Deutsche Telekom

Wer kennt schon T-Home?

Von Helmut Bünder

Hoffnungsträger: Die Deutsche Telekom setzt auf Glasfaserkabel

Hoffnungsträger: Die Deutsche Telekom setzt auf Glasfaserkabel

28. Februar 2007 René Obermann, der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Telekom, hat das Internetfernsehen (IPTV) zum großen Hoffnungsträger auserkoren. Für die Telekom war es deshalb ein schöner Zufall des Kalenders, dass das neue Telekommunikationsgesetz (TKG) rechtzeitig vor der Aufsichtsratssitzung an diesem Mittwoch in Kraft getreten ist. Der verbesserte Investitionsschutz für das neue VDSL-Glasfasernetz schafft Planungs- und Entscheidungssicherheit für einen zentralen Teil der Konzernstrategie: die Rückeroberung des Breitbandmarktes. Als Hebel will die Telekom den konsequenten Ausbau des Internetfernsehens nutzen - und dafür setzt sie längerfristig ohne Wenn und Aber auf die schnelle Glasfasertechnik.

Doch die Zukunft steckt bei der Telekom in den Anfängen: Hunderte Millionen Euro hat sie schon ausgegeben, um zwölf Städte mit sechs Millionen Haushalten an das VDSL-Netz anzuschließen. Aber es fehlen die Kunden. Allenfalls 20.000 Abonnenten hat die Telekom bisher für das als T-Home beworbene Angebot aus Multimedia, Internet und Telefon gewonnen. T-Home ist bei Preisen, die in der üppigsten Variante mehr als 100 Euro im Monat betragen können, zu teuer - und noch immer recht unbekannt. Ähnliche Kombinationsangebote sind, wenn auch technisch weniger ausgefeilt, bei Kabelnetzbetreibern und anderen Telekom-Konkurrenten günstiger zu haben.

Marketinganstrengungen werden viel Geld kosten

Der Konzern will mit einer Dreifachstrategie kontern: Das VDSL-Netz wird ausgerollt; frühere Überlegungen, die bis Anfang kommenden Jahres geplanten Investitionen von rund 3 Milliarden Euro zu kürzen oder zeitlich zu strecken, seien vom Tisch, hieß es. Gleichzeitig soll VDSL durch ein Fernsehangebot über die langsamere ADSL-Technik ergänzt werden, um möglichst schnell größere Kundenschichten zu erschließen. Und schließlich wird die Preisgestaltung überprüft, um IPTV für den Massenmarkt interessanter zu machen. Mit dem Inkrafttreten des Telekommunikationsgesetzes hat die Telekom praktisch Gewissheit, dass sie höherwertige VDSL-Produkte vorläufig konkurrenzlos vermarkten darf. Zwar könnte der Europäische Gerichtshof das Gesetz noch zu Fall bringen. Doch mit einem Urteil rechnet man bei der Telekom frühestens in zwei Jahren.

Das verschafft auf dem schnelllebigen Breitbandmarkt Zeit, um die Karten neu zu mischen. Aber VDSL soll nicht nur neue Bündelangebote in die Haushalte bringen. Der Ausbau ist auch ein erster großer Schritt zur Umstellung auf ein Netz, das ganz auf dem Internetprotokoll (IP) aufbaut. Sprache und Daten können darin bei geringerem technischen und personellen Aufwand über ein einheitliches System transportiert werden. Längerfristig winken gewaltige Einsparungen bei Sach- und Personalkosten. Doch zunächst werden die Investitionen und die zusätzlichen Marketinganstrengungen viel Geld kosten. Die Herabsetzung der Gewinnprognose Ende Januar hat einen Teil des notwendigen Spielraums geschaffen.

10.000 Demonstranten gegen Stellenabbau erwartet

Zusätzlich wird der Aufsichtsrat über ein konzernweites Sparprogramm beraten, das noch über die bisher genannten 5 Milliarden Euro bis 2010 hinausgehen könnte. Ebenso ist der Verkauf von verschiedenen Beteiligungen und Segmenten im Gespräch. Auf der Prüfliste stehen Teile des Immobiliengeschäfts, die Funkturmgesellschaft, die Media-Broadcast und die Internet-Tochtergesellschaften in Frankreich und Spanien. Auch Einsparungen bei den Lohnkosten sind fest in der Budgetplanung verbucht - trotz des Widerstandes der Gewerkschaft gegen die geplante Auslagerung von mehr als 45.000 Beschäftigten.

Die Zustimmung des Aufsichtsrates zur Gründung der neuen Untereinheiten mit verschlechterten Konditionen bei Bezahlung und Arbeitszeiten gilt im Konzernumfeld als sicher, notfalls per Kampfabstimmung gegen das Arbeitnehmerlager. Der angekündigte Massenprotest - die Dienstleistungsgesellschaft Verdi erwartet bis zu 10.000 Demonstranten in Bonn - scheint die Konzernführung wenig zu beeindrucken.

„Die Kunden honorieren einfache Botschaften“

Die Telekom hat keine andere Wahl: Ihre Kosten müssen runter, und sie muss stark investieren, um künftiges Wachstum zu sichern. Nach langer Abstinenz wird dazu über größere Zukäufe im Ausland nachgedacht. Die Halbierung der Schuldenlast unter Obermanns Vorgänger Kai-Uwe Ricke hat neue Manövriermöglichkeiten geschaffen. Aber noch kommt mehr als die Hälfte des Konzernumsatzes aus Deutschland. Hier werden Breitband und Mobilfunk ausgleichen müssen, was im klassischen Telefongeschäft unaufhaltsam durch die Regulierung verlorengeht.

Seit November an der Spitze: Telekom-Chef Obermann

Seit November an der Spitze: Telekom-Chef Obermann

Viel Zeit bleibt nicht: Auf dem Breitbandmarkt wird sich das Wachstumsfenster in wenigen Jahren schließen, und dann sind die Kunden erst einmal verteilt. Der Bonner Konzern ist ohnehin spät dran. Innerhalb von zwei Jahren hat sich sein Anteil am DSL-Kundenbestand fast halbiert. Erst die im vorigen Herbst gestartete Preisoffensive mit neuen Bündelprodukten brachte das Geschäft in Schwung - so sehr, dass Vertrieb und Kundendienst kaum nachkamen und sich eine Flut von Beschwerden über den Konzern ergoss.

Verbesserungen im Service sind deshalb das unverzichtbare Gegenstück zur Verkaufsoffensive. Die andere Seite bildet ein neues Werbekonzept mit einem klareren Markenauftritt. T-Home und seine vielen Schwestern mit dem großen T sollen einer übersichtlichen Struktur Platz machen. Als erfolgreicher Verkäufer weiß Obermann, worauf es ankommt: „Die Kunden honorieren einfache und klare Botschaften“, lautet seine Devise. Und davon kann bei der Telekom bisher keine Rede sein. Eine verwirrende Vielfalt von Produkten, Tarifen und Markennamen erschwert den Kunden den Überblick über die Telekom-Welt. Das Festnetzhandy T-One konkurriert mit T-Mobile-Home, was wiederum zu Verwechslungen mit T-Home einlädt.

Text: F.A.Z., 28.02.2007, Nr. 50 / Seite 20
Bildmaterial: AP, dpa, F.A.Z.

© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH 2009.
Alle Rechte vorbehalten.
Vervielfältigungs- und Nutzungsrechte erwerben
Verlagsinformation

Seien Sie auch unterwegs bestens informiert mit dem mobilen Nachrichtenservice von FAZ.NET. Weitere Informationen unter www.faz.net/mobil

12.11.2009 | 22:59
Name Kurs in %
DAX 5.663,96 −0,08%
TecDAX 762,56 +0,28%
MDAX 7.297,53 +0,21%
SDAX 3.489,36 +0,15%
REX 373,71 +0,04%
Eurostoxx 50 2.876,92 −0,14%
Dow Jones 10.197,50 −0,91%
Nasdaq 100 1.773,14 −0,55%
S&P500 1.087,24 −1,03%
Nikkei225 9.804,49 −0,68%
EUR/USD 1,4846 −0,91%
Rohöl Brent Crude 75,93 $ −2,53%
Gold 1.114,75 $ +1,20%
Bund Future 121,47 € −0,08%
FAZ.NET Suchhilfe
F.A.Z.-Archiv Profisuche