21. Juli 2006 Die Top-Manager von Google hatten offensichtlich Spaß an dieser Telefonkonferenz. Es ist ein guter Tag für Google, sagte Vorstandschef Eric Schmidt, nachdem das Unternehmen gerade mit seinem Quartalsbericht seine Wettbewerber gedemütigt hatte. Und Finanzvorstand George Reyes sagte genüßlich, das ungebrochene Wachstum habe vor allem mit einer weiteren Verfeinerung der Technologie zur Plazierung von Anzeigen neben Suchergebnissen zu tun. Das war ein klarer Seitenhieb auf Yahoo.
Denn genau hier hatte der Wettbewerber bei der Vorlage seines Quartalsberichts in dieser Woche für eine große Enttäuschung gesorgt. Denn ein neues Werbesystem, an dem Yahoo schon lange arbeitet, wird sich noch einmal verzögern. Diese Ankündigung und ein wenig begeisternder Quartalsbericht ließen die Aktie von Yahoo an einem Tag um 22 Prozent einbrechen. Google blieb nach der Vorlage seiner Zahlen ein ähnliches Schicksal erspart: Die Aktie notierte am Freitag leicht im Plus.
30 bis 40 Prozent mehr Umsatz als Yahoo
Die Technologie zur Plazierung von Anzeigen ist entscheidend für das Geschäft von Google und anderen Suchmaschinen. Google macht fast seinen gesamten Umsatz mit Textanzeigen, die neben den Ergebnissen von Suchvorgängen stehen. Wenn der Nutzer also zum Beispiel Wörter wie Kamera oder Auto eingibt, werden dazu passende Anzeigen von entsprechenden Anbietern gestellt. In die Kasse von Google fließt aber immer nur dann Geld, wenn der Internetnutzer tatsächlich auf eine Anzeige klickt. Ziel von Google muß es also sein, Anzeigen auszuwählen, die so attraktiv sind, daß der Nutzer sie anklickt.
Nach einhelliger Auffassung von Analysten ist kein Programm zur Plazierung von Anzeigen so gut wie das von Google. Es gibt Branchenschätzungen, wonach Google 30 bis 40 Prozent mehr Umsatz mit jedem Suchvorgang macht als Yahoo. Offizielle Zahlen dafür gibt es nicht. Google und Yahoo stellen ihre Werbeplattform auch anderen Internetseiten zur Verfügung. Ein wichtiger Partner von Google ist zum Beispiel AOL, die Internet-Tochtergesellschaft des Medienkonzerns Time Warner.
Der Nettogewinn von Google hat sich verdoppelt
Google und AOL teilen sich die Umsätze aus den Suchanzeigen auf. Yahoo hat neben den Suchanzeigen noch eine weitere wichtige Umsatzquelle. Als Internetportal hat Yahoo auf seinen Seiten auch gewöhnliche Anzeigen stehen. Yahoo verschweigt allerdings, wie groß die Anteile dieser beiden Umsatzträger sind. Das Geschäft mit Suchanzeigen gilt jedoch insgesamt als wachstumsträchtiger.
Die Quartalsberichte haben nun deutlich gemacht, daß Google im Moment in einer anderen Liga spielt. Wie in einem Teil unserer gestrigen Auflage berichtet, hat Google seinen Umsatz im zweiten Quartal gegenüber dem Vorjahr um 77 Prozent auf 2,46 Milliarden Dollar nach oben geschraubt. Yahoo hatte zuvor ein Umsatzplus von 26 Prozent auf 1,58 Milliarden Dollar gemeldet. Der Nettogewinn von Google hat sich von 343 Millionen auf 721 Millionen Dollar mehr als verdoppelt. Yahoo schaffte einen Gewinn von 164 Millionen Dollar, was deutlich weniger als im Vorjahr war, als das Unternehmen von Sondererträgen profitierte.
MSN hat grobe Umsatzverluste
Noch schwächer als Yahoo schnitt der Internetdienst MSN des Softwarekonzerns Microsoft ab. Der Umsatz von MSN schrumpfte gar um 3 Prozent auf 580 Millionen Dollar, und die Sparte wies einen Verlust von 190 Millionen Dollar aus, nach einem Gewinn von 101 Millionen Dollar im Vorjahr. Wie schon in den vorangegangenen Quartalen hat Google auch diesmal seine Belegschaft rasant ausgebaut: Die Zahl der Mitarbeiter lag Ende Juni bei 7.942, vor drei Monaten waren es noch 6.790.
Die Dominanz von Google zeigt sich auch an den Marktanteilen bei Internetsuchen: In Amerika hatte Google im Juni einen Anteil von 44,7 Prozent an allen Suchvorgängen, meldete in dieser Woche das Marktforschungsinstitut Comscore. Das waren zwei Prozentpunkte mehr als noch im März. Yahoo baute seinen Anteil in diesem Zeitraum nur um 0,5 Punkte auf 28,5 Prozent aus. MSN mußte einen weiteren Rückgang von 13,2 auf 12,8 Prozent hinnehmen.
Hauptumsatzquelle von Google sind Suchanzeigen
Die beherrschende Stellung bei Suchanzeigen verschafft Google im Moment einen Höhenflug. Allerdings gibt es auch skeptische Stimmen, die darauf hinweisen, daß Google sich weitgehend auf eine Umsatzquelle verläßt und für das künftige Wachstum neue Geschäftsfelder erschließen muß. Daneben hat Google mit neuen Produkten nicht immer Erfolg: Das Unternehmen bringt zwar ein neues Programm nach dem anderen auf den Markt und erntet damit fast jedes Mal große Öffentlichkeitswirkung. Viele dieser Dienste, wie ein Programm für Echtzeitnachrichten (Instant Messaging) oder ein Finanzdienst, haben aber nur mäßigen Erfolg.
Text: lid. / F.A.Z., 22.07.2006, Nr. 168 / Seite 15
Bildmaterial: AP
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