Internet

"Ebay tut zu wenig gegen Betrug"

Hellen Omwando - Internethändler machen Fehler

Hellen Omwando - Internethändler machen Fehler

24. Januar 2005 Das Wachstum im Internethandel könnte größer sein, wenn nicht so viele Fehler gemacht würden. So häufen sich beispielsweise bei Ebay die Betrugsfälle, ohne daß das Unternehmen entschlossen genug dagegen vorginge. Forrester-Analystin Hellen Omwando im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zu Trends im E-Commerce.

Wo spielt zur Zeit die Musik im Internethandel?

Ganz klar im Bereich Kleidung. Dieser Sektor wächst besonders schnell. Das Wachstum könnte aber noch größer sein, wenn die Händler nicht so viele Fehler machten.

Welche Fehler?

Viele Händler scheitern an dem Versuch, die Erfahrung des Kaufs im normalen Geschäft auch im Internet nachzubilden. Das Breitband-Internet oder interaktive Funktionen ermöglichen ein echtes Kauferlebnis auch im Internet. Zum Beispiel lassen sich 3D-Darstellungen oder Alternativprodukte einblenden, wenn das gewünschte Kleidungsstück nicht sofort lieferbar ist. In Deutschland sehe ich nur beim Otto-Versand eine Tendenz in diese Richtung.

Ist die Frage, ob Multikanalanbieter oder reine Internethändler am Ende das Geschäft im Netz machen, inzwischen entschieden?

Ich meine ja. Sicher gibt es Nischen, in denen reine Internethändler dominieren. Amazon und seine Vormachtstellung bei Büchern und DVDs ist ein Beispiel. Auch in der Unterhaltungselektronik haben die etablierten Unternehmen einen schlechten Job gemacht und das Feld den Internethändlern überlassen. Generell werden aber traditionelle Händler mit eingeführter Marke und funktionierender Infrastruktur am Ende die Nase vorn haben. Sie haben gemerkt, daß ihr traditionelles Geschäft nicht mehr wächst, während das Internetgeschäft weiterhin starke Zuwächse zeigt. Allerdings müssen die traditionellen Händler ihre Vertriebskanäle besser miteinander vernetzen.

Wer hat Nachholbedarf?

Zum Beispiel Karstadt-Quelle. Die verschiedenen Sparten sind nicht gut aufeinander abgestimmt. Gut informierten Kunden kann man nicht zwei verschiedene Preise für ein Produkt verständlich machen.

Trauen Sie Ebay ein weiterhin so stürmisches Wachstum zu?

Ebay hat ein Problem: Die Betrugsfälle häufen sich, vor allem in Deutschland. Und Ebay tut zuwenig dagegen. Wenn Ebay dieses Problem nicht stärker bekämpft, werden das Vertrauen der Nutzer und damit das Wachstum bald zurückgehen. Notwendig ist zum Beispiel ein neues Zahlsystem für Verkäufer. PayPal reicht nicht aus.

In der Anfangsphase des elektronischen Handels wurde oft eine Kannibalisierung der bestehenden Vertriebskanäle befürchtet. Waren die Ängste berechtigt?

Zum Teil ja. Bei Veranstaltungstickets und in der Reisebranche ist es tatsächlich zu einer Kannibalisierung bestehender Vertriebskanäle gekommen. In der Reisebranche hat das Internet eine große Konsolidierung ausgelöst.

Ein schnell wachsendes Segment ist der Musik-Download. Machen die Händler nach langer Anlaufphase heute alles richtig?

Nein, denn kein Anbieter verdient mit dem Verkauf der Musikstücke im Internet zur Zeit Geld. Auch Pionier Apple nicht. Für Apple lohnt sich das Geschäft aber trotzdem, weil sie damit den Verkauf ihres digitalen Musikspielers iPod und ihrer Computer ankurbeln. Das ist auch die richtige Strategie für die anderen Anbieter im Markt: Sie müssen Bündelprodukte bilden, um Geld zu verdienen.

Die Fragen stellte Holger Schmidt.



Text: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.01.2005, Nr. 19 / Seite 19
Bildmaterial: Privat

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