verkauf des iPhones hat, nicht vor. Dort wird das iPhone die von Steve Jobs angekündigten 199 Dollar für das 8-Gigabyte-Modell kosten. Ob die Vermarktungsstrategie den deutschen Verbrauchern Vorteile bringt oder sie letztlich draufzahlen, hängt vom Kunden selbst ab. Überschlägt man das Angebot von T-Mobile, zeigt sich aber schnell, dass nur wenigen der Tarif „Complete XL“ passen wird. In dem Pauschaltarif sind 1000 Inklusivminuten enthalten. Wer also etwa eine halbe Stunde täglich telefoniert, 10 SMS schickt und ziemlich lange surft, holt die 89 Euro wieder raus. Allerdings gilt auch: Wer stets mehr als eine halbe Stunde pro Tag telefoniert, muss noch einmal draufzahlen, wenn auch nur 9 Cent pro Minute.

Fünf Minuten täglich

Im Vergleich dazu: Der günstigste Tarif mit einer Datenflatrate ist „Complete M“ und kostet 49 Euro. Das „kleine“ iPhone kostet dann 199 Euro. Umgerechnet auf zwei Jahre wären das pro Monat etwa 8 Euro mehr, woraus sich Gesamtkosten von etwa 57 Euro monatlich ergäben. Hier gibt es nur 100 Inklusivminuten, also etwas mehr als 3 Minuten pro Tag. Jede weitere Minute kostet werktags 0,29 Euro, am Wochenende gilt die Weekend-Flat. Der Complete M-Kunde müsste also die Woche über mindestens 27 Minuten telefonieren, damit sich für ihn der XL-Tarif lohnt. Hinzu kommt, dass etwa beim „Complete S“-Tarif, der monatlich nur 29 Euro kostet, zwar nur 500 Megabyte Datenvolumen frei sind, diese aber für Normalsurfer ausreichen dürften, um nicht zusätzliche Bits bezahlen zu müssen. Zudem soll beim diesem Einsteigertarif das iPhone nur 169 Euro kosten.

Die Nachricht von T-Mobile, das iPhone für einen Euro verkaufen zu wollen, ist also hinsichtlich der üblichen Verkaufsstrategien von Mobilfunkunternehmen nichts Neues. Von Anfang an versuchten die Unternehmen, Kunden mit Ein-Euro-Handys zu locken, um sie über eine möglichst lange Vertragsdauer an sich zu binden. Vieltelefonierer und Dauersurfen profitieren davon, die meisten Kunden jedoch nicht. Aber es wird sicherlich einige Käufer geben, die sich von 1000 Inklusivminuten und einer Datenflatrate locken lassen.

Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AP

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