Von Carsten Knop
25. Januar 2008 Angesichts der Diskussion um die Schließung des Handy-Werks von Nokia in Bochum hat der amerikanische Chiphersteller Advanced Micro Devices (AMD) ein klares Zukunftsbekenntnis für seine Fabriken in Dresden abgegeben. Wir werden Dresden auf Jahre hinaus treu bleiben. Die Ergebnisse, die die Mitarbeiter in Dresden abliefern, übertreffen unsere ehrgeizigsten Ziele deutlich, sagte Thomas McCoy, der für Rechts- und Verwaltungsfragen zuständige Chief Administration Officer von AMD, der F.A.Z. am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos.
Die Kostenstruktur in Dresden ist im höchsten Maße mit Werken in Asien wettbewerbsfähig. Ein Rückzug aus Dresden wäre vollkommen falsch. Im Rahmen solcher Standortentscheidungen gehe es auch längst nicht nur um Subventionen. Es geht um die Frage, wie man sich taktisch im Wettbewerbsumfeld aufstellt, welche Werke strategisch wichtig sind.
McCoy läßt kein gutes Haar an Intel
Im Unterschied zum Fertigungsstandort Dresden lässt McCoy allerdings kein gutes Haar am einzigen wichtigen Wettbewerber Intel. Die Hoffnungen, die sein Unternehmen mit den Untersuchungen der Europäischen Kommission und des Bundesstaates New York im Zusammenhang mit einem möglichen wettbewerbsschädlichen Verhalten von Intel verknüpft, sind groß: Wir wollen, dass Intel solche Handlungen verboten werden. Und wir gehen davon aus, dass Intel mit einer Strafzahlung belegt wird, sagt McCoy. Nach den bisherigen Erfahrungen mit vergleichbaren Fällen sei damit zu rechnen, dass die Europäische Kommission im Sommer zu einer Anhörung bitte und bis zum Jahresende zu einer Entscheidung komme.
In New York und Brüssel sollen Vorwürfe geklärt werden, Intel bestrafe seine Kunden dafür, wenn diese auch Mikroprozessoren von Wettbewerbern kauften. Weitere Vorwürfe drehen sich um Zahlungen an Kunden für den exklusiven Einsatz von Intel-Chips und das Ausschließen von Mitbewerbern aus Vertriebskanälen mit illegalen Mitteln. Durch sein Verhalten schließt Intel aber nicht nur Wettbewerb aus, es werden auch Innovationen behindert, sagt McCoy. Computer hätten noch längst nicht das mögliche Niveau an Benutzerfreundlichkeit, das man ohne die monopolartige Stellung von Intel hätte erreichen können.
Man kann davon ausgehen, dass Intel jeglichen Missbrauch bestreitet
Intel hatte Anfang Januar auf die von der EU-Wettbewerbskommission erhobenen Vorwürfe geantwortet. Die Einzelheiten der Stellungnahme wurden noch nicht bekanntgegeben. Man kann aber davon ausgehen, dass Intel jeglichen Missbrauch bestreitet und angibt, sich im Rahmen der Gesetze verhalten zu haben, sagt McCoy. Ein klares Dementi zu den Intel vorgeworfenen Verhaltensweisen habe das Unternehmen noch nie abgegeben. Intel betont allerdings stets, es handle sich bei den untersuchten Vorwürfen nicht um Klagen von Kunden. Die Beweise, dass es auf dem Markt für Mikroprozessoren erheblichen Wettbewerb gebe, seien eindeutig.
Sollte die Kommission die Vorwürfe für begründet halten, kann sie Bußgelder bis zu 10 Prozent des Jahresumsatzes verhängen. Scheu vor großen Namen hat die Kommission dabei nicht, was in der Technologiebranche zuletzt der Softwarekonzern Microsoft erfahren musste.
Optimismus in Bezug auf Billig-Laptop-Projekt
Zur Zukunft des Billig-Laptops XO für Kinder in Entwicklungs- und Schwellenländern der Initiative One Laptop per Child des MIT-Professors Nicholas Negroponte ist McCoy optimistisch. Der Rückzug von Intel aus dem Projekt ist zwar ein schwerer Schlag, aber das Gerät ist gut.
Auch in diesem Zusammenhang kritisiert McCoy Intel scharf. Der Konzern habe mit seinem eigenen Classmate-Billiglaptop nicht nur Konkurrenz zum XO konstruiert, sondern mache damit auch anderen Computerherstellern Konkurrenz, die ja eigentlich Intels Kunden seien. Zudem sei das Konzept des Classmate bei weitem nicht so innovativ wie das des Geräts von Negroponte - dessen Herzstück nun auch künftig allein ein Chip von AMD sein wird.
Text: F.A.Z., 25.01.2008, Nr. 21 / Seite 18
Bildmaterial: ddp
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