Internet

Ebay wandelt sich zum Internet-Kaufhaus

Das Geschäft ändert sich so schnell: Ebay-Chefin Whitman

Das Geschäft ändert sich so schnell: Ebay-Chefin Whitman

08. Februar 2006 Der Internet-Marktplatz Ebay richtet sein deutsches Geschäft künftig stark auf professionelle Händler aus: „Deutschland ist Ebay-Pionier. Unser neues Produkt Ebay-Express wird eine wichtige Rolle in Deutschland in diesem Jahr spielen. Zudem werden die Änderungen der Gebühren in Deutschland dazu beitragen, das Wachstum der Ebay-Stores in Deutschland zu beschleunigen. Das werden unsere beiden wesentlichen Schritte in diesem Jahr sein“, sagte die Ebay-Vorstandsvorsitzende Meg Whitman der F.A.Z.

Ebay-Express, das in Kürze in den Vereinigten Staaten eingeführt wird, faßt neue Produkte, die zu Festpreisen angeboten werden, auf einer speziellen Seite zusammen. „Vor allem professionelle Händler werden diese Funktion mögen, da sie ein Problem löst: Die Tiefe des Angebotes auf dieser Seite wird wohl zunehmen und damit großen Händlern die Möglichkeit geben, größere Stückzahlen eines Produktes zu verkaufen“, sagte Whitman. Das neue Angebot wird vor der üblichen Ebay-Darstellung abweichen und eher einem traditionellen Shop wie Amazon ähneln. „Wir denken auch darüber nach, die attraktiven Verkaufsplätze zu versteigern“, sagte Stefan Groß-Selbeck, Deutschland-Geschäftsführer von Ebay, der F.A.Z. Mit diesem Schritt wandelt sich Ebay immer stärker von einem Auktionshaus für gebrauchte Artikel zu einem Marktplatz für neue Produkte. Schon heute werden mehr als ein Drittel aller Produkte zu Festpreisen angeboten und sind in der Regel Neuwaren.

Nirgendwo bessere Geschäfte

Obwohl der Wettbewerb sehr hart ist, die Preise entsprechend niedrig sind und Ebay im Durchschnitt 5 bis 6 Prozent des Verkaufspreises eines Produktes als Transaktionsgebühr kassiert, lohnt sich der Handel offenbar. „Die Ebay-Marktplätze wachsen fast überall auf der Welt schneller als der elektronische Handel. Der starke Zuspruch und der Nutzer und vor allem die neuen Käufer, die auf unsere Internetseite kommen, machen den Verkauf auf Ebay weiterhin attraktiv. Unsere Händler sagen uns, daß sie - unter dem Strich - nirgendwo bessere Geschäfte machen als auf Ebay“, sagte Whitman.

Obwohl inzwischen viele Händler dem harten Preiswettbewerb, vor allem bei Elektronikartikeln, Tribut zollen müssen, sind die meisten Anbieter zufrieden. „Wenn man die niedrigen Marketingkosten und die sehr geringe Retourenquote berücksichtigt, lassen sich die hohen Transaktionsgebühren und die geringen Preise locker in Kauf nehmen“, sagte Christof Sander, Geschäftsführer des Unternehmens Sell-Marketing, das im Auftrag anderer Unternehmen Produkte auf Ebay verkauft. Die große Anziehungskraft auf die Käufer sieht auch der Österreicher Alexander Zacke, der seit vielen Jahren bei Ebay Antiquitäten vertreibt, als den großen Vorteil des Marktplatzes an. „Die Marketingkosten, um so viele potentielle Kunden zum Besuch eines eigenen Internetshop zu bewegen, wären nicht zu verkraften“, sagte Zacke.

12 000 Profi-Verkäufer

Obwohl Ebay immer mal wieder die Gebühren anhebt, ist die Zahl der Profi-Verkäufer in Deutschland auf rund 12000 gestiegen. Nach einer neuen Untersuchung von AC Nielsen verdienen in Deutschland rund 64000 Menschen mindestens ein Viertel ihres Lebensunterhaltes mit dem Handel auf Ebay. 32000 Menschen erwirtschaften mindestens die Hälfte ihres Einkommens mit dem elektronischen Handel. In ganz Europa sind es rund 171000 Menschen, die einen signifikanten Teil ihres Einkommens bei Ebay erzielen. sagte Whitman in Brüssel.
Das Wachstum in Deutschland ist ungebrochen hoch. „In Deutschland leiden wir zwar etwas darunter, weil wir schon so groß sind. Aber wir werden es weiter schaffen, schneller als der deutsche E-Commerce-Markt zu wachsen. In den vergangenen drei Quartalen haben wir beschleunigte Wachstumsraten in Deutschland erzielt“, sagte Whitman. Genaue Zahlen zum Handelsvolumen will sie nicht nennen, aber nach Schätzungen haben im vergangenen Jahr Produkte im Wert von mindestens zehn Milliarden Dollar auf dem deutschen Ebay-Marktplatz den Besitzer gewechselt.

Um den professionellen Händlern, die einen Großteil des Angebotes in den Marktplatz einstellen, weiter entgegen zu kommen, schließt Whitman es nicht aus, von ihnen eines Tages niedrigere Transaktionsgebühren zu verlangen von als privaten Nutzern. „Es ist ein Grundgesetz von Ebay, daß alle Nutzer die gleichen Transaktionsgebühren auf dem Marktplatz zahlen. Wir haben daher keine Pläne, dies zu ändern. Aber man soll niemals nie sagen - das Geschäft ändert sich so schnell. Wenn wir unterschiedliche Gebühren einmal testen, wird es in Deutschland, den Vereinigten Staaten oder Großbritannien passieren“, sagte Whitman.

Kleinanzeigen im Internet

Um den professionellen Händlern entgegen zu kommen, schließt Whitman es nicht aus, von ihnen eines Tages niedrigere Transaktionsgebühren zu verlangen von als privaten Nutzern. „Es ist ein Grundgesetz von Ebay, daß alle Nutzer die gleichen Transaktionsgebühren auf dem Marktplatz zahlen. Wir haben daher keine Pläne, dies zu ändern. Aber man soll niemals nie sagen - das Geschäft ändert sich so schnell.“

Ebay werde auch das Geschäft mit Kleinanzeigen im Internet ausbauen. Ebay ist außerhalb der Vereinigten Staaten mit der Tochtergesellschaft Kijiji aktiv und besitzt zudem 25 Prozent an Craigslist, einer vor allen in Amerika sehr erfolgreichen Kleinanzeigenseite.

Text: ht., F.A.Z., 08.02.2006, Nr. 33 / Seite 17
Bildmaterial: REUTERS

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