06. Februar 2007 Nach der Absenkung der Gewinnprognose in der vergangenen Woche bereitet die Deutsche Telekom ihre Mitarbeiter auf harte Zeiten vor. In einem Interview mit dem Bonner General-Anzeiger stellte Vorstandschef René Obermann sogar eine Verlängerung des 2008 auslaufenden Kündigungsschutzes in Frage. Ziel sei es, Beschäftigung zu sichern, damit der Betrieb auch in Zukunft auf betriebsbedingte Kündigungen verzichten könne. Eine Garantie dafür kann ich aber nicht geben, sagte Obermann.
Damit wird der Kündigungsschutz zur Verhandlungsmasse. Die Telekom will einen Großteil des deutschen Personals in eine neue Untereinheit (T-Service) mit niedrigeren Lohnkosten und längeren Arbeitszeiten ausgliedern. Nach den bisherigen Plänen sollte T-Service etwa 45.000 Mitarbeiter der Festnetzsparte T-Com aufnehmen, rund die Hälfte der gesamten deutschen Belegschaft der T-Com. Diese Zahl könnte sogar noch höher ausfallen. Wie es aus dem Konzern hieß, werde die neue Gesellschaft neben technischem Service-Personal und Mitarbeitern von Callcentern auch das Personal für Querschnittsfunktionen aus der Verwaltung und den unteren Management-Ebenen übernehmen.
Personalüberhang wird sich weiter verschärfen
Die Rede war von einigen tausend Mitarbeitern. Eine Konzernsprecherin sagte lediglich, dass die genauen Zahlen davon abhingen, wie T-Service im Einzelnen organisiert werde und wie die Aufgaben in Zukunft sinnvoll gebündelt würden. Durch den Umbau will die Telekom die Arbeitsproduktivität erhöhen und die Kosten im Kundendienst und in der Netztechnik an das deutlich niedrigere branchenübliche Niveau heranführen.
Eine Neuauflage des 3,3 Milliarden Euro teuren Programms, mit dem der Konzern sich von 2006 bis 2008 auf freiwilliger Basis von insgesamt 32.000 Mitarbeitern trennen will, kommt für die neue Telekom-Führung nicht in Frage. Einerseits fehlt dafür der finanzielle Spielraum. Andererseits hofft Obermann, Arbeitsplätze durch einen Ausbau der Service-Aktivitäten sichern zu können, wenn es gelingt, die Personalkosten zu drücken. Das jedoch ändert nichts daran, dass sich der Personalüberhang in der Netztechnik durch den Umbau auf die Internettechnologie weiter verschärfen wird. Das zeigt das Beispiel des niederländischen Telekommunikationskonzerns KPN: Dort wird die bis 2010 geplante technische Umstellung des Netzes jeden zweiten Arbeitsplatz in der Festnetzsparte kosten. Die Telekom geht zwar etwas langsamer vor. Aber bis 2012 soll die Internettechnologie auch auf ihrem Netz Einzug halten.
Die Hälfte der Mitarbeiter sind Beamte
Ein rascher weiterer Personalabbau scheitert schon daran, dass die Hälfte der T-Com-Mitarbeiter Beamte sind. Auch von ihnen erwartet der Konzern jedoch einen Sanierungsbeitrag durch flexiblere und längere Arbeitszeiten. Für den Fall, dass sich die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi gegen die Pläne sträubt, erwägt der Konzern nach der Ausgliederung der Mitarbeiter einen Verkauf von T-Service.
Dass dies keine leere Drohung ist, zeigt die Veräußerung der Callcenter der Auffanggesellschaft Vivento. Ende vergangenen Jahres beschäftigte die Vivento Customer Service (VCS) noch rund 3300 Mitarbeiter. Inzwischen hat sie sieben Standorte mit rund 1200 Leuten verkauft. Die Telekom rechnet sich gute Chancen aus, in absehbarer Zeit auch für die verbleibenden Callcenter der Vivento einen Käufer zu finden.
Verdi fordert plausible Marktstrategie
Verhandlungen mit Verdi über die Senkung der Personalkosten lassen dennoch auf sich warten. Wir sind jederzeit gesprächsbereit, so eine Konzernsprecherin. Ursprünglich sollten die Verhandlungen schon im Januar beginnen, doch Verdi sieht dafür bisher keinerlei Grundlage. Uns liegt noch nichts vor, worüber wir verhandeln könnten, sagte eine Verdi-Sprecherin. Weder gebe es einen gekündigten Tarifvertrag noch einen Sanierungsantrag des Konzerns.
Der stellvertretende Verdi-Vorsitzende Lothar Schröder hält den Kurs in der Personalpolitik für verfehlt. Nur wer einen sicheren Arbeitsplatz hat, ist bereit, die notwendigen Umbrüche innerhalb des Konzerns mitzugestalten, sagte er am Montag. Die Telekom brauche eine plausible Marktstrategie anstelle des dicken Rotstifts bei den Personalkosten. Sonst gefährde sie die Motivation ihrer Mitarbeiter und damit auch das Ziel, bei ihren Kunden durch einen besseren Service zu punkten.
Text: bü. / F.A.Z., 06.02.2007, Nr. 31 / Seite 19
Bildmaterial: dpa
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