02. August 2004 Siemens, viertgrößter Handyhersteller der Welt, hat Spekulationen um einen anstehenden Verkauf seines defizitären Mobiltelefongeschäfts eine Absage erteilt.
"Wir hatten die Wahl, die Mobiltelefone zu sanieren, zu schließen oder zu verkaufen", sagte Lothar Pauly, Chef der künftig fusionierten Siemens-Bereiche Mobilfunk (ICM) und Netzwerke (ICN), am Montag in London. Wir werden sie sanieren.
Analysten hatten gemutmaßt, Siemens könnte sich im Zuge der Zusammenlegung der beiden Sparten und angesichts mangelnder Größe aus dem Endgeräte-Geschäft zurückziehen. Zuletzt hatten die Münchener im Vergleich zur Nummer zwei und drei der Branche, Motorola und Samsung, das Nachsehen - auch weil die Konkurrenz über attraktivere Produkte verfügte.
Die Siemens-Aktie notierte gegen Mittag mit 57,61 Euro um 1,2 Prozent im Minus und verlor damit in etwa so stark wie der Gesamtmarkt.
Die Handysparte hatte im abgelaufenen dritten Quartal 2003/04 (per 30. Juni) mit 88 Millionen Euro ihren Verlust im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt. Den Münchenern hatten auch die massiven Preissenkungen von Branchenprimus Nokia zu schaffen gemacht. Pauly, der in London ein neues Handymodell im oberen Preissegment vorstellte, sagte, er rechne weiter mit einem Preisverfall von jährlich zehn bis 15 Prozent in der Branche.
Mit dem nun präsentierten SK65 bietet Siemens erstmals ein Handy an, das über die gleichen Funktionen wie der unter Managern bereits als Kultobjekt gehandelte Blackberry verfügt. Der Benutzer erhält seine E-Mails auch unterwegs umgehend auf sein Mobiltelefon und kann diese über eine kleine Tastatur beantworten. Wir rechnen damit, daß dieses Marktsegment in den kommenden Monaten kräftig wachsen und im Jahr 2006 bereits 20 Prozent des Handy-Marktes ausmachen wird", erklärte Pauly. Mit dem neuen Modell sichere sich Siemens eine gute Ausgangsposition, um dieses Potential auszuschöpfen.
Das Unternehmen erwartet in diesem Jahr einen Preisrückgang bei Mobiltelefonen von 10 bis 15 Prozent. Der historische Preisrückgang um 10 bis 15 Prozent jährlich werde anhalten, sagte Pauly. Im Mobilfunkbereich plane Siemens Joint-Venture-Unternehmen.
Text: FAZ.NET mit Material von Reuters, Dow Jones-VWD
Bildmaterial: Siemens mobile
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