Von Johannes Winkelhage
04. Februar 2008 Ohne eine effiziente Suche wäre das Internet nie zu dem Erfolg geworden, der heute unsere Welt verändert. Erst dadurch, dass auch spezielle Angebote schnell und einfach auffindbar sind, konnte sich das Netz so fulminant entwickeln. Die Suchmaschinen sind die Katalysatoren, die Interaktion im Netz erst möglich machen. Entsprechend gehören die Seiten der Suchmaschinen traditionell zu den attraktivsten Eintrittsportalen ins Internet und eignen sich besonders für die Vermarktung von Werbung. Damit aber wird im Internet das Geld verdient.
Wie so oft waren aber auch die Anfänge der Suche im Netz klein, bescheiden - und viel preiswerter. So konnte man im Jahr 1993 für 59,90 Dollar ein ziemlich vollständiges Verzeichnis aller Internetadressen erwerben. Adam Engst brachte damals sein Buch Internet Starter Kit heraus, das auf 990 Seiten fast alle bekannten Adressen des jungen World Wide Web enthielt und gleichzeitig erklärte, wie man überhaupt ins Internet hineinkommen konnte. Es folgten sehr schnell eine zweite und dritte Auflage. Danach aber war Schluss mit einer Dokumentation auf Papier: Das Netz wuchs schon damals mit rasender Geschwindigkeit. Es war schnell klar, dass nur elektronische Kataloge eine Lösung waren.
Yahoo ging 1995 mit seiner Suchmaschine online
Es war die Geburtsstunde von Unternehmen wie Yahoo, Lycos oder auch Excite. 1995 ging Yahoo mit seiner Suchmaschine online, die aber in Sachen Effizienz und Genauigkeit nicht mit dem vergleichbar war, was heute an Suchpräzision möglich ist. Im Gegenteil: Yahoo fütterte seinen Katalog anfangs noch von Hand und gab eine Internetadresse nach der anderen ein und ordnete diese nach bestimmen Kategorien. Zunächst war das ausreichend. Doch das rasante Wachstums machte eine Automatisierung notwendig.
Das erkannte im Jahr 1995 auch Digital Equipment, ein amerikanischer Hersteller von Großrechnern, der mit seiner Suchmaschine unter dem Namen Alta Vista in Windeseile zur meistgenutzten Datenbank im Internet aufstieg. Mit Alta Vista wurde erstmals nicht nur nach einzelnen Adressen gesucht: Kleine Softwareroboter durchforsteten die Seiten des Netzes und schauten sich zum ersten Mal deren Inhalte an.
Im Frühjahr 1995 entwickelten findige Wissenschaftler im Forschungslabor von Digital Equipment in Palo Alto eine Methode, mit der jedes Wort einer Seite im gesamten Internet in einem schnellen, durchsuchbaren Index gespeichert werden konnte. Eigentlich wollte man nur einmal nachsehen, wie groß das Netz inzwischen geworden war, hieß es damals von Digital Equipment. Das Unternehmen wollte aber sicherlich auch vorführen, wie leistungsfähig die eigenen Rechnersysteme waren, mit denen Digital schließlich seinen Umsatz machte. Alta Vista wurde auf diesem Weg allerdings zur ersten durchsuchbaren Volltextdatenbank im World Wide Web. Für viele Nutzer war das eine Sensation.
Google taucht erst Ende 1998 auf
Erstmals wurde wirklich eine Suche nach inhaltlichen Kriterien möglich. Allerdings blieb Alta Vista auf das geschriebene Wort beschränkt. Wer nach Audio- oder Videodateien suchte, war mit dem etwas später aufgetauchten Wettbewerber All the Web besser bedient, der sich auch mit diesen Formaten auskannte. Google taucht auf diesem Markt im übrigen erst Ende des Jahres 1998 mit einer Testversion seiner Software auf - und kooperiert für die Weiterentwicklung der Suchtechnik lange mit Yahoo. Der Clou dieser Technik: Die Software gewichtete die gefundenen Seiten nach dem Grad ihrer Verlinkung mit anderen Angeboten. Je besser vernetzt eine Seite, desto weiter oben in der Rangfolge tauchte das Ergebnis auf. Dieser Algorithmus zur Gewichtung von Informationen hat sich seither deutlich weiterentwickelt.
Heute gehen Google und Yahoo getrennte Wege. Der Grund: Im Oktober 2003 übernahm Yahoo den Online-Werbevermarkter Overture, der neben seiner Werbeaktivität auch in der Suche ganz vorne dabei ist. Yahoo wurde durch den Zukauf schlagartig wichtigster Konkurrent von Google. Overture hatte vor der Übernahme durch Yahoo alles von Rang und Namen zusammengekauft. Darunter auch Alta Vista für 140 Millionen Dollar im Jahr 2003 und das norwegische Unternehmen Fast, zu dem inzwischen auch All the Web gehörte. Dafür zahlt Overture ebenfalls im Jahr 2003 rund 70 Millionen Dollar.
Yahoo selbst hatte ungefähr im gleichen Zeitraum den Suchexperten Inktomi geschluckt und dafür immerhin 235 Millionen Dollar gezahlt. Auf der Basis dieser Zukäufe wurde dann die eigene Suchmaschine weiterentwickelt. Deren Ergebnisse müssen sich nach Ansicht der Fachleute heute nicht hinter denen von Google verstecken. So stehen sich die einstigen Partner heute als Rivalen im Suchmarkt gegenüber.
Anfang 2008 startete Wikia Search
Allerdings wird schon länger auf verschiedenen Ebenen versucht, ein Pendant zum übermächtigen Google-Einfluss zu schaffen. So ging Anfang des Jahres 2008 einen Suchmaschine der Internet-Enzyklopädie Wikipedia online, die unter dem Titel Wikia Search und der Adresse "alpha.search.wikia.com" zu finden ist. In den ersten Berichten gab es allerdings schlechte Noten für das Angebot. Das aber erklärt Wikia für normal. So beruht das Konzept der Suchmaschine darauf, dass die Ergebnisse von den Nutzern bewertet werden. Damit setzt Wikia Search ganz auf die Netzwerkeffekte des Internets. Je mehr Leute mitmachen, desto größer ist der Nutzen für alle Anwender. Zum Start aber gibt es noch keine Bewertungen, so dass auch die Ergebnisse erst einmal deutlich schlechter als bei den Wettbewerber ausfallen. Das aber, da ist sich Wikia sicher, wird sich in den nächsten Wochen schnell ändern.
Text: F.A.Z., 05.02.2008, Nr. 30 / Seite 13
Bildmaterial: dpa, F.A.Z.
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