Online-Kleinanzeigen

"Die Nummer 3 oder 4 im Markt hat keinen Spaß"

Jacob Aqraou von Ebay erwartet eine Bereinigung im Kleinanzeigenmarkt

Jacob Aqraou von Ebay erwartet eine Bereinigung im Kleinanzeigenmarkt

24. März 2009 Kleinanzeigen sind ein Wachstumsfeld für Ebay. Jacob Aqraou, Chef der Kleinanzeigensparte des Internet-Marktplatzes, sieht Potential auch in der Krise. Sobald die Preise sinken, kann er sich auch Akquisitionen vorstellen, sagte Aqraou im Interview.

Herr Aqraou, Kleinzeigen im Internet sind hart umkämpft. Wie lukrativ ist das Geschäft?

Ebay hat im vergangenen Jahr mit 800 Menschen in der Sparte Kleinanzeigen 270 Millionen Dollar Umsatz erzielt. Das Geschäft wächst sehr schnell. In den vergangenen beiden Jahren waren wir der am schnellsten wachsende Teil von Ebay. Mit 100 Millionen Nutzern jeden Monat sehen wir uns als Weltmarktführer im Kleinanzeigengeschäft.

Marktforscher sagen aber gerade dem Online-Kleinanzeigengeschäft für 2009 einen Rückgang voraus. Schrumpft Ihr Geschäft in diesem Jahr?

Da muss man unterscheiden. Zum Beispiel steht die Stellenbörse Monster unter enormem Druck. Das gesamte Geschäft mit Online-Stellenanzeigen ist in den vergangenen 12 Monaten zwischen 40 und 60 Prozent gefallen. Dieses Geschäft macht einen großen Teil des Marktes aus.Wenn man sich unsere Umsatzquellen anschaut, kommt ein Drittel aus Online-Werbung, zwei Drittel aus Einstellgebühren, zum Beispiel für Zusatzfunktionen oder von professionellen Anbietern. Anzeigen für Jobs und Häuser gehen in einer Krise zurück; über alle Kategorien hinweg kann ich aber keinen schrumpfenden Markt sehen.

Wie sieht die Lage in Deutschland aus?

Alle Umsatzströme auf Mobile.de wachsen im ersten Quartal weiter mit zweistelligen Raten. Die Online-Werbung wächst sogar weit schneller als die 10 Prozent, die im Konzern veranschlagt worden sind. Mobile.de profitiert natürlich von der Abwrackprämie in Deutschland. Im vergangenen Monat haben 20 der 30 großen Hersteller auf unserer Plattform für ihre Autos geworben. Auch die Händler werben so stark wie nie zuvor.

Aber das ist doch nur eine Sonderkonjunktur wegen der Abwrackprämie. Was geschieht danach?

Wir beobachten zurzeit eine starke Verlagerung der Werbemittel ins Internet. Diese Verlagerung wird auch weitergehen, wenn die Abwrackprämie vorbei ist. In der Krise konzentrieren sich die Anzeigenkunden auf die Marktführer, weil sie keine Experimente eingehen wollen. Das merken wir positiv in Ländern wie Deutschland, wo wir mit Mobile Marktführer sind, aber auch negativ in den Ländern, in denen unsere Seiten nur auf Rang 4 oder 5 im Markt stehen. Es macht keinen Spaß, Nummer 3, 4 oder 5 im Markt zu sein.

Wie groß ist der Umsatz von Mobile.de?

Wir können nur die Zahl für das Jahr 2007 nennen. Das waren 65 Millionen Euro Umsatz und 20 Millionen Euro Gewinn. Seitdem sind Umsatz und Gewinn weiter zweistellig gewachsen. Deutschland ist das zweitgrößte Land in unserem Portfolio.

Wie wird sich das Online-Kleinanzeigengeschäft verändern? In der Rezession steigt der Druck zur Veränderung.

Der Markt ist sehr breit. Teile wie Stellen- und Immobilienmärkte leiden sehr unter der Krise. Andere Teile boomen, zum Beispiel Gebrauchtwaren. Diese Wachstumsraten haben wir lange nicht gesehen. Die Leute verkaufen auch häufiger Kleidung oder Elektroartikel. Am Ende wird die Rezession zu einer Konzentration auf immer weniger Anbieter führen. Die Ökonomie spricht ganz klar nur für die Nummer 1 und 2 im Markt. Zudem müssen sich die Unternehmen verschiedene Umsatzquellen erschließen. Mit Werbung allein funktioniert es nicht. Das sehen wir bei Kijiji. Das Modell basiert vollständig auf Werbung; entsprechend hart wird Kijiji zurzeit getroffen.

Viele klassische Medienhäuser verstärken zurzeit ihr Engagement im Online-Kleinanzeigengeschäft. Wird der Wettbewerb schärfer?

Definitiv. Viele Medienhäuser, deren Print-Anzeigenerlöse stetig sinken, engagieren sich in den Online-Märkten. Viele dieser Unternehmen haben die erste Einstiegsmöglichkeit im Jahr 2002 aber verpasst. Damals war es billig, Unternehmen aufzukaufen und damit in den Markt einzutreten. Jetzt nutzen viele die aktuelle Krise als zweite Einstiegsmöglichkeit. Die meisten Medienhäuser müssen aber andere Unternehmen kaufen, weil sie den Aufbau allein nicht mehr schaffen.

Gehören zu Ihrer Wachstumsstrategie auch Akquisitionen?

Wir wollen primär aus eigener Kraft wachsen, aber bei passenden Übernahmeobjekten und attraktiven Preisen schlagen wir zu.

Die Preise für Unternehmen sind aber doch schon gefallen?

Ja, aber die Preise für die attraktiven Unternehmen im Kleinanzeigenmarkt haben sich noch nicht an das gefallene Preisniveau angepasst. Deshalb sieht man auch noch nicht so viele Übernahmen. Aber das kann ja noch kommen. Wir sind optimistisch für Akquisitionen.

Wie will Ebay organisch wachsen?

Wir sind schon in 13 Schlüsselmärkten tätig. Aber Wachstumspotential ist vorhanden. Zum Beispiel haben wir eine gute Position im Online-Stellenmarkt in den Vereinigten Staaten, aber das können wir noch in andere Länder übertragen.

Auch nach Deutschland?

Warum nicht? Auf jeden Fall wollen wir mehr aus der Job-Kategorie auf Kijiji herausholen. Aber der Zeitpunkt ist wichtig. Den Einstieg in den Online-Stellenmarkt wagen wir erst, wenn die Rezession vorbei ist und Markt wieder anzieht.

Das Gespräch führte Holger Schmidt



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Ebay

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