Internet

"Viele Fernsehsender wollen sich Online-Communities kaufen"

Klaus Hommels

Klaus Hommels

03. Juli 2006 Klaus Hommels hat das richtige Händchen bewiesen: Er war beim Internet-Telefoniedienst Skype investiert und besitzt einen Anteil an der Businessgemeinschaft OpenBC. Dafür haben ihn die Forschungs- und Bildungseinrichtungen Iese, Insead und die Universität St. Gallen zum "Unternehmerischen Privatinvestor 2006" gewählt. "Die Beteiligungen von Klaus Hommels gehören klar zu den besten Companies, die man in den letzten Jahren in Europa finanzieren konnte", heißt es in der Laudatio auf Hommels, der seit einem Monat für Benchmark Capital auf der Suche nach Investitionsobjekten im Web 2.0 ist.

Herr Hommels, welche jungen Internetunternehmen sind für Risikokapitalgeber heute interessant?

Ich investiere nur in Software und Plattformgeschäfte, die den Massenmarkt im Visier haben. Ein gutes Beispiel ist Stardoll, eine Community für Mädchen zwischen 9 und 15 Jahren. Die Gemeinschaft hat ganz ohne Marketing 1,2 Millionen Nutzerinnen angezogen und startet in wenigen Wochen in Deutschland.

Im Web 2.0 gibt es zwar viele neue Ideen, aber taugen die Geschäftsmodelle dahinter auch etwas?

Wer auf Online-Werbung setzt, hat heute gute Chancen. Wir erleben zur Zeit eine enorme Verschiebung der Werbeausgaben ins Internet, da sich die Zielgruppen in den Communities sehr genau ansprechen lassen. Zum Beispiel gibt es eine Community, die 20000 Fotos von Converse-Turnschuhen ins Netz gestellt hat. Was liegt näher für das Unternehmen, als seine Werbung in diesem Umfeld zu plazieren.

Online-Communities sind der große Renner zur Zeit. Viele Unternehmen kopieren daher ausländische Vorbilder wie Myspace. Macht das noch Sinn, oder ist der Markt schon vergeben?

Kopieren bringt nichts, da das Momentum des Pioniers fehlt. Aber der Geschmack der Menschen kann sich schnell ändern. Zum Beispiel war Frienster in Amerika schon sehr groß, als Myspace kam, Musik integrierte und Friendster überholte. Inzwischen hat die Gemeinschaft Bebo schon wieder Myspace in einigen Ländern den Rang abgelaufen. Trotzdem kristallisieren sich einige Marktführer heraus: Stardoll, Myspace, Bebo, Facebook, OpenBC und Linkin haben im Moment die besten Karten.

Und was ist mit den Video-Communities?

Youtube, Metacafe oder Myvideo in Deutschland sorgen inzwischen für Aufregung bei den Fernsehsendern, weil sie so beliebt sind. Was früher die Musikbranche durchgemacht hat, kommt jetzt auf die Fernsehsender zu. Vor allem die Jugendlichen lassen sich nicht mehr im Fernsehen erreichen. Es ist einfach spannender, interaktiv im Internet unterwegs zu sein. Viele Sender überlegen, ob sie sich Communities kaufen sollen, wie es Murdoch mit Myspace getan hat.

Warum funktionieren heute die Geschäftsmodelle, die im Jahr 2000 gescheitert sind?

Viele Modelle waren damals auf einen Massenmarkt ausgerichtet, den es nicht gab. Heute gibt es ihn.

Die Fragen stellte Holger Schmidt.

Text: F.A.Z., 03.07.2006, Nr. 151 / Seite 19
Bildmaterial: Benchmark Capital

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