09. Oktober 2004 Eigentlich scheint die Zeit der Popstars der New Economy endgültig abgelaufen zu sein. Doch als Larry Page und Sergey Brin, die beiden Gründer der Internet-Suchmaschine Google, auf der Frankfurter Buchmesse ihre neue Suchmaschine für Bücher vorstellen, blitzt der Glamour vergangener Zeiten für eine Stunde wieder auf.
Obwohl das Google-Management die Regenbogenpresse zum ersten öffentlichen Auftritt nach dem Ende der Schweigefrist des Börsengangs gar nicht erst eingeladen hat, stehen die beiden jüngsten Milliardäre der Welt minutenlang im Blitzlichtgewitter, bevor sie ihre neue Suchmaschine präsentieren können.
Suchmaschine für Verlage
Larry Page, der zusammen mit dem Vorstandsvorsitzenden Eric Schmidt für das Tagesgeschäft bei Google zuständig ist, faßt sich kurz. "Wir haben viele Millionen Online-Inhalte in unserer Suchmaschine erfaßt, aber der Offline-Inhalt der Bücher ist weitgehend unerschlossen. Die Menschen haben große Mühe, die Inhalte in den Büchern zu finden. Daher haben wir eine Suchmaschine für die Inhalte der Verlage entwickelt", sagt Page.
Verlage wie Time Warner, Wiley, Pearson oder Springer hätten bereits zugesagt, ihre Inhalte durchsuchbar zu machen. Natürlich nicht uneigennützig: "Google-Print ist ein Vertriebskanal für die Verlage", wirbt der ansonsten eher wortkarge Page. Denn neben den Fundstellen werden natürlich die Online-Buchhändler aufgeführt, wo das Buch direkt per Mausklick bestellt werden kann. Die Einnahmen aus der Werbung will Google mit den Verlegern teilen.
Kurzer Vortrag
Die Inhalte können nicht kopiert werden, beruhigt Page die mißtrauischen Verleger. Auf ihre Mitarbeit ist Google angewiesen: Die Verleger und Autoren müssen ihre Bücher an Google senden, damit sie eingescannt werden können. Und damit hat Page seinen Vortrag schon beendet. Irgendwie wirkt er erleichtert, als sein Partner Sergey Brin in der anschließenden Fragerunde das Wort führt.
Brin ist bei Google für die Technik verantwortlich. Der gebürtige Russe beherrscht das Spiel mit den Medien schon perfekt. Natürlich werde Google-Print bald auch in anderen Sprachen verfügbar sein, erklärt Brin. Ist Google-Print eine Konkurrenz für die Amazon-Suchmaschine? Nein, nein, Amazon sei ein guter Partner, versichert Brin glaubwürdig, auch wenn dies Marktkenner ganz anders sehen. Angestachelt von der Eloquenz Brins, taut auch Page im Verlauf der Veranstaltung auf: Es gebe sicher einfachere Methoden, Spam ins Internet zu bringen, als ein Buch zu binden und es an Google zu senden, witzelt Page.
150 Mitarbeiter für Europa
Im Anschluß lassen sich Page und Brin noch einige Zukunftsprojekte entlocken. Vom neuen Hauptquartier in Dublin aus sollen die Europa-Geschäfte vorangetrieben werden. Dort sollen zunächst 150 Mitarbeiter den vielschichtigen europäischen Markt bearbeiten. Ein wichtiges Projekt in Europa sei Google Local, eine örtliche Suche. "Sind wir noch nicht in Europa? Nein - aber wir arbeiten definitiv daran", sagt Brin im Gespräch mit dieser Zeitung. Zuerst soll die Lokalsuche, die eine Konkurrenz zu den Gelben Seiten darstellt, wohl in Großbritannien gestartet werden.
Den E-Mail-Dienst G-Mail hält Brin aber noch nicht für ausgereift, um in aller Welt eingeführt zu werden. "Einige Funktionen fehlen noch", sagt er. Auch die Produktsuchmaschine Froogle sei noch nicht marktreif: "Wir haben noch viel Arbeit zu erledigen, bevor Froogle fertig ist", sagte Page dieser Zeitung. Eine europäische Version sei in diesem Jahr nicht mehr zu erwarten.
Den Gerüchten, Google entwickele einen Internet-Browser in Konkurrenz zu Microsoft, erteilt Brin eine Absage: "Wir entwickeln keinen Browser. Wir erweitern höchstens andere Browser mit unserer Google-Toolbar", sagte Brin. Wohin die Reise geht, zeigt Google in Amerika: Dort können Google-Nutzer per Handy lokale Suchanfragen lossenden und erhalten die Antwort auch per SMS.
Text: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.10.2004, Nr. 236 / Seite 18
Bildmaterial: dpa/dpaweb, F.A.Z.
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