26. Februar 2007 Das Lob kam aus berufenem Munde. "Yahoos neuer Dienst Pipes ist ein Meilenstein in der Geschichte des Internets. Darauf habe ich zehn Jahre lang gewartet", sagte Internetpionier Tim O'Reilly. Auf diese Anerkennung ist Yahoo-Chefentwicklerin Caterina Fake erkennbar stolz.
Denn das Internetportal hat in den vergangenen Monaten fast ausschließlich schlechte Schlagzeilen produziert. Da kam das Lob O'Reillys und der gesamten Internetgemeinde gerade recht, denn "Pipes gehört zu den wichtigsten Yahoo-Produkten im Moment", sagte Fake dieser Zeitung.
Hinter Pipes verbirgt sich eine moderne Internetanwendung, mit der sich Inhalte individuell mischen und zusammenstellen lassen. Mit Pipes lassen sich zum Beispiel Nachrichten (im sogenannten RSS-Format) mit passenden Bildern aus dem Fotodienst Flickr kombinieren oder Nachrichtenströme nach Stichworten filtern. Das Ergebnis sind sogenannte Mashups, die im Web 2.0 die früheren statische Internetseiten abgelöst haben.
Start-Up im Konzern
Mit Pipes habe Yahoo seine Innovationskraft unter Beweis gestellt, die sonst eher in kleinen Unternehmen vermutet wird. "Hätte ein Start-up Pipes erfunden, wäre dies ein Paradebeispiel für Kreativität gewesen. Es gibt kein Innovationsdefizit in großen Internetunternehmen. Man muss nur den Trick kennen, die Innovationen zu produzieren", sagte Fake.
Ihr Trick heißt Brickhouse - und markiert einen Wandel in der Geschichte des Internetgiganten, der inzwischen 13.000 Mitarbeiter beschäftigt. Weil Yahoo an seinem Stammsitz Sunnyvale im Silicon Valley zu schwerfällig geworden ist, hat das Unternehmen 60 Kilometer nördlich in San Francisco ein Team junger Entwickler zusammengestellt.
Unter der Leitung von Fake, die erst 2005 mit der Übernahme der Fotogemeinschaft Flickr zu Yahoo gestoßen ist, soll das Team wie ein Start-up agieren. Pipes ist der erste Dienst, der im Brickhouse entwickelt wurde - und gleich ein Volltreffer.
Lokale Flickr-Version geplant
Yahoo braucht diese Erfolge dringend, denn dem Giganten ist das Wachstum abhandengekommen. Unter den Unternehmen mit den höchsten Wachstumsraten hat Konkurrent Google mit Youtube, Blogger und dem eigenen Portal gleich drei Eisen im Feuer, während Yahoo nur Flickr aufzuweisen hat.
Die Fotogemeinschaft, die Fake gemeinsam mit ihrem Ehemann Stewart Butterfield im kanadischen Vancouver gegründet hat, ist eine der wenigen Erfolgsgeschichten von Yahoo in der jüngeren Zeit. 6,6 Millionen Menschen haben sich bereits registriert. "Mehr als eine Million Fotos werden jeden Tag auf Flickr hochgeladen", sagte Butterfield dieser Zeitung.
Das Ergebnis ist eine gigantische Fotodatenbank. Sie ist besonders wertvoll, weil die Nutzer ihre Fotos mit sogenannten Tags ausführlich beschreiben. Auf diese Weise lassen sich die Fotos leicht finden und mit anderen Inhalten im Internet kombinieren. Butterfield will Flickr nun auch im Ausland vorantreiben: "Wir arbeiten an lokalen Flickr-Versionen." Ein Datum, wann Flickr im Ausland an den Start geht, will er aber noch nicht verraten.
Text: F.A.Z., 26.02.2007, Nr. 48 / Seite 19
Bildmaterial: Flickr, REUTERS, Yahoo
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