28. Dezember 2007 In einem Jahr, in dem das soziale Netzwerk Facebook die Schlagzeilen im Internet beherrscht und in dem das Studentennetzwerk StudiVZ in Deutschland scheinbar mühelos am bisherigen Branchenprimus T-Online vorbeizieht, heißt der Aufsteiger des Jahres wieder Youtube. Heimlich, still und leise hat Googles Videogemeinschaft abermals das größte Wachstum hingelegt: Die Reichweite hat in den Vereinigten Staaten zwischen Januar und November um 21 Millionen auf 63 Millionen zugelegt; in Deutschland ist die Reichweite in diesem Zeitraum um 2,5 auf 7,4 Millionen gestiegen, hat das Marktforschungsunternehmen Nielsen Online in einer Rangliste der am schnellsten wachsenden Internetunternehmen für die Frankfurter Allgemeine Zeitung errechnet.
Youtube hat die Rangliste bereits im vergangenen Jahr angeführt, als die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit wegen der Übernahme durch Google aber noch weit größer war als in diesem Jahr. Youtubes Erfolg wird dadurch komplett, dass keine andere Videogemeinschaft mehr den Sprung in der Rangliste geschafft hat - weder Geheimfavoriten wie Metacafe in Amerika und schon gar nicht die deutschen Gemeinschaften MyVideo und Clipfish, die Marktanteile gegen Youtube verlieren.
Lokale Youtube-Versionen kurbeln Wachstum an
Seit Januar wächst Youtube sogar schneller als die anderen amerikanischen Videoseiten zusammen. Die Leute veröffentlichen ihre Videos dort, wo sie mit den höchsten Zuschauerzahlen rechnen können. Das ist also ein Selbstläufer. Wir müssen nur aufpassen, dass wir immer genügend Kapazität bereitstellen, sagte Youtube-Gründer Chad Hurley in einem Interview.
Das dürfte Youtube nicht schwerfallen, denn das Unternehmen nutzt die Rechenzentren von Google mit, in die jährlich Hunderte Millionen Dollar investiert werden. Anscheinend hat Youtubes Strategie, auch professionell produzierte Inhalte auf die Seite zu holen, gut funktioniert. Seit dem Sommer kurbeln zudem neue Community-Funktionen und lokale Versionen in Brasilien, Frankreich, Italien, Irland, den Niederlanden, Polen, Spanien, Großbritannien und seit kurzem auch in Deutschland das Wachstum an.
Neben Youtube führt Glam Media die Rangliste an. Das im Jahr 2003 gegründete Netzwerk verschiedener Internetseiten für Frauen und Lifestyle wie Glam.com, Qualityhealth.com, Lifescript.com und Myyearbook.com hat nach eigenen Angaben ein revolutionäres Modell: Glam Medias verteiltes Media-Netzwerkmodell ändert die Definition eines Medienunternehmens im 21. Jahrhundert. Glam Media bringt eigene Internetseiten wie Glam.com mit dem Glam-Verlegernetz zusammen, das mehr als 400 populäre Lifestyle-Seiten und Blogs umfasst. Glams verteiltes Media-Netzwerk stellt Brücken zwischen Hunderten digitaler Stimmen dar, die den besten Inhalt für Frauen repräsentieren, schreibt Glam über sich selbst. Das klingt kompliziert, ist aber erfolgreich: Glam gilt als eines der spannendsten Werbenetzwerke in den Vereinigten Staaten und hat inzwischen den Konkurrenten iVillage klar abgehängt.
Studi und SchülerVZ erreichen fünf Millionen Menschen
In Deutschland liegt Youtube auf dem zweiten Platz der Rangliste, nur geschlagen vom Versandhändler Quelle, der ebenso wie Neckermann, Otto, Myby (Karstadt/Springer) und Amazon schon allein aus saisonalen Gründen ein starkes Wachstum zwischen Januar und November aufweist. Unter den anderen Web-2.0-Seiten sticht das Holtzbrinck-Netzwerk SchülerVZ heraus. Das soziale Netzwerk für Schüler hat erst im April die Messgrenze von Nielsen überschritten und seitdem seine Reichweite in nur sieben Monaten um 333 Prozent gesteigert. Zusammen mit dem großen Bruder StudiVZ werden schon fünf Millionen Menschen in Deutschland erreicht. Auch StudiVZ hat seine Reichweite in diesem Jahr mehr als verdoppelt.
Als weitere Web-2.0-Seiten hat der Lesezeichendienst Mister Wong den Sprung auf Platz 3 der Wachstumsrangliste geschafft. Dort speichern rund 1,4 Millionen Menschen ihre Lesezeichen, um sie überall nutzen zu können. Wordpress, ein komfortables Redaktionssystem für Weblogs, gehört in Deutschland wie in Amerika zu den am schnellsten wachsenden Internetseiten.
Suchmaschine Ask überrascht in Deutschland
Der Internetmarktplatz Ebay taucht in den Wachstumsranglisten nicht mehr auf; die Nutzerschaft liegt konstant bei rund 18,5 Millionen in Deutschland. Aber ein eher unbekannter Ebay-Konkurrent hat mächtig zugelegt: AuVito, das Auktionshaus des Leipziger Unternehmens Unister, das auch Preisvergleich.de betreibt, hat seine Nutzerschaft fast verdoppelt. Das Unternehmen positioniert sich als kostenlose Alternative zu Ebay, das viele Händler mit seiner Gebührenpolitik verärgert hat.
Unter den Kleinanzeigenseiten haben weder die Ebay-Tochtergesellschaft Kijiji noch Markt.de, sondern Quoka.de den Sprung unter die 15 Wachstumsunternehmen geschafft. Dieser Markt ist hart umkämpft, aber eine Differenzierung fällt den Unternehmen schwer.
Zu den Überraschungen in Deutschland gehören sicher die Suchmaschine Ask und einige traditionelle Medienmarken wie Computerbild und das Hamburger Abendblatt, die ihre Reichweiten kräftig ausgebaut haben. Das Heidelberger Verbraucherportal Verivox hat von den steigenden Energiepreisen in Deutschland profitiert. Verivox hat alle Strom- und Gaspreise Deutschlands in seiner Datenbank gesammelt und weist seinen Nutzern den Weg zur billigsten Alternative ihres lokalen Versorgers.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z.
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