Internet

Wenn Müller nicht mehr Mueller heißt

Von Cornelia Pretzer

13. Oktober 2003 Zum Ende dieses Jahres wird es möglich sein, Domainnamen im Internet auch mit Umlauten einzugeben. Wer dann das örtliche Telefonbuch mit ö oder Familiennamen mit den richtigen ös, äs oder üs eingeben will, bekommt keine „Seite nicht gefunden“-Meldung mehr, sondern kann ganz intuitiv die Namen eingeben und landet auf der richtigen Seite. Meistens. Denn die Umstellung auf die neuen Domainnamen namens IDN (Internationalized Domain Names), funktioniert nicht auf Anhieb für alle.

Ein Indiz dafür, ob die Adresse auch mit Umlauten funktioniert, ist die Domain-Endung. Denn erst nach und nach führen die Vergabestellen den neuen Standard ein. Die ersten, die Umlaute möglich machen, ist die Vergabestelle Verisign für .com, die am 25. Oktober beginnen will, die Domains zu vergeben. Nachfolgen wird Afilias für .info und die Denic für .de am Ende des Jahres. Kurz darauf werden wohl die Domains .at, .ch und .li für Österreich und die Schweiz folgen.

Übersetzung von Umlauten in Ascii-Code

Damit, daß die Registries, wie sich die Vergabestellen nennen, Domainnamen mit Umlauten zulassen, ist es aber nicht getan. Die Computerprogramme müssen die neuen Domainnamen erkennen. Damit die alten Strukturen, die mit so genannten Ascii-Zeichen funktionieren, erhalten bleiben können, müssen die ungefähr 65.000 Unicode-Zeichen, die als Umlaute und natürlich Zeichen nicht lateinischer Sprachen wie beispielsweise chinesische, japanische und kyrillische Schriftzeichen nutzbar sind, übersetzt werden. Dazu hat eine unabhängige Arbeitsgruppe die die Icann, das Gremium zur Verwaltung der Internet-Adressen, eingesetzt hat, eine Regel formuliert, die Umlaut-Domainnamen in Ascii-Zeichen übersetzt. Nach dieser Übersetzung liest sich www.müller.de als www.xn--mller-kva.de Das xn-- weist auf die vorhandenen Umlaute hin und ist eine willkürlich ausgesuchte Kombination, die die Icann mithilfe eines Algorithmus aus den Börsenkursen einer Zeitung errechnete und erst nach der Bekanntgabe des Standards ermittelte, damit nicht schon im Vorhinein Domains belegt werden konnten. Aller Ascii-Text in der Adresse bleibt, wie er ist, und das Kürzel nach dem Minus gibt an, welcher Umlaut an welcher Stelle steht. Besonders leicht sind natürlich Umlaute umzusetzen, die auf den lokalen Tastaturen, wie ä, ö, und ü auf den deutschen, Extra-Tasten haben. Leider funktioniert das für das ß trotz allem nicht, weil dieses Zeichen in der Unicode-Tabelle nicht enthalten ist.

An welcher Stelle nun der neue Domainname von den Computern des Internet übersetzt wird, hängt von der benutzten Software ab. Neue Browser wie die jüngsten Versionen von Opera und Netscape werden den Namen intern übersetzen, so daß das Netz mit der Umschreibung direkt auf den richtigen Servern und Adressen landet. Wenn auf diese Weise Mails verschickt werden, übersetzte dann das umlautfähige Programm des Empfängers den Domainnamen wieder in ein lesbares Ganzes. Bis jedoch die umlautfähigen Programme so weit verbreitet sind, daß das funktioniert, dauert es noch. Und Hersteller wie Microsoft sträuben sich auch noch, Umlaute zu implementieren - für den Internet Explorer ist zunächst keine neue Version sondern nur ein Plug-In vorgesehen.

Probleme mit Mails und älteren Programmen

Doch auch für Benutzer alter Software gibt es die Möglichkeit, Domainnamen mit Umlauten im Netz zu finden. „Wir haben uns für eine Lösung entschieden, bei der der Server die Domain findet, auch wenn das Programm sie nicht übersetzt hat“, sagt Philipp Grabensee von Afilias. Das wiederum funktioniert aber nur, wenn der Nutzer das Betriebssystem Windows hat, denn dann leitet der Browser den Datenmüll, der bei der Eingabe einer Umlaut-Internetadresse entsteht, weiter. Die Server von Afilias sortieren jetzt solchen Datenmüll, der auf .info endet, ob es sich um eine Umlauteingabe handeln könnte. Dann wird die Anfrage weitergeleitet, und der Nutzer kommt auf seine Adresse, falls es sie gibt. Denn natürlich ist eine weiter Voraussetzung dafür, daß eine Domainadresse gefunden wird, daß jemand sie angemeldet hat.

Eric Schätzlein, Vorstand bei Schlund+Partner, einem großen deutschen Hoster von Websites, weist jedoch noch auf weitere Probleme hin. Alles, was für den Besuch von Internet-Domains via Browser relativ einfach ist, funktioniert bei Mails viel schlechter. Denn hierfür sind kompatible Programme unabdingbar, und Mails, die mit der xn---Adresse ankommen, sind zudem nicht sehr schmuck, auch wenn sie wenigstens funktionieren. „Wenn Sie heute eine Domain mit Umlauten registrieren hat das Pionier-Charakter, aber besser jetzt als später, sonst hat jemand anderes den Namen für sich reserviert,“ sagt Schätzlein.

Umsetzung dauert noch einige Zeit

Dabei sind die technischen Probleme bei den deutschen Umlauten noch relativ gering. Bis der gesamte koreanische oder persische Zeichensatz für Domainnamen zur Verfügung steht, wird noch einige Zeit mehr ins Land gehen. Afilias beispielsweise beginnt mit der Einführung der neuen Domainnamen im deutschsprachigen Raum, alles weitere wie beispielsweise französische Accents sind laut Grabensee zwar geplant aber noch völlig ohne Datumsangaben. „Die Umstellung auf IDN ist ein ähnlich großer Schritt wie von den IP-Adressen bei denen nur Zahlenkolonnen den angewählten Rechner charakterisieren zu den Domain-Namen überhaupt. Das Internet geht von der Globalisierung zur Lokalisierung, die Menschen sollen in ihren eigenen Sprachen Domainnamen eingeben können“, sagt Schätzlein. Den letzten Schritt, Domainendungen mit Umlauten, sieht er allerdings in ganz weiter Ferne: „Aber wünschenswert wäre das natürlich besonders für Länder mit anderen Zeichensätzen.“



Text: @cop

 
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