Medienpläne der Post

Ein Google auf Zeitungspapier

Von Helmut Bünder

Bald noch mehr Post von der Post

Bald noch mehr Post von der Post

10. April 2008 Die Nullnummern sind fertig. Sehr nutzerfreundlich, sehr „konsumig“, sehr nützlich, sei das neue Anzeigenblatt, mit dem die Deutsche Post in wenigen Wochen bundesweit an den Start gehen und die Briefkästen überschwemmen will. Alles dreht sich um Internet, Telekommunikation und Computer - ein Markt, auf dem hohe Werbeeinnahmen locken. Und diese Themenauswahl soll vor allem auch jüngere Leute und Menschen mittleren Alters ansprechen, welche die weit verbreiteten, meistens regionalen Anzeigenblättchen in der Regel ungelesen ins Altpapier befördern.

Mit dem neuen Wochenblatt wildert die Post im Revier der etablierten Verlage. Sie müssen einen weiteren Aderlass befürchten, nachdem die Werbekunden aus der Telekommunikations- und Computerbranche ohnehin immer stärker ins Internet abwandern. Das wissen auch die Zeitungsmacher der Post, an ihrer Spitze der frühere WAZ-Manager Lutz Glandt, den der Konzern vor einem guten Jahr ins Haus geholt hatte. Ihre Antwort auf die Internetkonkurrenz sind „nutzwertorientierte“ redaktionelle Beiträge. Zum Beispiel Tipps und Ratschläge für die besten Inhalte im Web - eine Art verbessertes Google auf Zeitungspapier. Das könnte, so hofft man, zum Beispiel Neueinsteiger locken, die das Internet gerade erst entdecken. Der „High-Tech-Freak“ werde sich durch das Blatt wohl weniger angesprochen fühlen als Menschen, die sich ohne großen Aufwand und technischen Sachverstand über neue Hardware, Mobiltelefone oder Programme informieren möchten.

Ein lohnendes Geschäft

Über den Partner für das Projekt schweigt sich die Post bisher aus. Man habe einen erfahrenen Verlagsmann gewinnen können, hieß es nur. Großen Wert legt man in der Post auf die Feststellung, dass das Vorhaben keine Kampfansage an die Verlage darstelle, sondern man im Gegenteil eine enge Kooperation etwa für den Druck und den Zukauf von Inhalten anstrebe.
Mit dem redaktionellen Angebot betritt die Post Neuland. Bisher verteilen ihre Briefträger nur das Werbeblättchen „Einkauf aktuell“, ein in Folie eingeschweißtes buntes Sammelsurium von Supermarktreklame für billige Schnitzel und Socken. Rund 17 Millionen Stück davon verstopfen zum Ende jeder Woche die deutschen Briefkästen.

Für die Post ist es ein lohnendes Geschäft: Sie erzielt damit Umsätze von etwa 100 Millionen Euro im Jahr und eine vermutlich haushohe Rendite. Denn ihre Zusteller sind ohnehin unterwegs; die zusätzlich anfallenden Personalkosten dürften sich in engen Grenzen halten. Aber damit das Ganze noch billiger wird, strebt der Konzern zum großen Ärger der Gewerkschaft eine Zusammenarbeit mit Zeitungsverlagen an. Denn deren Boten verdienen deutlich weniger als ein Briefträger, der schon als Anfänger einschließlich Weihnachts- und Urlaubsgeld auf 11,43 Euro in der Stunde kommt. Und der Mindestlohn gilt zwar für die Briefzusteller der Postkonkurrenz, nicht aber für Zeitungsboten. Ein Pilotprojekt mit der Essener WAZ-Gruppe - Glandt lässt die alten Beziehungen spielen - ist Anfang März angelaufen. WAZ-Zusteller versorgen seitdem rund 732.000 Haushalte in Essen, Mühlheim und Gelsenkirchen sowohl mit „Einkauf aktuell“ als auch mit unadressierten Werbebriefen. Langfristig plant die Post die Zusammenarbeit auf weitere Verlage auszuweiten. Dafür gebe es schon einige „interessante Partner“, so Bereichsvorstand Uwe Brinks gegenüber dieser Zeitung.

Die perfekte Kundenkartei

Von den neuen Anzeigenblättern verspricht sich die Post „dreistellige Millionenerlöse“. Die Computerpostille ist nur der Anfang. Briefvorstand Jürgen Gerdes denkt bereits öffentlich über weitere Blätter nach, zum Beispiel als Werbeplattform für die Autobranche. Auch für Bier- und Spirituosenhersteller, denen Werbeverbote im Fernsehen drohen, seien die Postblättchen eine mögliche Alternative.

Zudem wird die Post von Mai an gemeinsam mit dem Verlag Gruner + Jahr eine Gratiszeitschrift herausgeben. Das Magazin mit dem Titel „Neues Zuhause“ soll zwei Mal im Jahr in einer Auflage von jeweils 1,4 Millionen Stück erscheinen. Zielgruppe sind Leser, die gerade umgezogen sind. Weil sie sich neu einrichten oder wenigstens neue Gardinen und Vorhänge vor die Fenster hängen, sind sie für die Werbung besonders interessant. Die Post bringt ihr Herrschaftswissen aus dem Briefmonopol in die Kooperation ein: Da ihr praktisch jeder Haushalt nach dem Umzug die neue Adresse für den Nachsendeservice mitteilt, verfügt sie über die perfekte Kundenkartei.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: ddp

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10.02.2010 | 14:09
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