Die Deutsche Telekom wird ihre Musikplattform Phonoline einstellen und die Geschäfte mit dem Herunterladen von Musiktiteln aus dem Internet bei der Tochterfirma T-Online bündeln. Ein Sprecher von T-Online sagte am Montag in Darmstadt, Phonoline gebe seine Geschäfte auf.
Damit bestätigt die deutsche Musikindustrie den erwarteten Neuanfang im Internetgeschäft. Am vergangenen Freitag berichtete die FAZ bereits darüber, daß die Plattenkonzerne ihre weitgehend erfolglose gemeinsame Online-Vertriebsplattform Phonoline aufgeben wollen. Die endgültige Entscheidung war bis zur Musikmesse Popkomm in dieser Woche in Berlin erwartet worden.
Ursprünglich sollte Phonoline für die deutsche Musikbranche den Startschuß für die Aufholjagd im Internet geben. Die Plattenfirmen wollten mit der Plattform eine kundenfreundliche legale Alternative zu kostenlosen Tauschbörsen im Internet bieten, welche der Branche in den vergangenen Jahren hohe Umsatzverluste zugefügt haben. Das Angebot ist eine offene technische Plattform, auf der Vertriebspartner ihre eigenen Online-Musikläden aufbauen können. Allerdings ging Phonoline nach jahrelangen Verzögerungen erst im Frühjahr ans Netz. Die Kundenresonanz ist bislang enttäuschend.
Das nahende Ende von Phonoline ist auch eine Niederlage für die Deutsche Telekom. Deren Festnetzsparte T-Com ist der Technikpartner der Musikkonzerne. Die Plattenfirmen machen die Telekom für die zahlreichen Probleme verantwortlich und wollen sich deshalb der Telekom-Konzernschwestergesellschaft T-Online zuwenden. Der Präsident von Universal Music Deutschland, Frank Briegmann, sagte dieser Zeitung: "Wir werden uns sehr kurzfristig entscheiden, wie man die verschiedenen Online-Aktivitäten der Telekom und von uns gemeinsam optimieren kann."
Sein Kollege Maarten Steinkamp, Deutschland-Chef der Bertelsmann-Musiksparte BMG, hat bereits im August gefordert, Phonoline zu beerdigen. Das Projekt habe "in dieser Form keine Zukunft", sagte Steinkamp damals. Als ein Hauptproblem sehen Musikmanager die geringe Anzahl von Vertriebspartnern, die die Phonoline-Plattform nutzen. "Uns fehlt die kritische Masse", sagt Universal-Chef Briegmann.
Wichtigster Partner ist bislang der Münchener Konzertkarten-Vermarkter CTS Eventim. Der ist allerdings von den Verkaufszahlen herb enttäuscht. "Wir verkaufen zur Zeit etwa 1000 bis 1500 Lieder am Tag, hatten aber eigentlich mit der zehnfachen Anzahl von Downloads gerechnet", sagte CTS-Vorstandschef Klaus-Peter Schulenberg.
Zwar gibt es bislang noch keine zuverlässigen Zahlen über die Marktanteile der verschiedenen Online-Musikanbieter in Deutschland. Doch sind andere Unternehmen offensichtlich sehr viel erfolgreicher als Phonoline. Der amerikanische Computerkonzern Apple avancierte seit dem Start im Frühsommer binnen weniger Wochen auch in Deutschland zum Marktführer.
T-Online verkauft mit Musicload ebenfalls deutlich mehr Musikstücke als Phonoline. Nach eigenen Angaben vom August sollen es mehr als 100.000 Titel im Monat sein. Dabei setzt das Unternehmen auch auf eine Kooperation mit der Musikhandelskette World of Music (Wom). Zudem investierte Musicload zuletzt kräftig in eine Fernsehwerbekampagne.
Text: theu. / Frankfurter Allgemeine Zeitung
Bildmaterial: gms
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