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T-Online prüft Übernahme der Scout24-Gruppe

T-Online hat die Kassen gut gefüllt

T-Online hat die Kassen gut gefüllt

21. August 2003 Der Internet-Zugangsdienst T-Online prüft nach Angaben aus Branchenkreisen den Kauf der Scout24-Gruppe, die Internet-Marktplätze wie Autoscout, Jobscout und Immobilienscout betreibt. T-Online schaue sich die Gruppe zur Zeit an, habe aber noch keine Entscheidung getroffen, hieß es.

Interessant sei für die Telekom-Tochtergesellschaft vor allem das Filetstück, der Gebrauchtwagen-Marktplatz Autoscout24, der gemeinsam mit dem Konkurrenten Mobile.de den Markt für Auto-Kleinanzeigen im Internet beherrscht. Die Scout24-Gruppe gehört mehrheitlich der Beisheim Holding Schweiz, die als Finanzinvestor an mehr als 70 Unternehmen beteiligt ist. Die beteiligten Unternehmen wollten sich zu dem Thema nicht äußern.

Autoscout24 paßt gut in das Portfolio von T-Online, denn der erste eigene Versuch der Darmstädter, im Autohandel Fuß zu fassen, ging schief. Das Portal Auto.T-Online.de, das T-Online gemeinsam mit der Motor Presse Stuttgart aufgebaut hatte, wird zum Monatsende eingestellt, weil die wirtschaftlichen Ziele nicht erfüllt wurden. Für T-Online ist das Scheitern aber kein Grund, sich aus dem Geschäft mit den Autos im Internet zurückzuziehen. "Das Thema Autobörse ist für T-Online sicher nicht vom Tisch", sagte ein Sprecher damals gegenüber dieser Zeitung.

Mehr als die Hälfte aller Autokäufe laufen per Internet

T-Online lotet zur Zeit neue Möglichkeiten im elektronischen Handel aus. Gesucht werden unbesetzte Geschäftsfelder oder attraktive Übernahmekandidaten mit eingeführter Marke. Als besonders lukrativ gilt der Handel mit Gebrauchtwagen. "Mehr als zwei Drittel aller Gebrauchtwagen in Deutschland werden im Netz angeboten. Und mehr als die Hälfte aller Autokäufe wird inzwischen im Internet angebahnt", sagt der Autofachmann Ferdinand Dudenhöffer. Fast alle Autohändler nutzen die Börsen als zusätzlichen Vertriebskanal.

Autoscout24 bietet derzeit 782.000 Fahrzeuge an und hat im vergangenen Jahr einen Umsatz von etwa 26 Millionen Euro erzielt. Das Unternehmen arbeitet profitabel. 1,6 Millionen Internet-Nutzer besuchten die Website im Juli, hat das Marktforschungsunternehmen Nielsen-Netratings gemessen. Allerdings wächst der Abstand zum Marktführer Mobile.de, der inzwischen 840 000 Fahrzeuge im Bestand hat und im Juli 2,7 Millionen Besucher auf seiner Internet-Seite verzeichnete.

Neben Autoscout24 betreibt die Scout-Gruppe auch Marktplätze für offene Stellen, Immobilien, Finanzen, Gesundheit und Reisen. Allerdings sind nicht alle Marktplätze erfolgreich: Neben dem Automarktplatz hat sich bisher nur das Internet-Angebot für Immobilien etabliert. Nach Angaben von Nielsen-Netratings besuchten 872.000 Menschen die Internet-Seite Immobilienscout24 im vergangenen Monat, rund doppelt so viele wie das Angebot des nächsten Verfolgers Planethome, der von der Hypo-Vereinsbank betrieben wird. Großen Nachholbedarf haben dagegen die anderen Angebote wie Jobscout24 oder Gesundheitsscout24, die sich in ihrer jeweiligen Branche bisher nicht in der Spitzengruppe etablieren konnten.

Gerüchte um Springer-Einstieg

Die Gerüchte, der Axel Springer Verlag habe ebenfalls Interesse an der Scout-Gruppe, scheinen nicht zu stimmen. Springer hat mit dem Ring Deutscher Makler die Immobilienbörse Immonet gegründet und ist mit der Marke Autobild auch im Gebrauchtwagenmarkt unterwegs. Die offene Flanke, das Geschäft mit den Stellenanzeigen im Internet, könnte ein Einstieg in die Scout-Gruppe aber wohl nicht schließen.

Text: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.08.2003, Nr. 193 / Seite 14 , ht
Bildmaterial: T-online

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