Von Carsten Knop
20. Juni 2007 Nie zuvor haben Unternehmen und Finanzinvestoren für so viel Geld andere Unternehmen gekauft wie in diesem Jahr. Die Preise nähern sich unterdessen dem Niveau der Internetbegeisterung des Jahres 2000, auch wenn die Transaktionen damals noch sehr viel häufiger mit Aktien - statt mit Bargeld - bezahlt wurden.
Seit Jahresbeginn sind schon Übernahmen im Wert von mehr als 2,3 Billionen Dollar (1,7 Billionen Euro) angekündigt worden. Das geht aus den jüngsten verfügbaren Zahlen des amerikanischen Informationskonzerns Thomson Financial hervor, der selbst im Begriff ist, seinen Wettbewerber Reuters zu übernehmen. Damit ist es auch kein Wunder, dass der Mai 2007 mit dem bisher größten jemals in einem Monat erreichten Transaktionsvolumen von Fusionen und Übernahmen einhergehen wird: Es geht um rund 500 Milliarden Dollar.
Ausgeprägte Kreditfinanzierung
Vor diesem Hintergrund hat der Internationale Währungsfonds (IWF) kürzlich Bedenken geäußert, dass das boomende Fusionsgeschäft angesichts steigender Zinsen die Finanzstabilität gefährden könnte. Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) schreibt in ihrem jüngsten Quartalsbericht, dass sich die Unternehmen für Übernahmen weit stärker verschulden als früher. Die BIZ ist die Dachorganisation der Notenbanken der Welt.
Noch sehr viel ausgeprägter als Unternehmen finanzieren Private-Equity-Gesellschaften ihre Übernahmen mit Krediten, manchmal mit bis zu 80 Prozent, was in Zeiten steigender Zinsen unangenehm werden kann. Auch die im Institute of International Finance zusammengeschlossenen führenden Geschäftsbanken haben in diesem Zusammenhang darauf hingewiesen, dass angesichts hoher Liquidität und immer größerer Transaktionen auf einigen Märkten eine Erosion der Standards von Kreditvergabe und Investitionen zu beobachten sei.
Die Hoffnungen geben viele nicht auf
Die F.A.Z. nimmt das wieder florierende Geschäft mit Fusionen und Übernahmen zum Anlass für eine Serie über den Erfolg und Misserfolg großer Unternehmenskäufe der vergangenen Jahre: Warum hatte BMW mit der Übernahme von Rover keinen Erfolg? Wie ist es den Mitarbeitern von McDonnell Douglas bei Boeing ergangen? Wie gut geht es dem gemeinsamen Musikgeschäft von Sony und BMG?
Hierbei zeigt sich, dass viele der Hoffnungen, die mit den Übernahmen verknüpft worden sind, nicht aufgehen - und dass das Geld der Aktionäre besser hätte investiert werden können. Zuweilen entstehen aber aus den großen Geschäften auch kleinere, eher unverhoffte Erfolgsgeschichten. Dafür steht der Mini von BMW. Und manchmal dauert einfach alles länger als gedacht, wie zum Beispiel bei Hewlett-Packard und Compaq.
Text: F.A.Z., 14.06.2007, Nr. 135 / Seite 15
Bildmaterial: F.A.Z.
