Internet

T-Online wächst kaum noch

T-Online-Chef Rainer Beaujean

T-Online-Chef Rainer Beaujean

11. Mai 2005 Der Internet-Zugangsdienst T-Online verzeichnet kaum noch Wachstum. Der Umsatz ist im ersten Quartal in Deutschland um 3,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 452,5 Millionen Euro gestiegen. "Unser Kundenzuwachs wird sich erst im laufenden Quartal in den Umsätzen niederschlagen", sagte der Vorstandsvorsitzende Rainer Beaujean in einer Telefonkonferenz. Damit der angestrebte Umsatzanstieg um rund 25 Prozent auf 2,5 Milliarden Euro in diesem Jahr noch erreicht wird, "müssen die Wachstumsraten in den kommenden Quartalen anziehen", sagte Beaujean.

Auf Konzernebene stieg der Umsatz um 4,1 Prozent auf 508,8 Millionen Euro. Im Vergleich zum Vorjahr ging aber das Konzernergebnis in den ersten drei Monaten des Jahres um 22 Prozent auf 61,7 Millionen Euro zurück. Im gesamten Jahr wird das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen wegen der hohen Investitionen in das Auslandsgeschäft um rund ein Drittel niedriger ausfallen als im Vorjahr, erwartet das Unternehmen.

295.000 neue DSL-Kunden

Im Geschäft mit schnellen DSL-Internetzugängen hat T-Online 295000 Kunden im ersten Quartal in Deutschland gewonnen und die Zahl der DSL-Kunden auf 3,52 Millionen erhöht. Die meisten Kunden sind allerdings Wechsler, die ihre alte Schmalbandverbindung bei T-Online gegen eine DSL-Verbindung eintauschen. Insgesamt stieg die Zahl der T-Online-Kunden in den vergangenen zwölf Monaten um 1 Prozent auf 13,57 Millionen.

In Frankreich und Spanien gewann T-Online 120000 DSL-Kunden hinzu. Die Telekom-Tochtergesellschaft wird in den kommenden Jahren bis zu einer Milliarde Euro in diese beiden Märkte investieren, um dort jeweils 15 bis 20 Prozent Marktanteil zu erreichen. "Dieses Ziel halte ich für einigermaßen unrealistisch", sagte Marcus Sander, Analyst bei Sal. Oppenheim. "Das ist nur zu verwirklichen, wenn man akquisitorisch tätig wird."

Keine Beteiligung am Preiskampf

An den harten Preiswettbewerb auf dem DSL-Markt wird sich T-Online nicht beteiligen. "Wir haben keine Pläne, unsere Flatrate zu senken", sagte Beaujean. Fast alle Konkurrenten hatten den Preis für den unbegrenzte Internetzugang auf weniger als zehn Euro im Monat gesenkt, während T-Online-Kunden weiterhin ein Vielfaches für die Flatrate zahlen müssen. "Wir gewinnen immer noch Kunden für die Flatrate. Solange wir unser Ziel erreichen, 50 Prozent der DSL-Neukunden der Deutschen Telekom zu gewinnen, sind wir zufrieden", sagte Beaujean. T-Online versucht nun, die Kündigungsfristen für Bestandskunden auf 12 Monate zu erhöhen, um wechselwillige Kunden an das Unternehmen zu binden.

Die umstrittene Verschmelzung mit der Deutschen Telekom wird zügig vorangetrieben. Aktionäre erhalten für 25 T-Online-Aktien 13 Aktien der Deutschen Telekom. Bisher liegen T-Online keine Anfechtungsklagen gegen die Verschmelzung vor, sagte Beaujean. Die Eintragung der Verschmelzung in das Handelsregister stehe kurz bevor.

Text: F.A.Z., 12.05.2005
Bildmaterial: AP

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