Mobilfunk

Billiganbieter drängen in den Handymarkt

05. Juni 2005 Die neuen Billiganbieter haben skurrile Namen wie Simyo, Simply oder Schwarzfunk, aber sie sind ein Segen für die deutschen Handy-Nutzer: Telefonate werden in Deutschland endlich billig. Statt wie bisher bis zu 79 Cent in der Minute zahlen Handy-Nutzer künftig weniger als 20 Cent für die Gespräche. Auch die Preise für die SMS purzeln: Statt der branchenüblichen 19 Cent für die Kurzmitteilung, die bisher das Taschengeld vieler Jugendlicher aufgezehrt haben, verlangen die neuen Anbieter nur noch 12 bis 15 Cent. Der Preisrutsch, den E-Plus in der vergangenen Woche mit dem Start der Billigmarke Simyo ausgelöst hat, dürfte erst der Anfang gewesen sein, denn viele Mobilfunkgesellschaften werden dem Billigtrend nun nacheifern.

Um die eigenen Marken nicht zu kannibalisieren, werden meist Zweitmarken gegründet, deren Produkte von einem sehr kleinen Unternehmen mit geringen Kosten nur im Internet vertrieben werden. Teure Händlernetze leisten sich die Billiganbieter ebensowenig wie Subventionen für die Handys. Das Simyo-Konzept sieht vor, daß die Kunden bereits ein Handy besitzen und einfach nur günstig telefonieren wollen. Das Aufladen des Gesprächsguthabens ist ebenfalls nur im Internet möglich.

Tchibo, Payback, Simyo ...

Zwar haben der Kaffeeröster Tchibo (in Zusammenarbeit mit dem Netzbetreiber O2) und der Bonuskartenanbieter Payback (mit Vodafone) den Preiswettbewerb eingeläutet, aber erst Simyo hat in der vergangenen Woche für einen echten Paukenschlag gesorgt: Inlandstelefonate in alle Netze für 19 Cent in der Minute und 14 Cent für die SMS lautete die Kampfansage an die Konkurrenz. Die reagierte prompt: Schon einen Tag später unterbot der Diensteanbieter Viktorvox, der Kapazitäten bei Netzbetreibern wie T-Mobile einkauft und unter eigenem Namen vertreibt, mit seiner neuen Marke Simply das E-Plus-Angebot. Neue Anbieter in diesem Marktsegment werden mit ihren Preisen noch etwas daruntergehen müssen.

Als erste werden wohl die anderen Diensteanbieter dem Trend folgen. Beim Stuttgarter Mobilfunker Debitel läuft offenbar seit Monaten ein Geheimprojekt unter dem Namen "Lemon", das ebenfalls die Einführung einer Billigmarke vorsieht. Das Projekt hat in der vergangenen Woche neuen Schwung bekommen, denn E-Plus hat anderen Diensteanbietern vergleichbare Einkaufskonditionen für Mobilfunkdienstleistungen wie Simyo angeboten. "Wir haben ein Angebot von E-Plus erhalten und prüfen es zur Zeit", sagte ein Debitel-Sprecher. Auch Mobilcom hat seit der vergangenen Woche ein Angebot von E-Plus auf dem Tisch liegen und schaut sich die Konditionen genau an. Das deutsche Telekommunikationsrecht sieht vor, daß die Betreiber der vier Mobilfunknetze den Diensteanbietern einen diskriminierungsfreien Zugang zu ihren Netzen gewähren müssen. Das bedeutet gleiche Konditionen für die Mitnutzung der Netze.

Konzept der Billigflieger

Allzu viel Vorsprung werden diese Unternehmen dem Konkurrenten E-Plus aber nicht lassen, denn das Konzept der Billigmarke hat in anderen Ländern großen Erfolg. In Dänemark oder Österreich haben die Billiganbieter schon Marktanteile von 20 Prozent erobert und spielen im Neukundengeschäft eine stetig wachsende Rolle. Oft sind diese Billiganbieter keine Ableger der etablierten Unternehmen, sondern Neu- oder Quereinsteiger, die nach dem Vorbild der Billigflieger den Markt aufmischen. Deren wirtschaftliches Konzept geht auch im Mobilfunk auf. Da diese Unternehmen nur sehr wenig in Technik, Vertrieb und Service investieren, sind ihre Gewinnmargen vergleichsweise hoch.

Erfahrungen in diesen Ländern zeigen, daß die Billigangebote nicht nur die Jugendlichen ansprechen, sondern durchaus auch Vieltelefonierer, die ihre Handy-Rechnung signifikant senken können. Sollten diese beiden Zielgruppen auf die neuen Angebote anspringen, werden wohl auch die großen Anbieter auf diesen Trend setzen. Vodafone hat entsprechende Überlegungen schon angekündigt. "Es gibt einen Anteil von 5 bis 15 Prozent der Kunden, die keinen Service haben wollen, ihre Mobilfunkkarte im Internet kaufen und dann einen Rabatt auf die Minutenpreise fordern", sagte Konzernchef Arun Sarin dieser Zeitung (F.A.Z. vom 9. März). Den Zeitpunkt für die Einführung einer Billigmarke ließ er aber noch offen: "Wir werden in keinem Markt mit einem solchen Angebot zu spät kommen", sagte Sarin damals. In Deutschland sieht sich Vodafone aber noch nicht unter Zugzwang. "Im Moment sind wir gut aufgestellt und sehen keinen Anlaß, daran etwas zu ändern", sagte ein Vodafone-Sprecher. Allerdings dürfte Vodafone ein fertiges Konzept in der Schublade haben.

Zahlungsbereitschaft abschöpfen

Noch feilen die etablierten Anbieter an ihrem Marketingkonzept, den Markt in viele Segmente einzuteilen, um die Zahlungsbereitschaft der einzelnen Kunden besser abschöpfen zu können. T-Mobile hat als erster Anbieter begonnen, die Subventionen für die Geräte zu senken. Die Tarife der Telekom-Tochtergesellschaft unterscheiden nun explizit, ob ein neues Handy enthalten ist. Vor allem ältere Handynutzer werden wohl häufig auf ein neues Gerät verzichten, da sie nicht jeden technischen Fortschritt mitmachen.

Die Segmentierung wird aber noch weiter vorgenommen. Nach Vodafone hat in der vergangenen Woche auch T-Mobile einen Tarif für Studenten, Auszubildende, Wehrdienst- und Zivildienstleistende aufgesetzt: 50 Gesprächsminuten kosten im Tarif Relax Student 7,50 Euro im Monat. Wer sein Gesprächskontingent genau einhält, telefoniert für günstige 15 Cent in der Minute. Allerdings hat es T-Mobile nicht geschafft, die branchenüblichen Fallstricke wegzulassen: Wer das Kontingent überschreitet, zahlt bis zu 60 Cent in der Minute. Außerdem werden Gespräche in andere Handy-Netze nicht zum Kontingent gerechnet. Auch die SMS ist mit 19 Cent in der Minute auf dem alten Stand geblieben.

Text: F.A.Z., 06.06.2005, Nr. 128 / Seite 17
Bildmaterial: F.A.Z.

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