Von Michael Spehr, Wolfgang Tunze und Raymond Wiseman
13. März 2006 Zurück zu den Büromaschinen? Diesen Weg wird die Cebit nie mehr gehen, auch wenn manche Meinungsführer der Elektronik‑Branche davon träumen, damit die MP3‑versessene Jugend nicht länger ihre Business‑Kreise stört. Denn die Unterhaltung zählt in der digitalen Welt längst zum Kerngeschäft. Das Fernsehen zum Beispiel, bürofernes Freizeit‑ und Privatvergnügen schlechthin, ist eines der ganz großen Themen auf der Messe der Bits und Bytes. Wie man es als Handy‑TV ins Hosentaschenformat bekommt, demonstrieren Hersteller wie Nokia, Samsung, LG oder Benq‑Siemens mit einer ganzen Reihe seriennaher Kombinationen aus Fernsehempfängern und Mobiltelefonen. Daß der Weg von der Empfängertechnik bis hin zu realen, attraktiven Programmangeboten noch lang und steinig werden kann, steht auf einem anderen Blatt.
Wie Fernsehen sich heute schon in hochzeiliger HDTV‑Auflösung auf flachen Großbildschirmen ausbreitet, führen die einschlägigen Großkonfektionäre Panasonic, Samsung, Sharp und LG anhand einer Fülle neuer Flachmänner vor, von denen vor allen die größten und die schönsten Erwähnung verdienen: Panasonic stellt in diesem Jahr den Rekord mit einem 103 Zoll großen Plasma‑Boliden auf, einem wandfüllenden Apparat also mit dem Diagonalmaß 260 Zentimeter. Sharp repräsentiert mit vier neuen Modellen, erkennbar an den Kürzeln GD9E und GA9E, die Fortschritte im LCD‑Lager - mit technischen Kunstgriffen, die für noch breitere Betrachtungswinkel, schnellere Reaktionszeiten, natürlichere Farbtöne und höheren Kontrast sorgen, mithin für die immer eindrucksvollere Kompensation LCD‑typischer Schwachpunkte.
Cinergy DT USB Diversity vereint zwei Tuner in einem
Das Fernsehen unterwandert die Computer‑Schau auch unter dem Deckmantel des Triple‑Play, des Kommunikations‑, Medien‑ und Internet‑Angebots über eine einzige Infrastruktur. Passende Hardware liefert Sagem: Der Hersteller zeigt eine Kabel‑Settop‑Box, die von HDTV über Sprachkommunikation bis hin zum World Wide Web alles erschließt, was die Technik‑Elite unter den Netzbetreibern heute anbietet. Auf Triple‑Play über schnelle DSL‑Netze setzt die Deutschen Telekom: An ihrem Stand steht der Einstieg ins Internet‑Fernsehen ganz oben auf der Themenliste.
Wie die elektronischen Medien auf die Notebooks mobiler Arbeitsnomaden kommen, zeigen Hersteller wie Pinnacle, Terratec und Hauppauge: Sie präsentieren eine breite Palette neuer Adapter‑Varianten, die sowohl analoge als auch digitale Fernsehprogramme empfangen können - ganz nach Angebot benachbarter Sendemasten. Besonders interessant ist die Terratec‑Neuheit Cinergy DT USB Diversity: Dieser Fernsehadapter im USB‑Stick‑Format vereint zwei separate Tuner für digitales Antennen‑Fernsehen, die einander in der Empfangsleistung ergänzen, um so auch unter ungünstigen Bedingungen klare Bilder zu liefern.
Vista: Praktischer Vorschaumodus
Wo Fernsehen ist, muß man Video nicht lange suchen. Zu den Stars in dieser Sparte zählen die Player für die neuen optischen Scheiben HD‑DVD und Blu‑ray Disc. Panasonic, Samsung, LG und Toshiba zeigen sie auf ihren Ständen - nicht nur in Form von Videogeräten fürs Wohnzimmer: Auch PC‑Brennerlaufwerke gibt es schon in der neuen Technik. Toshiba rüstet sogar sein neues Notebook‑Modell Qosmio mit einem HD‑DVD‑Laufwerk aus, Samsung präsentiert als erster Hersteller ein externes Laufwerk, das über den USB‑2‑Anschluß an einen Computer andocken kann, und NEC zeigt ein HD‑DVD‑Aggregat für den Einbau in einen Standard‑PC‑Schacht. Natürlich bereiten sich auch die Software‑Anbieter bereits auf die neuen Medien vor. Roxio zum Beispiel, Spezialist für Brennsoftware in der PC‑ und der Macintosh‑Welt, führt neue Programmversionen vor, die eigene Videos auf den neuen Medien verewigen können - hochauflösend und interaktiv.
Apropos Software: Am Stand von Microsoft kann man einen ersten Blick auf das neue Windows Vista werfen, den Nachfolger von XP. Es ist für 32- und 64-Bit-Systeme verfügbar. Optisch fällt vor allem die neue Oberfläche mit integrierten Such‑ und Organisationsfunktionen auf. Vorschausymbole bieten schon bei der Liste der Dateien im Explorer einen Einblick in Videos, Bilder, Texte und Tabellen. Aber auch PDF‑Dokumente erscheinen mit einer möglichst realistischen Abbildung ihres Inhalts. So lassen sich Dateien leichter entdecken und häufig ohne Öffnen auf ihren Inhalt überprüfen.
Neues Office: Zielorientiert dem gewünschten Ergebnis nähern
Schneller finden: Auch Internetseiten und Programme ermittelt die neue Suchfunktion. Ein eigenes Eingabefeld findet sich direkt im Startmenü. Für den flinken Sucherfolg sorgt die Indizierung der Dateien im Hintergrund, wobei auch Zusatzinformationen wie Autoren oder Schlüsselwörter automatisch erfaßt werden. Eine Anfrage listet sekundenschnell alle gespeicherten Dateien und Internetadressen direkt im Startmenü. Auch Office geht in eine neue Runde. Vor allem gibt es eine andere grafische Oberfläche. Sie soll nur die Symbole vorhalten, die der Anwender gerade benötigt. Nach der gewohnten Menüstruktur sucht der erfahrende Office‑Anwender zumindest in Word, Excel und Powerpoint vergebens. Satt dessen soll er sich zielorientiert dem gewünschten Ergebnis nähern. Ob dies so einfach funktioniert, darf man indes in Zweifel ziehen.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AP, dpa/dpaweb, obs, REUTERS