Internet

Der Immobilien-Tycoon

14. Februar 2005 Die digitale Ökonomie, in der Daten statt physischer Güter bewegt werden, weist einen bestechenden Vorteil auf: Hat ein Unternehmen die kritische Größe erst einmal überschritten, sind die Gewinnmargen meist traumhaft hoch. Was Ebay in aller Welt vorgemacht hat, zeigt Immobilienscout 24 nun in Deutschland: Das Anzeigenportal für Wohnungen und Häuser hat im vergangenen Jahr 21 Millionen Euro Umsatz erzielt und davon rund 6 Millionen Euro Gewinn nach Steuern übrigbehalten.

Die Wachstumsraten lassen noch einiges erwarten: "Unser Umsatz ist im vergangenen Jahr um 60 Prozent gestiegen, der Gewinn um 100 Prozent. Wir rechnen auch in den kommenden Jahren mit deutlich zweistelligen Umsatz- und Ergebniszuwächsen", sagt Arndt Kwiatkowski, Geschäftsführer der Online-Immobilienbörse, im Gespräch mit dieser Zeitung.

30 Prozent des Immobilienmarktes in der Datenbank

Das Unternehmen hat die Zahl der angebotenen Objekte binnen Jahresfrist auf rund 500000 verdoppelt. "Wir bilden zur Zeit 30 Prozent des Immobilienangebots in unserer Datenbank ab", sagt Kwiatkowski. Die Zahl der Exposeabrufe, die in der Branche als wichtiger Indikator für die Akzeptanz im Markt gilt, hat sich im vergangenen Jahr auf fast 27 Millionen verdoppelt.

Rund vier Fünftel des Umsatzes erzielt das Unternehmen mit Immobilienanzeigen. Zwei Drittel der Anzeigen geben die Immobilienprofis wie Makler oder Bauträger auf, ein Drittel stammt von Privatleuten. Den Umsatz mit der Online-Werbung, der zur Zeit rund 20 Prozent ausmacht, will Kwiatkowski ankurbeln. Er sieht seine Internetseite als Werbeplattform für Immobilienfinanzierer, Fertighausanbieter oder Umzugsunternehmer. Zum Beispiel können künftige Bauherren die Konditionen von 20 Hypothekenbanken vergleichen und sich anonymisiert Angebote erstellen lassen. Einige Banken oder Direktfinanzierer wie Interhyp bieten im Internet Konditionen an, die weit unterhalb der Angebote der traditionellen Hausbanken liegen.

40 Prozent der Transaktionen in Internet

Im Vergleich zum Autohandel ist das Geschäft mit den Immobilienanzeigen im Internet aber spät in Schwung gekommen. "Erst 40 Prozent der rund 40000 Immobilienprofis in Deutschland nutzen heute das Internet als Vertriebskanal. Drei Viertel davon sind unsere Kunden", sagt Kwiatkowski. Unter den Immobilienprofis, die mehr als zehn Objekte im Monat im Angebot haben, seien die Makler und Bauträger schon vergleichsweise häufig im Netz. Dagegen nutze nur ein kleiner Teil der Verwalter und Wohnungsunternehmen das Internet für die Kontaktaufnahme mit potentiellen Käufern und Mietern. Das sei ein Fehler, findet Kwiatkowski, denn die Suche nach Immobilien im Netz werde immer beliebter: Nach seiner Einschätzung werden heute schon 40 Prozent der vier Millionen Transaktionen auf dem deutschen Immobilienmarkt im Internet angebahnt. "In Ballungszentren sucht die relevante Zielgruppe nur noch im Netz", hat der 42 Jahre alte Gründer der Immobilienbörse beobachtet, die seit 1998 am Markt tätig ist.

Als Konkurrenten sieht er vor allem die Tageszeitungen an, die ihr Anzeigengeschäft in den Printmedien mit dem Internet verknüpft haben. Nur noch zwei Anbieter können in der Gunst der Internetnutzer mit Immobilienscout einigermaßen mithalten: Immowelt mit den Mehrheitsgesellschaftern Holtzbrinck, WAZ und Münchner Zeitungs-Verlag sowie Immonet, ein Gemeinschaftsunternehmen des Axel Springer Verlags und des Rings Deutscher Makler. Der Anbieter Immopool der Lagler Spezial-Software GmbH tut sich dagegen schwer: "Immopool steht vor der größten Herausforderung, weil er der einzige ist, der ohne strategischen Partner agiert", sagt ein Branchenfachmann.

Ebay will Anfängerfehler ausbügeln

Die Konkurrenz reiner Internetunternehmen fürchtet Kwiatkowski nicht, denn selbst der Internetmarktplatz Ebay hat im Immobiliengeschäft bisher nicht überzeugt. Nach starken Zuwächsen kurz nach dem Start des Immobiliengeschäfts im vergangenen April ist die Zahl der angebotenen Objekte bei Ebay schon im Mai 2004 auf rund 10000 gesunken. Seitdem ist kein Wachstum mehr zu erkennen. Ebay versucht nun, mit neuem Management und neuen Ideen das Wachstum anzukurbeln. Andere Internetanbieter spielen in dem Markt faktisch keine Rolle. "Mit dem Platzen der New-Economy-Blase an den Börsen ist vielen potentiellen Konkurrenten die Finanzierungsbasis entzogen worden. Nur noch die Marktführer haben Mittel erhalten", sagt Kwiatkowski. Die Finanziers von Immobilienscout - die Scout24-Gruppe, die Aareal Bank, die Investmentbank Morgan Stanley Dean Witter und der Fondsinvestor J.H. Whitney - halten bis heute an dem Unternehmen fest. Scout24 wurde allerdings von der Beisheim Holding Schweiz im Dezember 2003 für 180 Millionen Euro an T-Online verkauft. Da sich Immobilienscout 24 in der Anfangsphase seines Wachstums befinde, rechnet Kwiatkowski nicht mit einem baldigen Ausstieg der Finanzinvestoren.

Text: F.A.Z., 14.02.2005, Nr. 37 / Seite 19
Bildmaterial: F.A.Z.

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