Videospiele

Neue Konsolen bringen der Spielebranche einen Umsatzschub

Von Holger Schmidt

10. März 2008 Der Markt für Video- und Computerspiele ist in Deutschland im vergangenen Jahr so schnell gewachsen wie lange nicht. Der Umsatz mit Spielen für Videokonsolen und Personal Computer legte um 21 Prozent auf 1,36 Milliarden Euro zu, teilte der Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware (BIU) mit. Zugpferd der Branche ist der japanische Hersteller Nintendo. Vor allem dessen Gerät Nintendo DS hat den Umsatz mit den Spielen für mobile Konsolen um 64 Prozent auf 360 Millionen Euro erhöht. 11,7 Millionen Spiele dieser Kategorie wie "Dr. Kawashimas Gehirnjogging" wurden nach Angaben des Verbandes 2007 verkauft.

„In der MItte der Gesellschaft“

Nintendo hat erstmals Mädchen und Frauen in großem Stil für Videospiele begeistert. "Computer- und Videospiele sind in der Mitte unserer Gesellschaft angekommen", beschreibt BIU-Geschäftsführer Olaf Wolters den - in diesem Fall - gelungenen Versuch der Branche, ihre bisherige Kernzielgruppe junger Männer um Mädchen zu erweitern. Fast 70 Prozent der Spieler mobiler Konsolen sind jünger als 15 Jahre, fast die Hälfte ist weiblich.

Der Umsatz mit den Spielen für die stationären Spielekonsolen von Microsoft, Nintendo und Sony ist im vergangenen Jahr um 25 Prozent auf 544 Millionen Euro gestiegen. Der inzwischen abgeschlossene Umstieg auf die neue Konsolengeneration - Xbox 360 von Microsoft, Wii von Nintendo und Playstation 3 von Sony - hat nach dem Übergangsjahr 2006 den erhofften Schub für den Spieleabsatz gebracht. Den hat die Branche auch dringend gebraucht, denn das Geld verdienen die Hersteller nach wie vor mit den Spielen und nicht mit den Geräten. Der Durchschnittspreis für ein aufwendig entwickeltes Spiel der neuen Generation, dessen Produktion zweistellige Millionenbeträge verschlingen kann, ist im vergangenen Jahr von 32 auf 36 Euro gestiegen. Familienspiele waren allerdings auch der Treiber für die stationären Konsolen.

PC-Spiele fallen zurück

Während der Konsolenmarkt wieder kräftig wächst, ist das Geschäft mit den Spielen für den Personal Computer im vergangenen Jahr erstmals geschrumpft. Der Umsatz ging um 3 Prozent auf 458 Millionen Euro zurück. Diese Spiele wie "Crysis" der Frankfurter Spieleschmiede Crytek, die aufgrund ihrer aufwendigen Grafik vor allem für Personal Computer entwickelt werden, finden ihre Käufer weiter in der Kernzielgruppe junger Männer, die auf der Cebit ihre "World Cyber Games" ausgetragen haben.

Noch nicht in der Statistik enthalten sind die schnell wachsenden Umsätze, die mit Online-Spielen wie World of Warcraft erzielt werden. Diese Spiele, die Millionen Spieler auf der ganzen Welt über das Internet miteinander verbinden, garantieren den Unternehmen hohe, stetig fließende Einnahmen. Allerdings ist ein Erfolg wie World of Warcraft sehr selten.

Bluray und Wii-Fit sollen Wachstum weiter ankurbeln

Für das erste Halbjahr 2008 geht der BIU von einer weiteren positiven Marktentwicklung aus. Der gute Verkauf der Spielekonsole der neuen Generation sorgt nach Einschätzung des Branchenverbandes für einen weiter steigenden Absatz der Videospiele. Sony erhofft sich einen besonderen Wachstumsschub, nachdem sich der eingebaute Bluray-Spieler, mit dem hochauflösende Filme angeschaut werden können, nach dem soeben gewonnenen Formatkrieg als zukunftsfähig durchgesetzt hat.

Nintendo wird im April als Ergänzung zu seiner Konsole Wii den Fitnesstrainer Wii-Fit auf den Markt bringt. Die Spieler stehen dabei auf einem unscheinbaren weißen Brett, das aber mit jeder Menge Sensoren ausgestattet ist, damit die Gymnastikübungen auf dem Bildschirm richtig nachgemacht und per Internetkamera sogar zu Ärzten oder Therapeuten übertragen werden können. Mit Wii-Fit erhofft sich Nintendo den Einstieg in den Gesundheitsmarkt. Patienten können Gymnastik dann vor dem heimischen Fernseher machen, ohne unbedingt zu einem Arzt oder Therapeuten fahren zu müssen. Vor allem Krankenkassen erhoffen sich davon geringere Kosten.

Konzentrationswelle: EA gegen Vivendi

Im Markt gibt es derzeit eine Konzentrationswelle. Nachdem der französische Anbieter Vivendi, zu dem der World-Of-Warcraft-Entwickler Blizzard gehört, den Wettbewerber Activision und damit die Weltmarktführung übernommen hat, will der entthronte Champion Electronic Arts mit der feindlichen Übernahme des Studios Take Two seine Spitzenstellung zurückerlangen.



Text: F.A.Z., 10.03.2008, Nr. 59 / Seite 19
Bildmaterial: Holger Schmidt / F.A.Z.

 
Kursabfrage 
NamePunkteProzent
Dax 4.544,31 -7,01
TecDax 516,75 -4,81
DowJones 8.451,19 -1,49
Nasdaq 1.649,51 +0,27
STOXX 50 2.421,87 -7,86
Nikkei 225 8.276,43 -9,62
S&P 500 Zert. 8,83 -10,45
Euro/Dollar 1,34 +0,00
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Gold 847,40 +0,00
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