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Neue Strategie bei AOL: Internetdienste künftig kostenlos

03. August 2006 AOL wird seinen Breitbandkunden keine Gebühren mehr für E-Mail- und andere Internetdienste berechnen. Mit dem Strategiewechsel will die Time-Warner-Tochter mehr Besucher auf ihre Seiten locken und mit Werbung Geld verdienen. Zugleich zeigte sich das Unternehmen zuversichtlich, sein Internetzugangsgeschäft in Europa bis zum Herbst verkaufen zu können.

Für Deutschland sind dabei verhandlungsnahen Kreisen zufolge noch fünf Interessenten im Rennen, darunter die Internetanbieter United Internet und Freenet. Time Warner-Aktien schlossen am Mittwoch rund 2,6 Prozent im Plus bei 16,67 Dollar. Bereits im abgelaufenen Quartal steigerte AOL seine Werbeeinnahmen um 40 Prozent, verlor aber gleichzeitig eine Million Abonnenten. Damit trug AOL dazu bei, daß Time Warner in die Gewinnzone zurückkehren konnte: Der weltgrößte Medienkonzern verdiente netto eine Milliarde Dollar, nachdem er im Vorjahr noch über 400 Millionen Dollar Verlust verbucht hatte.

„Der logische Schritt“

AOL will mit seinem Gratisangebot nach eigenen Angaben vor allem Nutzer ansprechen, die über andere Anbieter ins Internet gehen wollen, aber ihre E-Mail-Adresse bei AOL behalten wollen. „Das ist für AOL der logische nächste Schritt, um von dem explosiven Anstieg von Breitbanddiensten und Internetwerbung zu profitieren“, sagte der für das Tagesgeschäft zuständige Vorstand und Time-Warner-Präsident Jeff Bewkes. AOL hatte viele seiner Kunden an Konkurrenten wie Google und Yahoo verloren, die diese Dienste schon lange kostenfrei anbieten.

AOL trägt entscheidend zum Schicksal des ganzen Konzerns bei: Time Warner-Aktien rutschten wegen der Probleme bei AOL zuletzt auf den tiefsten Stand seit zwei Jahren. AOL hat in den Vereinigten Staaten noch 17,7 Millionen Abonnenten, hat jedoch auch die E-Mail-Adressen früherer Kunden behalten, denen nun die kostenlosen Dienste angeboten werden sollen.

Verkauf von Internetzugangsgeschäft

Die Änderungen bei AOL werden die Time Warner-Geschäftsprognosen für das Gesamtjahr 2006 nicht deutlich beeinträchtigen, erklärte Time Warner. In Medienberichten war zuvor von hohen Sonderkosten die Rede gewesen. Bis Ende 2007 will Time Warner bei AOL die Kosten sogar um eine Milliarde Dollar drücken. Der Umsatz im Konzern kletterte um ein Prozent auf 10,7 Milliarden Dollar. Beim Gewinn übertraf das Unternehmen die Erwartungen von Branchenexperten leicht, verfehlte sie jedoch beim Umsatz. Die Einnahmen von AOL sanken um zwei Prozent auf zwei Milliarden Dollar, da die Einkünfte aus Abonnentenbeiträgen um elf Prozent zurückgingen. Wertpapier-Verwalter Larry Haverty von Gamco Investors zeigte sich von den Geschäftszahlen von AOL begeistert. „Sie haben ihren Marktanteil bei der Internetwerbung gesteigert“, sagte er und verwies auf das Branchenwachstum von lediglich 30 bis 35 Prozent. Bei den Kabeldiensten für Video-,Telefon- und Internet-Angebote stiegen die Einnahmen um 15 Prozent.

AOL-Chef Jonathan Miller sagte, er rechne bis zum Herbst mit einem Verkauf des Internetgeschäfts in Europa. „Das Verkaufsverfahren, das unser Geschäft in Großbritannien, Deutschland und Frankreich getrennt erfaßt, macht Fortschritte.“ Für das Internetzugangsgeschäft von AOL Deutschland seien neben United Internet und Freenet die Telekommunikationskonzerne Telecom Italia, KPN und Versatel für die nächste Bieterrunde ausgewählt worden, sagte eine mit dem Verkaufsprozeß vertraute Person. „Mitte August werden die Gebote in der zweiten Runde erwartet.“ Für das britische AOL-Zugangsgeschäft böten BSkyB, Orange und Carphone Warehouse, hieß es. In exklusiven Gesprächen für das französische Zugangsgeschäft von AOL ist Neuf Cegetel. Das Unternehmen biete rund 300 Millionen Euro.



Text: FAZ.NET mit Material von Reuters
Bildmaterial: picture-alliance / dpa/dpaweb

 
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